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China-Smartphones: Können Apple und Samsung bald einpacken?

Chinesische Hersteller machen ordentlich Druck auf Apple und Samsung.
Chinesische Hersteller machen ordentlich Druck auf Apple und Samsung. (©Facebook/ Xiaomi 2016)

Auf dem MWC 2016 wäre es dem chinesischen Hersteller Xiaomi beinahe gelungen, Samsung und LG die Show zu stehlen. Grund ist das Xiaomi Mi5, ein High-End-Smartphone für 360 Euro. Doch auch andere Hersteller aus China könnten Apple, Samsung und Co. schon bald Kopfzerbrechen bereiten.

Ein Kommentar von Patrick Schulze

Im Smartphone-Markt tummelt sich mittlerweile eine riesige Zahl an Herstellern. Während die meisten Firmen kaum bekannt sind, gibt es mit Samsung und Apple auch zwei absolute Dickschiffe in der Branche. 324,8 Millionen Geräte konnten die Südkoreaner laut IDC im vergangenen Jahr absetzen, Apple kam auf 231,5 Millionen. Doch die großen Dampfer und ihre Flaggschiffe haben zunehmend ein Problem und das kommt aus China.

Xiaomi: Wie die Chinesen Samsung und LG die Show stehlen

Brennpunkt MWC 2016: Am Sonntag, dem 21. Februar, stellt Samsung das neue Galaxy S7 vor. Das Smartphone bietet eine absolute High-End-Ausstattung an und schlägt die Konkurrenz – zumindest auf dem Papier – in so ziemlich allen Bereichen. Aber das Galaxy S7 hat auch seinen Preis und der soll zum Marktstart bei 699 Euro liegen. Am Dienstag, dem 23. Februar, folgt die Pressekonferenz des chinesischen Herstellers Xiaomi, auf welcher das neue Smartphone Mi5 vorgestellt wird. Das Gerät sieht dem Galaxy S7 fast zum Verwechseln ähnlich und bietet mit Snapdragon 820-Prozessor, 3 bis 4 GB RAM Arbeitsspeicher, 16 Megapixel-Kamera und Fingerabdruckscanner auch eine ähnliche technische Ausstattung.

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Das Xiaomi Mi5 wurde auf dem MWC 2016 vorgestellt. (©Xiaomi 2016)

Der Preis für das Xiaomi Mi5 wird vom Hersteller in der Top-Ausführung mit 128 GB internem Speicher allerdings lediglich mit 2699 Renmimbi Yuan angegeben. Das sind umgerechnet gerade einmal rund 360 Euro für ein Smartphone, mit dem in Puncto Ausstattung derzeit nur das Samsung Galaxy S7 und das LG G5 mithalten können. Beide Geräte werden zum Marktstart allerdings fast das Doppelte kosten.

Noch ist nicht klar, ob sich das Mi5 auch in der Praxis als gleichwertig zu den neuen Top-Geräten von Samsung und LG erweisen wird. Doch selbst wenn die Chinesen nur halbwegs mit der südkoreanischen Konkurrenz mithalten könnten, wäre dies für Letztere ein Problem. Rein preislich ist der Unterschied nämlich so groß, dass von einer Konkurrenzsituation eigentlich schon gar keine Rede mehr sein kann. Die Chinesen führen die Preise, die Apple, Samsung oder Sony für ihre Flaggschiffe verlangen, mit dem Mi5 regelrecht ad absurdum.

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Umgerechnet soll das High-End-Phone nur 360 Euro kosten. (©Xiaomi 2016)

Derzeit beschränkt Xiaomi seine Geschäftstätigkeit allerdings hauptsächlich auf China und ist in anderen Teilen der Welt kaum präsent. In Sicherheit wiegen sollten sich Apple, Samsung und Co. deshalb jedoch nicht. Denn wie schnell sich eine chinesische Marke auf internationalen Märkten durchsetzen kann, zeigt derzeit ein anderer Hersteller.

Huawei auf dem Weg zur weltweiten Nummer eins?

Huawei ist längst in Deutschland angekommen. Der Technologie-Riese aus Shenzhen konnte in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Performance hinlegen. Huawei P8 Lite, Mate S, G8 und Mate 8 sind allesamt hervorragend verarbeitete Smartphones, die in Bezug auf Ausstattung kaum Wünsche übrig lassen. Qualitativ bewegen sich die Chinesen mittlerweile auf Augenhöhe mit Apple und Samsung – preislich oft noch deutlich darunter. Besonders aggressiv ist der Hersteller mit seiner Zweitmarke Honor. Das zuletzt von meinem Kollegen Kai getestete Honor 5X bietet für eine UVP von 229 Euro fast alles, was auch das iPhone 6s Plus hat und liegt auch bei der Alltagsleistung längst nicht so weit vom Apple-Gerät entfernt, wie es der preisliche Unterschied von mehr als 500 Euro vermuten ließe.

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Look & Feel der Oberklasse für gerade mal 230 Euro: das Honor 5X von Huawei. (©TURN ON 2016)

Doch nicht nur Preis und Qualität stimmen bei Huawei. So pumpt der Hersteller auch Unsummen in Werbung und Image. Regelmäßig werden Redakteure auf Unternehmenskosten zu Presseevents eingeladen. Oft dürfen diese die neuesten Geräte dann auch gleich zum Dauertest mitnehmen. So sorgt der Konzern dafür, dass seine Smartphones schon vor dem Marktstart in möglichst viele Hände wandern.

Die Ambitionen sind groß: Laut Richard Yu, dem Chef der Huawei-Gerätesparte, möchte man Apple und Samsung in fünf Jahren überholen und zur weltweiten Nummer eins bei den Smartphone-Verkäufen aufsteigen. Völlig unrealistisch erscheint dieser Anspruch nicht mehr. Noch können die Platzhirsche vor allem auf ihre große Markenbekanntheit und auf viele Markenfans bauen. Aber wie lange werden die noch bereit seit, mehrere hundert Euro mehr zu zahlen, nur weil Apple oder Samsung auf dem Gerät prangt?

OnePlus: Markenkult à la Apple

Apropos Markenkult: Auch das können die Chinesen. So ist die erst 2013 gestartete Marke OnePlus mittlerweile weltbekannt und wurde in der Vergangenheit von einigen bereits als das neue Apple bezeichnet. Neben guter Hardware und attraktiven Preisen überzeugt OnePlus nämlich vor allem mit seinem kompromisslosen Ansatz. Dieser zieht sich nicht nur durch die Produkte, sondern auch durch Marketing und Verkauf. Wer zum Marktstart ein OnePlus One, OnePlus 2 oder OnePlus X kaufen wollte, konnte nicht einfach ins Geschäft gehen und sich ein Gerät kaufen. Vielmehr musste man auf eine Einladung des Herstellers warten und gehörte dann sozusagen zu den wenigen "Auserwählten", die ein OnePlus-Smartphone besitzen durften. Das klingt reichlich bescheuert, hat aber als Image-Kampagne hervorragend funktioniert.

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Verkauf nach Einladung: OnePlus hat sich selbst ein exklusives Image verpasst. (©CC: Flickr/opopododo 2015)

Die Komfortzone wird kleiner

Noch befinden sich Apple und Samsung im Vergleich zu den chinesischen Herstellern in einer komfortablen Situation und für Abgesänge um ihrer selbst Willen habe ich generell wenig übrig. Klar ist aber, dass sich der Markt ändern wird. Zudem muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die neue Konkurrenz aus China den Platzhirschen noch ordentlich Druck machen dürfte.

Denn es ist nicht nur die Preisschraube, an der die chinesischen Hersteller derzeit aggressiv drehen. Bei Design, Innovationen und Software-Entwicklung bewegt man sich in Shenzhen, Peking und Co. mittlerweile auf Augenhöhe mit der namhaften Konkurrenz. Dass Apple und Samsung auch in fünf Jahren noch die ersten Geigen spielen werden, ist deshalb nicht gesagt. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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