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Der lange Weg zu OLED: Warum kommen tolle Laptop-Displays so spät?

Gute Laptop-Displays sind nicht nur für das Gaming sinnvoll.
Gute Laptop-Displays sind nicht nur für das Gaming sinnvoll.

Inzwischen haben sich IPS-Displays bei Laptops weitgehend durchgesetzt. 2019 erscheinen sogar einige Notebooks mit OLED-Bildschirmen – aber herrje, hat das ewig gedauert! Warum mussten wir bei Laptops so lange warten, während TVs und Monitore schon lange vorher auf IPS und OLED setzten? Ich habe bei den Herstellern nachgefragt.

TN, IPS und OLED: Wo ist der Unterschied?

Sowohl TN- als auch IPS-Displays zählen zu den LCD-Bildschirmen. Diese besitzen eine Schicht aus Flüssigkristallen, die verschiedene Farben erzeugen, wenn Licht darauf trifft. Dieses Licht wird von hinten, etwa von LED-Lampen, auf die Kristallschicht geworfen, und der Betrachter sieht ein farbiges Bild.

"TN" ("Twisted Nematic")-Panels sind die günstigsten LCD-Bildschirme. Ihr großer Vorteil ist die schnelle Reaktionszeit, weshalb sie noch immer bei Profi-Gamern beliebt sind. Die Farbdarstellung sowie die Blickwinkelstabilität lässt bei den TN-Displays allerdings zu wünschen übrig und darum sind sie die zweite Wahl, sobald es um etwas anderes geht als um die Darstellung von schnellen Videospielen.

IPS-Panels liegen im Vergleich zu TN bei der Farbdarstellung und bei der Blickwinkelstabilität deutlich vorne. Für die Bild- und Videobearbeitung werden daher fast immer IPS-Display eingesetzt. Inzwischen haben die IPS-Screens auch bei der Bewegungsdarstellung deutlich aufgeholt, weshalb selbst Gaming-Laptops inzwischen meist damit ausgestattet sind. Kompetitive Hardcore-Gamer setzen weiterhin auf TN-Bildschirme, die Bewegungen noch flüssiger und mit einer höheren Bildwiederholrate von aktuell bis zu 240 Hz darstellen können.

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Mein Asus ZenBook 14 hat ein IPS-Display.

OLED-Displays aus organischen Leuchtdioden sind grundsätzlich anders gebaut als LCD-Bildschirme. Sie setzen auf einen selbstleuchtenden organischen Farbstoff ("organisch" bedeutet "auf Kohlenstoffbasis") und daher muss die Farbschicht nicht von hinten mit Lampen beleuchtet werden.

Vorteile sind die pixelgenaue Beleuchtung und Färbung des Bildes, ein perfekter Schwarzwert – weil die Pixel bei einem schwarzen Bild nicht leuchten – und eine sehr gute Blickwinkelstabilität. Nachteile sind die geringere Maximalhelligkeit im Vergleich zu LCDs, die Einbrenngefahr bei statischen Inhalten und OLED-Panels mit 144 Hz oder höher lassen noch auf sich warten.

Das Dell Alienware 13 wurde 2015 als einer der ersten und bis heute wenigen Laptops mit OLED-Display veröffentlicht.

Laptop-Displays: Das finstere Zeitalter

Bis inklusive des Jahres 2017 waren TN-Panels bei Notebooks noch weit verbreitet, dabei begnügten sich 51,7 Prozent der an Unternehmenskunden verkauften Laptops zudem mit einer niedrigen Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln. Das schreibt laptopmag.com mit Bezug auf die Marktforscher von NPD. Das Multitasking war dadurch stark eingeschränkt, Bildbearbeitung mit solchen Displays praktisch unmöglich. Zum Vergleich: Es gibt heute IPS-Laptops mit 4K- (bzw. eigentlich UHD-)Displays. Diese haben eine Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln.

Tatsächlich warf cnet.com bereits im Jahr 2012 die Frage auf, wo die guten Laptop-Displays bleiben. Damals waren Smartphones und Tablets bereits standardmäßig mit IPS-Panels ausgestattet, auch bei Monitoren und Fernsehern waren sie schon weit verbreitet. Lediglich Notebooks gingen abseits von teuren Workstation-Modellen leer aus. Cnet hatte schon damals bei Asus und Dell nachgefragt, warum das so ist, und einige aufschlussreiche Antworten erhalten.

Vor zehn Jahren waren Laptops wie der Dell Vostro 3500 (links) noch standardmäßig mit einem TN-Panel mit einer Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln ausgestattet.

So gab Asus laut Cnet unter anderem an, dass sich die Käufer von Mainstream-Notebooks unter 1.000 Euro vor allem für Performance und Displaygröße interessierten, nicht aber für die Vorzüge von IPS-Panels. Ferner benötigten IPS-Displays etwas mehr Strom als TN-Bildschirme, was sich auf die Akkulaufzeit auswirke. Dell gab unter anderem an, dass IPS-Displays in den Größen von 11 bis 15 Zoll damals noch kaum vorhanden waren, da sie von den Kunden kaum nachgefragt wurden und daher in der Produktion zu viel kosteten.

Diese Aussagen sind aufschlussreiche Ergänzungen zu denen, die ich nun selbst von Herstellern erhalten habe. Aus den aktuellen Erklärungen geht außerdem hervor, wie es heute um OLED-Bildschirme in Laptops steht.

Nachgefragt: Warum die lange Wartezeit?

Ich habe mehreren Notebook-Herstellern diese Frage gestellt: "Warum werden hochwertige Displays (wie IPS und nun OLED) erst lange nach ihrer Einführung für Fernseher und Monitore bei Laptops angeboten?" Im Folgenden gebe ich die Antworten von HP, Asus, Dynabook (zuvor als Toshiba bekannt) und Dell ungekürzt wieder. Die Antwort von Dell habe ich vom Englischen ins Deutsche übersetzt.

Warum werden hochwertige Displays (wie IPS und nun OLED) erst lange nach ihrer Einführung für Fernseher und Monitore bei Laptops angeboten?

HP, Stefan Binder, Area Category Management für HP Consumer Mobiles: „Der Einsatz von hochwertigen Display-Technologien wie IPS oder OLED hing bisher stark von der Größe des Formfaktors ab – je kleiner der Formfaktor, umso größer die Anforderungen an die Technologie. Unser Ziel ist es, unseren Kunden ausgereifte und hochwertige Produkte und Technologien an die Hand zu geben. Bisher erfüllte die Entwicklung dieser Display-Technologien nicht unsere hohen Standards und die speziellen Anforderungen der Endgeräte – beispielsweise auch in Sachen Energieeffizienz.

Wir verfolgen die aktuellen Fortschritte und arbeiten eng mit den Herstellern zusammen, um unseren Kunden Notebooks mit IPS- oder OLED-Displays bieten zu können, wenn technisch sinnvoll.“ 

Asus: "ASUS ist bestrebt, seinen Kunden stets hochwertige Notebooks in bestmöglicher Produktqualität zu bieten. Daher bieten wir bereits seit geraumer Zeit Notebook-Modelle im Premium- und Gaming-Segment mit Panels an, die IPS-Technologie verwenden.

Aktuell sind dies fast alle Gaming-Notebookmodelle der Marke ROG sowie eine Vielzahl von ZenBooks und VivoBooks. Im Vergleich zu Smartphones ist der erwartete Produktlebenszyklus von Notebooks deutlich länger, weshalb insbesondere auf langzeitige Fehlerfreiheit geachtet werden sollte.

Derzeit genügen erhältliche OLED-Panels hier leider noch nicht dem Qualitätsanspruch von ASUS, insbesondere hinsichtlich der bekannten „Burn-In“ Problematik, die mit der Zeit zu Farbverfälschungen führen kann und dadurch sogar eine Farbraum-Zertifizierung verhindern könnte, die von unseren hochwertigen Notebook-Serien erwartet wird."

Dynabook, Florian Matthaeus, Head of Product Management bei der Dynabook Europe GmbH: "Die In-Plane Switching (IPS) Technologie eignet sich perfekt für Notebooks oder 2-in-1-Geräte. Deshalb setzen wir in unserem Business-Notebook Line-up schon sehr lange IPS-Displays ein. Nutzer profitieren von vielfältigen Vorteilen: Hierzu zählen beispielsweise eine scharfe und detailgetreue Farbdarstellung sowie ein großer Betrachtungswinkel. Zudem sind IPS-Panels für Geräte mit Touch-Displays prädestiniert, da keine hellen Stellen bei der Berührung entstehen können.

Vom Einsatz der OLED-Technologie in Notebooks wiederum halten wir uns aufgrund einer relativ schwierigen Produktion zurück. Vielmehr legen wir 2019 den Fokus neben IPS-Panels auf die neue, von Intel, Sharp und Innolux entwickelte IGZO (Indium-Gallium-Zink-Oxid) LCD-Display-Technik. Diese benötigt signifikant weniger Strom im Vergleich zu einem herkömmlichen LCD-Bildschirm.

Das ist in Zeiten zunehmender Mobilität ein unschätzbarer Vorteil, da die Geräte so noch länger ohne externe Stromzufuhr durchhalten sowie bei gleicher Akkulaufzeit eine deutlich hellere Bildwiedergabe ermöglichen. Wir planen den Einsatz IGZO-basierter LCD-Displays in verschiedenen neuen Notebook-Modellen, die dieses Jahr auf den Markt kommen werden."

Dell: "OLED ist eine unglaubliche Technologie für das Gaming und Alienware war das erste Unternehmen, das mit dem Alienware 13 im Jahr 2015 OLED im Gaming-Bereich eingeführt hat. Tatsächlich bieten wir OLED im 13-Zoll-Format seit dieser ursprünglichen Veröffentlichung an. Sobald die Technologie-Anbieter OLED-Panels in den größeren Formaten produzieren, werden Alienware und Dell die ersten sein, die Geräte mit diesen Technologien auf den Markt bringen.

Schwierige Technik und geringe Nachfrage

Die Hersteller nennen also zwei grundsätzliche Gründe: Technische Herausforderungen und die Wirtschaftlichkeit.

Zunächst ein Hinweis zum Thema Stromverbrauch: Zwar verbrauchen die IPS-Displays mehr Strom als TN-Panels, aber es gibt inzwischen viele IPS-Notebooks, die dennoch auch bei der Akkulaufzeit überzeugen. Ultrabooks wie das Lenovo ThinkPad X1 Carbon, der Microsoft Surface Laptop 2 und der Dell XPS 13 erreichen laut notebookcheck.com zum Beispiel Laufzeiten von acht bis neun Stunden beim Surfen im WLAN-Netz. Auch Notebooks mit größeren IPS-Bildschirmen wie das Dell XPS 15 halten lange durch (über 15 Stunden bei diesem Modell).

Trotzdem muss bei Laptops immer zwischen Faktoren wie Leistung, Gewicht, Display, Laufzeit und Preis abgewogen werden. Wer also etwa bei Leistung und Laufzeit keine Kompromisse eingehen möchte, sucht vielleicht nach Wegen, Displays mit möglichst geringem Stromverbrauch zu verbauen.

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Der Microsoft Surface Laptop 2 erreicht trotz IPS-Panel gute Laufzeiten.

Dynabook spricht die IGZO-Technik an, die dem Stromverbrauch der herkömmlichen IPS-Panels entgegenwirken soll. Dabei handelt es sich nicht um eine Alternative zu IPS oder OLED, sondern um einen Dünnschichttransistor, der anstelle der herkömmlichen Schicht aus amorphem Silicium mit der IPS- oder OLED-Technologie kombiniert werden kann. Diese Transistor-Schicht dient zum Steuern der Spannungen und Ströme im Bildschirm. Bislang wurde IGZO aus Kostengründen selten in Laptops eingesetzt, aber wenn die kommenden Modelle von Dynabook als Hinweis gelten dürfen, sind die Kosten für diese Technik offenbar gesunken.

Bei OLED-Bildschirmen für Laptops werden gleich mehrere technische Probleme angesprochen: Laut HP sind die OLED-Panels in Laptop-Größen technisch unausgereift, etwa bei der Energieeffizienz – sie verbrauchen mehr Strom als IPS-Displays. Asus nennt mögliche Farbverfälschungen durch die Burn-in-Problematik – das bei OLED drohende Einbrennen statischer Inhalte. Nur Dell zeigt sich von OLED begeistert und wartet lediglich darauf, bis die Displayhersteller entsprechende Panels in passenden Größen anbieten.

So kann ein eingebrannter OLED-Screen (hier ein TV) schlimmstenfalls aussehen.

Wie etwa das Alienware 13 aus dem Jahr 2015 und das Lenovo ThinkPad X1 Yoga OLED aus dem Jahr 2016 gezeigt haben, können OLED-Displays in Notebook-Größen grundsätzlich schon lange gebaut werden. Burn-in ist bei der Technik ein Risiko, aber Berichte von Käufern über ein eingebranntes Display sind online kaum zu finden. Auch bei der Akkulaufzeit waren diese Laptops laut den Kollegen von NBC zumindest durchschnittlich bis gut. Zugegeben wird die hohe Helligkeit von HDR-fähigen OLED-Displays aber zusätzlich am Akku saugen, wie der NBC-Test des ThinkPad X1 Yoga 2018 mit einem solchen Bildschirm gezeigt hat.

Noch 2019 sollen trotz aller Herausforderungen weitere Notebooks verschiedener Hersteller mit OLED-Bildschirmen erscheinen. Dass es bei IPS so lange gedauert hat und nun bei OLED so lange dauert, hat neben technischen Herausforderungen wohl diesen hauptsächlichen Grund: die mangelnde Nachfrage.

Fazit: Der Kunde hat die Macht

Das lange Warten auf gute Laptop-Displays haben also auch die Kunden zu verantworten. Die Technik lässt sich grundsätzlich schon lange herstellen, das war im Jahr 2012 bei IPS- und ist heute bei OLED-Panels der Fall. Vor allem die geringe Nachfrage schraubt die Herstellungskosten jedoch nach oben.

Diese Problematik erinnert mich an ein Gespräch, das ich mit einem anderen PC-Hersteller vor ein paar Jahren geführt hatte. Er meinte, dass die meisten Notebook-Interessenten viel Wert auf einen echten Intel-Core-i-Prozessor (wie dem Intel Core i5 oder i7) legen würden und an Geräten mit der stromsparenden, aber weniger leistungskräftigen M-Serie weniger Interesse zeigten.

Angesichts dessen, wofür die meisten Mainstreamkunden ihren Laptop einsetzen – Internet, einfache Bildbearbeitung der Urlaubsfotos, Office, Filme ansehen – sind die stärkeren Intel-Core-i-Chips aber unnötig. Mit dem Display verhält es sich genau umgekehrt: Wer Bilder bearbeitet, Filme ansieht und sogar, wer im Internet surft und dort etwa Mode einkauft, der profitiert klar von einem guten, einigermaßen farbechten und hellen Bildschirm.

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Das Lenovo Yoga C730 soll auch mit einem OLED-Display angeboten werden.

Also selber schuld? So einfach ist es dann doch nicht. "Warum die das machen?", meinte der Hersteller sinngemäß. "Das ist eben eure Aufgabe (gemeint sind Technikjournalisten), die Leute richtig zu informieren. Ihr seid gefragt, über die Technik aufzuklären. Damit die Kunden das bekommen, was sie wirklich brauchen und nicht unnötig Geld für Dinge ausgeben, die sie nicht brauchen. Wir können nur das anbieten, was die Kunden nachfragen – ob das ihren Bedürfnissen wirklich entspricht oder nicht."

Das sagt Andreas:
Ich bin also schuld. Nun, jetzt habe ich darauf hingewiesen: Ein guter Bildschirm ist wichtig und sollte praktisch jedem Laptop-Käufer einen gewissen Aufpreis wert sein.
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