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Das Jahr der Notch ist endlich vorüber

Die Notch des iPhone X war 2018 für viele Hersteller eine große Inspiration.
Die Notch des iPhone X war 2018 für viele Hersteller eine große Inspiration.

Das Jahr der Notch neigt sich dem Ende entgegen. 2018 ahmten praktisch alle Smartphone-Hersteller das Design des iPhone X nach und bauten die Aussparung in ihre Handy-Displays ein. Die Notch ist ein wichtiger Schritt zum rahmenlosen Smartphone gewesen, aber auch eine Designsünde – mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich daher auf die Notch zurück.

  1. Wer hat's erfunden? Nicht die Schweizer
  2. Danke, Apple: Wie das iPhone X die Notch beliebt machte
  3. Eine Notch im Süßwarenladen: Die Designsünde des Pixel 3 XL
  4. Eine Notch war nicht genug: Als sich die Notches vermehrten
  5. Wassertropfen-Notch: Wenn die Notch zum Abschied weint
  6. Oben ohne: Die ersten Smartphones ohne Notch
  7. Das gelochte Smartphone: 2019 macht Handys zum Schweizer Käse
  8. Fazit: Auf Wiedersehen, Notch, Du komische Kerbe

Wer hat's erfunden? Nicht die Schweizer

Die erste Handy-Notch im Sharp Aquos S2 war noch recht klein.

Sie erlangte erst mit dem iPhone X Berühmtheit. Allerdings geht die Notch ursprünglich nicht auf Apple zurück. Viele Tech-Nerds irren sich auch, wenn sie das Essential Phone als Notch-Vorreiter nennen – auch wenn das, zugegeben, Haarspalterei ist, weil das Essential Phone wenige Tage später das Licht der Welt erblickte. Streng genommen brachte der Elektronikkonzern Sharp mit dem Aquos S2 und dessen "Free Form Display" am 14. August 2017 das erste Smartphone mit Notch auf den japanischen Markt. Die Mutter aller Notches beherbergte neben der Selfie-Kamera auch den Hörer des Smartphones und steckte oben im länglichen 18:9-Display.

Danke, Apple: Wie das iPhone X die Notch beliebt machte

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Der Displayinhalt muss beim iPhone X der aufdringlichen Notch weichen.

Am 12. September 2017 war es so weit: Apple führte mit dem iPhone X das Smartphone ein, das die Notch weltberühmt machte. Neben der Selfie-Kamera beherbergte sie auch den Hörer und die Face-ID-Sensoren. Leider macht die Notch ärgerliche Kompromisse nötig. So müssen Entwickler ihre Apps um die Notch herumbauen und dürfen sie nicht ausblenden. Dabei verdeckt die Notch einen Teil des Displays, weshalb sich Samsung über die Designwahl lustig machte. Letztlich hat es alles nichts gebracht: Die Notch war der Trendsetter für das Smartphone-Design des Jahres 2018.

Eine Notch im Süßwarenladen: Die Designsünde des Pixel 3 XL

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Google bekennt sich mit dem Pixel 3 XL stolz zur Notch.

Wenn schon, dann richtig. Das dachte sich Google vielleicht, als das Unternehmen das Pixel 3 XL mit einer besonders fetten Notch ausstattete. Bereits vor Release machten Leaks die Riesennotch von Google zum Gesprächsthema. Android-typisch lässt sie sich durch einen schwarzen Balken unsichtbar machen, allerdings hätte man sie dann eigentlich gar nicht gebraucht. Und das ist nur ein Beispiel für mehrere unrühmliche Notch-Ideen der Hersteller.

Eine Notch war nicht genug: Als die Notches sich vermehrten

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Mit zwei Notches wagt Sharp beim Aquos R2 Compact den Notch-Overkill.

Beim Google Pixel 3 XL gab es zeitweise einen Bug, der die ohnehin schon große, störende Notch um eine weitere an der rechten Seite ergänzte. Nach dem Motto: "Ihr mögt unsere Riesennotch nicht? Hier ist noch eine." Konsequenterweise hat Google sein Betriebssystem Android Pie für Smartphones mit zwei Notches kompatibel gemacht. Da zeigte sich der Notch-Erfinder Sharp gleich enthusiastisch und veröffentlichte das Aquos R2 Compact mit zwei Notches in Japan.

Wassertropfen-Notch: Wenn die Notch zum Abschied weint

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Die kleine Wassertropfen-Notch des OnePlus 6T stört kaum noch.

In China führten die ersten Hersteller wie Oppo bald die Mini-Notch im Wassertropfen-Design ein. Sie sieht so aus, als würde sie von oben in das Display hinein tropfen. Die kleine Wassertropfen-Notch wirkt eleganter als vorherige Versuche und stört auch weniger im Alltagseinsatz. Das haben wir im Test des OnePlus 6T mit Freuden festgestellt. Das neue Design leitet auch treffend das Ende der Display-Kerben ein, denn der Wassertropfen lässt sich ebenso als Träne interpretieren, den das Smartphone zum Abschied vergießt.

Oben ohne: Die ersten rahmenlosen Smartphones ohne Notch

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Die ausfahrbaren Periskop-Kameras konnten sich nicht durchsetzen.

Die ersten fast rahmenlosen Smartphones ohne Notch setzten auf eine ausfahrbare Selfie-Kamera. Mithilfe eines aufwendigen Mechanismus wurde die Kamera beim Vivo Nex und beim Oppo Find X aus dem Rahmen oben heraus geschoben und so konnte der Displayrahmen weiter abnehmen. Eine originelle Idee – aber letztlich wohl zu teuer und zu anfällig für Schäden. Die Periskop-Kameras haben sich nicht durchgesetzt und werden aller Wahrscheinlichkeit nach bald den Weg des Dodos gehen. Und den Weg der Notch.

Das gelochte Smartphone: 2019 macht Handys zum Schweizer Käse

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Für die Selfie-Kamera wird zukünftig ein Loch ins Display gebohrt – wie hier beim Honor View 20.

Das Jahr 2019 gehört vermutlich den Smartphones mit einem Loch im Display. Nein, die Hersteller machen nicht ihre Handys kaputt, sondern in diesem Loch kommt zukünftig die Selfie-Kamera unter. Entsprechende Smartphones haben Huawei in Form des Nova 4 und Honor in Form des View 20 bereits angeteasert. "Dieses Loch", so Honor, "ist kein traditionelles Loch." Am Marketing müssen die Hersteller zwar noch arbeiten, aber gegenüber der Notch ist das Loch aus praktischer Sicht im Vorteil, da es weniger Displayfläche beansprucht.

Der neue Designtrend dürfte 2019 auch von Samsung populär gemacht werden, denn das heiß ersehnte Galaxy S10 setzt voraussichtlich ebenso auf die Loch-Kamera. Wir sehen die Memes schon vor uns, die sich über die gelöcherten Smartphones lustig machen. Aber wie bereits bei der Notch lacht am Ende wohl keiner mehr, sondern das Loch wird bestimmt zum neuen Smartphone-Standard. Im Jahr 2020 dürfte die Selfie-Kamera dann endlich, wie schon der Fingerabdruckscanner, unter das Display wandern.

Fazit: Auf Wiedersehen, Notch, Du komische Kerbe

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Ob Apple der Notch auch beim Nachfolger des iPhone XS noch treu bleiben wird?

Die Smartphone-Hersteller haben es geschafft, dass 2018 jeder über ihre komische Kerbe geredet hat – und viele Kunden erwarteten sogar eine davon in ihrem neuen Handy. TURN ON-Kollege Patrick fand die Notch, sofern sie durch die Software sinnvoll genutzt wurde, recht nützlich. Ich hatte vielmehr vorgeschlagen, lieber die Selfie-Kamera ganz wegzulassen, als sich mit der nervigen Kerbe zu arrangieren. Inzwischen habe ich jedoch meinen Frieden mit der Notch geschlossen.

Es war seltsam, ein Jahr lang über eine Aussparung in Smartphone-Displays zu schreiben, aber die Notch war auch eine quirlige, kleine Erscheinung. Ein bisschen werde ich sie vermissen. Ich freue mich trotzdem auf 2019, wenn die Hersteller stattdessen Löcher in ihre Handy-Displays bohren und ich in Tests prüfen kann, wie gut sie das hinbekommen.

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