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Das iPhone 11 wirkt unspektakulär, könnte aber ein großer Wurf sein

iPhone 11
Das iPhone 11 ist vielleicht der heimliche Star der Apple-Keynote.

Die Apple-Keynote zur Vorstellung von iPhone 11 und iPhone 11 Pro wirkte für viele Beobachter unspektakulär. Gerade das eher bieder wirkende iPhone 11 könnte für den Konzern aber ein ziemlich großer Wurf werden.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Die Apple-Keynote zum iPhone 11 und iPhone 11 Pro am Dienstagabend war ziemlich unspektakulär. Das von Apple im Vorfeld der Veranstaltung ausgelobte Motto "By Innovation Only" mutet im Nachhinein fast schon ein wenig frech an. Denn wirkliche Innovationen gab es aus Sicht von Technik-Enthusiasten nicht zu sehen.

Dem iPhone 11 Pro fehlt der "Wow"-Effekt

Die neuen High-End-Smartphones iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max dürften zwar mit ziemlicher Sicherheit hervorragende Geräte sein, bieten jedoch keine wirklich bahnbrechenden Features. Ob nun verbesserte Akkulaufzeit, Weitwinkelkamera oder Nachtmodus – bei den wichtigsten Neuerungen schließt Apple "nur" zu den Konkurreten Huawei, Samsung und Google auf. Einen "Wow"-Effekt konnte dementsprechend keine dieser Ankündigungen auslösen.

iPhone 11 Pro fullscreen
Das iPhone 11 Pro kommt ohne große Innovation daher.

Eigentlich könnte man somit meinen, die neue iPhone-Generation sei kaum der Rede wert, zumal viele Kunden wahrscheinlich ohnehin wieder von den hohen Preisen der Pro-Serie abgeschreckt werden. Aber tatsächlich glaube ich, dass der Hauptfokus von Apple selbst gar nicht auf den Pro-Modellen liegt, sondern vielmehr auf der Standard-Ausführung, dem iPhone 11.

Das normale iPhone 11 ist der heimliche Star

Selbstverständlich muss Apple allein schon aus Image-Gründen das Pro-iPhone auf den Markt bringen, um zu zeigen, dass man sich technologisch nicht von Samsung, Huawei und Co. abhängen lässt. Aber das werte ich vor allem als ein Signal an Leute wie mich, die bis zum Hals in der Tech-Blase drinstecken. Einem Großteil der Apple-Fans da draußen dürfte der aktuelle Spec-Porn hingegen reichlich egal sein. Sie wollen einfach nur ein aktuelles iPhone, weil sie damit gute Erfahrungen gemacht haben und an das System gewöhnt sind.

Es ist ja kein Zufall, dass das beliebteste iPhone der letzten Monate laut einer Analyse von IHS keineswegs das bisherige Flaggschiff XS war, sondern das deutlich konservativere XR. Genau diesem Modell spendiert Apple mit dem iPhone 11 das vielleicht attraktivste Upgrade in diesem Jahr.

Warum das iPhone 11 erfolgreich werden könnte

Denn das iPhone 11 übernimmt zwar das grundlegende Design vom Vorgänger, kommt aber mit einem stärkeren und vor allem energiesparenderen  Prozessor daher. Zusätzlich besitzt es eine Dual-Kamera für Ultra-Weitwinkel-Fotos und ist zur Markteinführung mit 799 Euro (UVP) sogar 50 Euro günstiger als der Vorgänger zum Launch im vergangenen Jahr. Klar, ein Schnäppchen ist es damit noch nicht, aber das haben eingefleischte Apple-Kunden wahrscheinlich sowieso nicht erwartet.

iPhone 11 fullscreen
Als Nachfolger des iPhone XR könnte das 11er viele Fans finden.

Der eigentliche Coup könnte aber der Name sein: Denn während der Vorgänger, das iPhone XR, gegenüber dem iPhone XS schon rein nominell nur als abgespeckte Version gelten konnte, trägt das neue Modell eben die Bezeichnung iPhone 11, ganz ohne zusätzlichen Buchstaben. Damit steht es dem Namen nach in der Tradition von iPhone X und iPhone XS und dürfte aus Sicht vieler Kunden als der eigentliche Nachfolger durchgehen.

All diese Punkte könnte das Gerät in den Augen vieler Apple-Nutzer, die nach zwei oder drei Jahren auf ein neues iPhone umsteigen wollen, äußerst attraktiv machen.

Zeigt das iPhone 11 die langfristige Apple-Strategie?

Anders als in den vergangenen Jahren könnte der Fokus von Apple diesmal tatsächlich darauf liegen, eher den Massenmarkt zu erreichen, als das High-End-Segment. Letzteres ist zwar finanziell besonders attraktiv (kein Hersteller weiß das besser als Apple) aber für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens aktuell weniger relevant.

Denn am Dienstagabend hat Apple auch noch den neuen TV-Streaming-Dienst Apple TV+ angekündigt. Der hat zwar an Content noch nicht viel zu bieten und wirkt für sich genommen momentan wenig attraktiv, kommt jedoch im ersten Jahr als kostenlose Beigabe mit jedem neuen iPhone.

Apple TV Plus fullscreen
Services wie Apple TV+ stellen wahrscheinlich die Zukunft des Unternehmens dar.

Mit vielen verkauften Geräten erhöht das Unternehmen also die Chance, möglichst viele Nutzer als Dauerabonnenten für den neuen Service zu rekrutieren. In einem Jahr, wenn die Gratisphase ausläuft, könnte das Content-Angebot von Apple TV+ dann schon attraktiver aussehen und einen hohen Prozentsatz davon abhalten, das Abo wieder zu kündigen.

Es ist kein Geheimnis, dass Apple im Content- und Service-Bereich seine Zukunft sieht und es würde mich deshalb auch nicht wundern, wenn das aktuelle Produkt-Lineup bereits auf diese Zukunft ausgerichtet ist. Hat man diesen Gedanken im Hinterkopf, dann erscheint es gar nicht so unwahrscheinlich, dass das eher biedere iPhone 11 vielleicht doch ein ganz großer Wurf werden könnte.

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