Meinung

Darum ist die Oculus Rift eigentlich ein echtes Schnäppchen

So soll die Oculus Rift im Auslieferungszustand aussehen.
So soll die Oculus Rift im Auslieferungszustand aussehen. (©Oculus VR 2016)

Der Preis für die Oculus Rift steht fest und er ist deutlich höher, als viele gehofft hatten. Mehr als 700 Euro müssen Gamer berappen, um am PC in die virtuelle Realität eintauchen zu können. Das ist viel Geld, aber eigentlich auch ein ziemlich guter Preis.

Nun ist die Bombe also geplatzt: 699 Euro soll die Virtual Reality-Brille Oculus Rift für deutsche Kunden zum Release kosten. Inklusive Versand steigt der Preis sogar auf stolze 741 Euro. Das ist viel Geld – zu viel Geld, wie viele PC-Gamer jetzt finden. Immerhin hatte der Hersteller Oculus VR doch im Vorfeld mit einem Verkaufspreis zwischen 300 und 400 Euro geliebäugelt. Dieser wurde nun also deutlich überschritten. Aber ehrlich gesagt finde ich das okay.

Neue Technik ist immer teuer

Bei der Oculus Rift handelt es sich schließlich um eine völlig neuartige Technologie. So befinden sich im Inneren der Brille zwei hochauflösende Displays von 1080 x 1200 Bildpunkten, die gemeinsam ein Bild in der Auflösung 2160 x 1200 Pixel erzeugen sollen. Das Ganze soll dann auch noch mit 90 Bildern pro Sekunde laufen. Zusätzlich muss die Oculus in Echtzeit die Bewegungen des Kopfes erfassen und diese auf das Spiel übertragen, sodass der Spieler die Vorstellung hat, er würde sich tatsächlich innerhalb der Spielwelt befinden.

 Die finale Version der Oculus Rift. fullscreen
Die finale Version der Oculus Rift. (©Twitter/ Oculus 2016)

Noch nie gab es eine VR-Brille zu kaufen, die das auch nur annähernd so umsetzen konnte, wie es Oculus verspricht. Diese technische Innovation hat natürlich ihren Preis. In Zeiten, in denen selbst so etwas Profanes wie ein Gaming-Monitor gut und gerne mal um die 500 Euro kostet, sind 741 Euro inklusive Versand für mich deshalb kein unverschämter Betrag. Im Gegenteil: Es ist absolut erstaunlich, dass ein so revolutionäres Produkt wie die Oculus Rift überhaupt unterhalb der 1000-Euro-Marke auf den Markt geworfen wird. Das vorab kursierende Preisfenster unterhalb von 400 Euro fand ich deshalb von vornherein vollkommen unrealistisch.

Im Verhältnis ist die Oculus Rift ziemlich günstig

Selbst jetzt dürfte der Hersteller an der Brille erst einmal kein Geld verdienen. Gestemmt werden kann der Verkauf nach Aussagen von Oculus-Chef Palmer Luckey nur, weil der Mutterkonzern Facebook den Preis massiv subventioniert und ihn damit deutlich unter die 1000-Euro-Marke drückt. Angesichts dessen glaube ich auch nicht, dass HTC seine für Februar angekündigte VR-Brille Vive merklich günstiger verkaufen wird - wenn sie nicht sogar mehr kostet. Die Taiwanesen haben zwar den Spiele-Riesen Valve im Rücken, aber eben keinen Mega-Konzern wie Facebook.

 Der große Konkurrent von Oculus: Die HTC Vive soll im Februar erscheinen. fullscreen
Der große Konkurrent von Oculus: Die HTC Vive soll im Februar erscheinen. (©HTC 2015)

Im Endeffekt bedeutet das, dass sich viele PC-Gamer den Einstieg in die virtuelle Realität erst einmal nicht leisten können – oder wollen. Aber wer kann es sich normalerweise schon leisten, eine neue Technologie gleich zum Start zu kaufen? Nur mal zum Vergleich: 4K-Fernseher kosteten zum Marktstart 2012 und 2013 noch deutlich mehr als 5000 Euro und waren noch längst nicht ausgereift. Kaum vier Jahre später gibt es viel bessere Geräte für deutlich weniger Geld.

2016 markiert den Einsteig in VR, nicht den Durchbruch

So oder so ähnlich wird es wahrscheinlich auch mit den VR-Brillen laufen. Oculus Rift, HTC Vive und Co. werden das Feld bestellen und in ein paar Jahren können dann viele ernten. Dann werden wahrscheinlich auch die ersten Kinderkrankheiten beseitigt, die ersten Spiele veröffentlicht und die dafür nötigen Gaming-Rechner in deutlich mehr Haushalten zu finden sein.

Den großen Durchmarsch für die Virtual Reality-Technologie sollte deshalb noch niemand für 2016 erwarten. Auch ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass ich schon dieses Jahr privat in die Virtuelle Realität eintauchen werde. Jetzt geht es erst einmal darum, das Fundament zu legen und ein Einstiegspreis von 741 Euro ist da gar kein so übler Anfang, um echte Enthusiasten zu locken.

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