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Das iPad war eine tolle Innovation – wird es heute noch gebraucht?

Steve Jobs mit erstem iPad
Mit dem ersten iPad verhalf Steve Jobs im Jahr 2010 den Tablets zum Durchbruch.

Am 3. April 2010 kam das erste iPad auf den Markt. Nun feiert das Gerät, das den Tablet-Computern einst zum Durchbruch verhalf, seinen zehnten Geburtstag. Mit neuen produktiven Möglichkeiten ähnelt es jedoch immer mehr einem Laptop – macht sich das iPad selbst überflüssig?

Die iPad-Vision von Steve Jobs

Ein Gerät zwischen Laptop und Smartphone. So stellte sich Steve Jobs das iPad vor, als er es Anfang 2010 der Öffentlichkeit präsentierte. Im Vergleich zu den anderen beiden Apple-Produkten sollte es einen echten Mehrwert bieten, "viel besser" geeignet sein für einige wichtige Anwendungen. Konkret nannte Jobs: Im Internet surfen, E-Mails schreiben, Fotos betrachten und teilen, Videos ansehen, Musik hören, Videospiele machen und eBooks lesen.

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Das iPad sollte eine Geräteklasse zwischen Smartphone und Notebook sein.

Das iPad war nicht der erste Tablet-Computer, aber es war das Tablet, das die Geräteklasse eigenhändig auf dem Massenmarkt durchsetzen konnte. Noch heute verkaufen sich Apples iPads besser als andere Tablets. Einer verbreiteten Interpretation zufolge kam es jedoch zu einer Art Sündenfall. Apple sei mit dem Apple Pencil von der Vision von Steve Jobs abgerückt, wie CNN schreibt. Schließlich lehnte der Apple-Guru Eingabestifte ab. Bei der Präsentation des ersten iPhones hatte er im Jahr 2007 gesagt: "Du musst sie nehmen, wieder weglegen, Du verlierst sie. (...) Niemand mag einen Stift."

Steve Jobs hatte gleich nach seiner Rückkehr zu Apple im Jahr 1997 den Newton eingestellt, einen handlichen Computer mit Stifteingabe. "Gott hat uns zehn Stifte gegeben. Erfinden wir nicht noch einen", sagte er damals laut der Biografie von Walter Isaacson (via CNN). Doch der Newton war ein kleiner PDA, das iPhone ein noch kompakteres Handy. Ob Jobs den Apple Pencil heute noch für das iPad ablehnen würde, wissen wir nicht.

Das iPad war stets auch kreativ und produktiv

Eines ist nämlich klar: Das iPad war von Anfang an auch für kreative und produktive Aufgaben gedacht. Bereits bei der Präsentation war das erste iPad im künstlerischen Einsatz mit der Software Brushes und im produktiven Einsatz mit Numbers zu sehen. In einem Werbeclip vom August 2010 hatte Apple diese Möglichkeiten noch einmal explizit erwähnt und vorgestellt.

So groß war der Schritt zum Apple Pencil also nicht. Und die Einführung des iPad-Betriebssystems iPadOS Mitte 2019 sollte die Produktivität verbessern, das Tablet vor allem für das Arbeiten mit mehreren Apps zugleich rüsten. Zusätzlich erhielt das iPad weitere Features für den professionellen Gebrauch: Maus-Unterstützung, USB-Sticks und Festplatten können nun angeschlossen werden und es gibt eine umfassendere Unterstützung für eine optional erhältliche Tastatur.

Macht sich das iPad überflüssig?

Mit den neuen Features scheint sich das iPad immer mehr einem Laptop anzunähern. Besteht die Gefahr, dass sich das Apple-Tablet selbst überflüssig macht, wenn es sich am Ende nicht mehr von einem MacBook unterscheiden lässt?

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Das iPad Pro 2020 kann schon fast wie ein Laptop genutzt werden.

Das kann Apple vermeiden, wenn sich das Unternehmen weiterhin an der Idee von Steve Jobs orientiert: Das iPad muss etwas Wichtiges besser können als Smartphones und Laptops. Die Leute müssen einen Grund haben, für bestimmte Aufgaben lieber zum iPad zu greifen als zu iPhone und MacBook. Die Erweiterung der kreativen und produktiven Möglichkeiten, die sowieso schon immer angelegt waren, steht dem nicht unbedingt im Weg.

Was kann das iPad heute besser? Es ist unverändert besonders gut geeignet, um bequem auf dem Sofa oder in einem Café im Internet zu surfen, kurze Mails auf dem Touchscreen zu tippen, YouTube-Clips anzusehen, Fotos zu betrachten, Dokumente zu lesen und bestimmte Mobile-Games zu zocken. Für Musik nehmen die Leute inzwischen aber eher das iPhone und Bluetooth-Kopfhörer oder -Lautsprecher zur Hand.

Andererseits hat das iPad Konkurrenz durch große Smartphones bekommen, die für einige Nutzer schon das Tablet ersetzen. Steve Jobs meinte noch im Jahr 2010, dass niemand große Smartphones kaufen würde – und hat sich damit gründlich geirrt. Apple selbst bietet heute das 6,5 Zoll große iPhone 11 Pro Max an.

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Nicht nur die Displaygröße von Handys hat zugenommen, auch iPads haben größere Bildschirme erhalten.

Dafür ist jedoch auch die Displaygröße der verschiedenen iPad-Modelle angewachsen, während der Rahmen um die Bildschirme geschrumpft ist. Das "normale" iPad hat inzwischen ein 10,2 Zoll statt 9,7 Zoll großes Display, das iPad Pro gibt es bis hin zu einer Größe von 12,9 Zoll. Und Smartphones können nicht unendlich wachsen, selbst die faltbaren Exemplare wie das Galaxy Fold müssen wenigstens zugeklappt noch in die Hosentasche passen.

Was die Produktivität angeht, ist Apple mit dem optionalen Magic Keyboard 2020 noch einen Schritt weitergegangen. Diese Tastatur ähnelt technisch dem Keyboard des MacBook Air. Im Vergleich zu dem Laptop lässt sich das iPad jedoch schneller und bequemer nutzen, das Keyboard ist vor allem ein Zubehör für jene, die schnell mal eine E-Mail schreiben oder einen Blogeintrag tippen möchten. Derweil liegen die MacBooks für das ernsthafte Arbeiten, auch dank ihrer umfassenderen Desktop-Software, weiterhin vorne. Mit einer Ausnahme.

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Das iPad Pro hat sich im Vergleichstest als das beste Tablet für das Zeichnen erwiesen.

Vor allem das iPad Pro spielt einen großen Vorteil gegenüber den MacBooks aus: Es eignet sich besonders für jene, die mit dem Apple Pencil arbeiten. Für das Zeichnen habe ich es in meinem Vergleichstest als das beste Tablet überhaupt bewertet. Es ist zunehmend sogar für professionelle Designer eine gute Wahl, Photoshop für iPadOS nähert sich seinem Desktop-Vorbild an. Das ist noch etwas, was das iPad besser kann als Smartphone und Laptop.

Fazit: Es hängt von Apple ab

Ja, das iPad wird noch gebraucht. Ob das so bleibt, hängt davon ab, ob sich Apple weiterhin am Grundgedanken von Steve Jobs orientiert: Das iPad muss etwas Wichtiges besser können als Smartphone und Laptop. Allen Unkenrufen zum Trotz ist Apple bislang diesem Leitbild treu geblieben.

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