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Dank Mini-LED bleiben LCD-Fernseher eine echte OLED-Alternative

Die besten OLED-TVs von 2021 wie der Sony A90J und der LG G1 wollten LCD-Fernseher überflüssig machen. Die größte OLED-Schwäche sollte der Vergangenheit angehören – die geringe Helligkeit. Die ersten Tests der neuen OLEDs und der Neo QLED TVs von Samsung zeigen jedoch trotz der OLED-Fortschritte, dass sich Mini-LED-TVs mit eigenen Stärken behaupten können.

Das finstere Geheimnis der OLED-TVs

OLED-Fernseher bieten einen enormen Kontrast, eine pixelgenaue Beleuchtung und perfektes Schwarz. Die Technologie mit den selbstleuchtenden organischen Pixeln hat jedoch auch ihre Schwächen. Neben dem altbekannten Risiko, dass nach einigen Jahren der Nutzung Inhalte einbrennen können, sind das vor allem die geringere Maximalhelligkeit und das Abdunkeln von größeren hellen Flächen wie einem Sandstrand oder schneebedeckten Bergen mittels "ABL" dem "Automatic Brightness Limiter".

Diese Technik dient dazu, den Fernseher zu schonen und eine Überhitzung, bei OLEDs das Einbrennen zu vermeiden. Dadurch verlieren jedoch insbesondere HDR-Inhalte ein Stück weit ihren "Punch". Auch LCD-Fernseher nutzen in der Regel ABL, aber deutlich weniger aggressiv.

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Ein OLED-TV von Vizio (links) im Vergleich zum LCD-TV Sony XH90 (rechts) bei der Wiedergabe der HDR-Version von "Der Herr der Ringe: Die Gefährten". Die Szene sollte nach Intention des Machers Peter Jackson so hell aussehen wie auf dem LCD-Fernseher. Bild: © YouTube / HDTVTest 2021

Gelingt den neuen Top-OLEDs eine Helligkeits-Revolution?

Panasonic hatte mit dem "Master HDR OLED Professional Edition"-Panel bereits Vorarbeit geleistet. OLED-TVs wie der GZW2004 von 2019 und der Nachfolger HZW2004 von 2020 erreichten eine Maximalhelligkeit von 1.000 Nits in Fenstern der Größen 2 % und 5 % des Displays. Zu diesem Ergebnis kommt der Test von Flatplanelshd.com. Die Helligkeit in solchen Fenstern, also Teilen des Bildschirms, ist für die HDR-Darstellung wichtig  – dunkle Bildteile wie der Nachthimmel und helle Bildteile wie der Mond können so deutlicher voneinander abgegrenzt werden.

Eine Maximalhelligkeit von 1.000 Nits ist ein guter Wert, da die meisten aktuellen HDR10-Inhalte für 1.000 Nits optimiert sind. Normalerweise schaffen OLED-TVs kaum mehr als 700 Nits. Allerdings fällt die Helligkeit der Panasonic-TVs bei größeren Flächen deutlich ab und soll das gesamte Display in hellem Weiß leuchten, sind nur noch düstere 152 Nits möglich.

Der Sony A90J und der LG G1 von 2021 würden noch eines draufsetzen, so die Erwartung. Im Vorfeld gab es Gerüchte, dass der Sony-TV ganze 1.300 Nits schaffen würde (via HDTVTest). Und während verschiedene Tests den TVs eine insgesamt hohe Bildqualität bescheinigen, so können sie doch die Top-OLEDs von Panasonic bei der Helligkeit nicht übertreffen.

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Laut HDTVTest erreicht der LG G1 mit dem "OLED evo"-Panel eine Maximalhelligkeit von rund 790 Nits in einem 10-%-Fenster und ungefähr 160 Nits auf dem ganzen Display. Der Fernseher kann die maximale Helligkeit etwas länger aufrechterhalten als frühere LG-OLEDs, aber einen Durchbruch für bombastischeres HDR stellt der LG G1 nicht dar – sondern eben nur eine Evolution.

Der Sony A90J erreicht laut Rtings als Höchstwert eine Maximalhelligkeit von 842 Nits in einem 10-Prozent-Fenster, im Spielemodus etwas weniger. Bei SDR-Inhalten werden maximal 481 Nits in einem 25-%-Fenster daraus. Das ist zweifellos sehr gut für einen OLED, aber die Top-Modelle von Panasonic schaffen eine noch höhere Helligkeit. Eine Entwicklung gibt es also, doch die Revolution fällt aus.

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Damit kontert Samsungs Neo-QLED-TV QN90A

Während die besten OLED-Fernseher in kleinen Bereichen ihres Displays bis zu 1.000 Nits hell strahlen können, hält sich Samsungs Topmodell unter den 4K-QLED-Fernsehern in gänzlich anderen Regionen auf. Satte 1.800 Nits schaffen der QN90A und der QN95A (letzterer ist dasselbe Modell, nur mit der One Connect Box für die Kabel) bei den Highlights von echten HDR-Inhalten laut Rtings. Solche hellen Highlights sind etwa ein Blitz, eine Explosion und die gleißende Sonne.

HDR-Inhalte werden auf Wunsch an diese Helligkeit angepasst, so lässt sie sich auch für Inhalte ausnutzen, die für 1.000 Nits optimiert wurden. Die immer weiter verbreiteten Dolby-Vision-Inhalte werden meist gleich für 4.000 Nits gemastert, leider unterstützen Samsung-TVs aber kein Dolby Vision. Die Helligkeit von 1.800 Nits ermöglichen die kleinen LED-Lampen im Mini-LED-TV, die Bildteile außerdem gezielter beleuchten können und somit ein Überstrahlen besser vermeiden als herkömmliche LCD-Fernseher mit Full Array Local Dimming.

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Mini-LED-TVs haben eine präzisere Hintergrundbeleuchtung als herkömmliche LCD-Fernseher. Bild: © Samsung 2021

SDR-Inhalte wie Blu-ray-Filme können auf dem Samsung-TV mit maximal 1.428 Nits bei realen Szenen dargestellt werden, so Rtings. Erstrahlt das gesamte Display dauerhaft in hellem Weiß, geht das noch mit 689 Nits – im Vergleich zu den 160 Nits des LG G1 ein dramatischer Unterschied. In der Regel sind TV-Tester der Meinung, dass die meisten OLEDs trotzdem hell genug sind für SDR-Inhalte.

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"Hell genug" mag wohl zutreffen, meiner Erfahrung nach machen aber auch manche SDR-Inhalte mit gewissen Helligkeitsreserven viel mehr her. Zum Beispiel habe ich "Uncharted 4" in SDR und HDR mit hoher Helligkeit gezockt (siehe meinen Kommentar im Meinungskasten unten zu den Details) und glühende Farben sowie die brennende Sonne sind auch in der SDR-Version eine echte Wucht. Bei HDR-Inhalten ist eine höhere Maximalhelligkeit unverzichtbar, bei SDR zumindest ein "Nice to Have".

Was ist nun besser: OLED oder LCD?

Für die Praxis bedeutet das, dass sich die besten LCD-Fernseher weiterhin besser für das Fernsehen in hellen Räumen eignen. Außerdem, dass vor allem HDR-Inhalte durch die höhere Helligkeit auf LCD-TVs wie Samsungs QLED-Flaggschiffen bombastischer aussehen.

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OLEDs (rechts) zeigen große helle Flächen viel dunkler an als LCD-TVs (die beiden links). Bild: © YouTube / HDTVTest 2021

OLED-Fernseher haben Vorteile durch ihre pixelgenaue Beleuchtung und das tiefe Schwarz. Daher wirken HDR-Inhalte auf OLED-TVs präziser und auf ihre eigene Weise eindrucksvoll, auch wenn ihnen ein Stück weit der Show-Effekt bei hellen Bereichen fehlt. Die OLED-Technologie scheint leider allmählich an ihre natürliche Helligkeitsgrenze zu stoßen. Dolby-Vision-Inhalte, die immer mehr Verbreitung finden, sind aktuell meist für 4.000 Nits optimiert. LCD-Fernseher sind in einer besseren Position, diese Helligkeit einst erreichen zu können.

Theoretisch verbinden Micro-LED-TVs die Vorzüge beider Technologien, allerdings bleiben diese auf absehbare Zeit extrem teuer – Samsung verlangt 150.000 Euro für das 110-Zoll-Modell. Außerdem haben Micro-LEDs laut einem Hands-on-Test von Flatpanelshd ihre eigenen Schwächen, nämlich ein weniger perfektes Schwarz als OLEDs, sichtbare Übergänge zwischen den Modulen und einen Fliegengittereffekt, also ein permanent sichtbares Gittermuster. Die Nachteile sind vor allem von der Seite auszumachen und nicht dramatisch, aber auch Micro-LED ist keine perfekte TV-Technologie.

Kurzum: Die besten LCD-TVs und OLED-TVs sind ähnlich gut bei unterschiedlichen Vorzügen. Die Experten von Rtings bewerteten etwa den Samsung QN90A mit 8,6 von 10 Punkten und den Sony A90J mit 8,8 von 10 Punkten. Das ist kein dramatischer Unterschied. Ein Stück weit ist es einfach Geschmacksache, welche Art von TV einem besser gefällt.

Der 43-Zoll-Monitor Philips Momentum 436m6vbpab hat die Besonderheit, dass er komplett auf ABL verzichtet, also auch riesige helle Flächen völlig ohne Abdunkeln darstellt. Und das mit einer maximalen Helligkeit von dauerhaft 842 Nits, für ein paar Minuten sogar 1.100 Nits laut Rtings. Das schafft nicht einmal der Samsung Q90A/Q95A.

Ich kann den Monitor aufgrund des schlechten Edge-Dimmings zwar insgesamt nicht empfehlen, aber er hat für mich besonders eindrucksvoll den Vorzug der LCD-Technik im Vergleich zu OLEDs aufgezeigt. Die Mittagssonne und den strahlend blauen Himmel in "Uncharted 4" auf dem Monitor zu betrachten war in SDR wie HDR ein denkwürdiges Spektakel. Das schaffen OLED-TVs nicht.

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