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Der neue Akku-Status auf dem iPhone: Fluch oder Segen?

Seit iOS 11.3 verrät Apple seinen Nutzern, wie es um den Akku des iPhones steht.
Seit iOS 11.3 verrät Apple seinen Nutzern, wie es um den Akku des iPhones steht. (©Thinkstock/iStockphoto/milindri 2017)

Seit iOS 11.3 kann jeder iPhone-Besitzer selbst prüfen, ob sein iPhone gedrosselt wird. Möglich macht das der neue Akku-Status, den Apple mit dem Update einführte. Das neue Feature bringt einige nützliche Infos zum Zustand der Batterie mit – und verunsichert die Nutzer dennoch. Darum hat sich Apple mit dem neuen Akku-Management womöglich keinen Gefallen getan.

Seit 2008 bin ich iPhone-Nutzer – zehn Jahre später gewährt Apple mir einen kleinen Einblick, wie es eigentlich um meinen Akku steht. Dabei wird mir der Gesundheitszustand des Energiespeichers nicht mit einem hübschen Balken signalisiert, der sich vielleicht vom Grünen ins Rote färben könnte. Nein, stattdessen verrät mir nur eine simple Prozentanzeige, über wie viel Kapazität meine Batterie eigentlich noch verfügt – ausgehend von der ursprünglichen Originalkapazität – und ob mein iPhone in puncto Leistung gedrosselt wird oder nicht.

Rund drei Monate nach dem Höhepunkt der Debatte rund um gedrosselte iPhones will Apple aufgebrachte Kunden mit der neuen Anzeige, die sich zudem noch im Beta-Status befindet, besänftigen. Doch was ist der neue Akku-Status letztendlich wirklich? Fluch – oder doch eher Segen? Die Antwort: weder noch.

Darum ist der neue Akku-Status wenig hilfreich

Die Informationen, die Apple liefert, sind mehr als spärlich. (© 2018 Screenshot TURN ON)

Als ich mich nach dem Update auf iOS 11.3 auf meinem iPhone 7 Plus vom Gesundheitszustand meines Akkus überzeugen wollte, ließ der neue Batterie-Status eher Fragen offen, als dass er sie zufriedenstellend beantwortete. Zwar weiß ich jetzt, dass mein Akku nach rund eineinhalb Jahren eine Kapazität von 91 Prozent besitzt. Doch wie ich diese Information einzuordnen habe, diese Info bleibt mir Apple schuldig. Stattdessen verrät mir die neue Anzeige lediglich, dass meine iPhone-Batterie derzeit die normale Höchstleistung unterstützt.

Doch was bedeutet das für mich? Wann ist der Punkt erreicht, an dem der Energiespeicher meines iPhone 7 Plus nicht mehr mit der erforderlichen Leistung Schritthalten kann? Ist 91 Prozent ein guter Wert, eher Mittelmaß oder schon kurz vor einer Drosselung? Alles Punkte, auf die ich gerne eine Antwort hätte, die mir Apple aber nicht liefert – und vermutlich auch nicht will. Schade, aber damit haben die Kalifornier es versäumt, in puncto Transparenz einen deutlichen Treffer zu erzielen. Da sich die Anzeige noch in einem Beta-Zustand befindet, bleibt immerhin die Hoffnung, dass Apple hier noch nachbessern wird.

Ein wichtiger Schritt: Die freie Entscheidung über die iPhone-Drosselung

Dennoch: Es ist nicht alles schlecht. Dass Apple – zwar viel zu spät, aber immerhin – auf die Bedenken zahlreicher Kunden reagierte, ist zunächst einmal gut. Dass Apple Betroffenen bis Jahresende einen Akkutausch für 29 Euro anbietet, unabhängig davon, ob dieser wirklich notwendig ist, ist ebenfalls gut – wenngleich kritische Stimmen erlaubt sind, ob die sonst fälligen 89 Euro für einen neuen Akku eigentlich gerechtfertigt sind. Trotzdem ist der neue Akku-Status definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, und es ist gut, dass Apple ihn gemacht hat. Positiv ist vor allem, dass eine eventuelle Leistungsdrosselung jetzt vom Nutzer auf Wunsch ausgeschaltet werden kann und die bisherige Bevormundung somit aufgeweicht wird.

Warum Apple den neuen Akku-Status nur mit so spärlichen Hinweisen gefüttert hat, darüber kann hingegen nur spekuliert werden. Manch iPhone-Besitzer könnte sich aufgrund einer vergleichsweise niedrigen Akku-Kapazität dazu ermutigt fühlen, auf ein neues iPhone umzusteigen – obwohl das vielleicht gar nicht notwendig wäre. Daran trägt Apple eine gewisse Mitschuld, da der Hersteller nicht klar kommuniziert, welche Werte gut und welche schlecht sind. Gezielte Desinformation möchte ich Apple nicht unterstellen. Doch die Bereitschaft, an wichtigen Punkten klar und offen in letzter Instanz aufzuklären, kann ich wiederum auch nicht erkennen.

Unerwartete iPhone-Abschaltungen brachten 2016 den Stein erst ins Rollen. (© 2017 YouTube/iUpdateOS)

Wie es überhaupt zum neuen Akku-Management in iOS 11.3 gekommen ist

Für alle Leser, die bislang eventuell nur am Rande etwas von der Problematik mitbekommen haben, hier kurz zur Einordnung: Das Unheil nahm schon im Jahr 2016 seinen Lauf. Seinerzeit häuften sich Berichte über iPhones, die sich unerwartet abschalteten – trotz vermeintlich ausreichender Akkukapazität. Betroffen waren vor allem das iPhone 6 und iPhone 6 Plus, aber auch das iPhone 6s. Anfang 2017 veröffentlichte Apple mit iOS 10.2.1 ein Software-Update, das die Probleme aus der Welt schaffen sollte.

Und in der Tat: Das Update verringerte unerwartete Abschaltungen im Grunde auf ein Minimum. Wie Apple das genau anstellte, verriet der US-Konzern seinerzeit nicht, oder zumindest nicht im Detail. Mit Fug und Recht könnte man auch sagen: Auf welche Weise Apples Entwickler das Problem "lösten", wusste von den Betroffenen niemand.

Die Chronologie eines Versagens

Ende 2017 wurde der Konzern dann gewissermaßen zu einer Transparenz-Offensive gezwungen, nachdem Berichte an die Öffentlichkeit gelangten, die Apples Vorgehensweise hinsichtlich der Akku-Problematik aufdeckten – und wenig später von den Verantwortlichen in Cupertino eingeräumt wurde. Denn: Bekanntlich sind Akkus Verschleißteile und ab einem bestimmten Grad des Verschleißes konnte die Batterie mitunter nicht mehr die erforderliche Leistung liefern, die in Spitzenlasten benötigt wurde.

Heißt: iPhones mit schwachen Akkus schafften es nicht mehr, durchgehend mit der vollen Prozessorleistung Schritt zu halten. Um Schaden am Gerät zu vermeiden, schaltete sich das iPhone in diesen Fällen einfach unerwartet ab – obwohl die Prozentanzeige noch 30, 40 oder mehr Prozent auswies. Apples Lösung für das Problem: Die Leistung des iPhones so weit herunterdrosseln, dass plötzliches Herunterfahren ausgeschlossen werden kann.

Doch die vermeintliche Problemlösung schuf ein noch viel größeres Problem an anderer Stelle: Verlorenes Vertrauen aufgrund fehlerhafter Kommunikation, man könnte auch sagen: Nicht-Kommunikation. Natürlich entschuldigte sich Apple bei seinen Kunden, begründete die Maßnahmen, gelobte Besserung, versprach mehr Transparenz und führte ein vergünstigtes Akkutausch-Programm ein. Mit iOS 11.3 wurde schließlich das neue Akku-Management eingeführt – doch echte Klarheit bleibt weiterhin ein frommer Wunsch.

Apple muss handeln – am besten unverzüglich

Ob der neue Akku-Status nun Fluch oder Segen ist, muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist die neue Funktion im derzeitigen Zustand nichts Halbes und nichts Ganzes. Eher wirkt das Feature wie aus der Not heraus geboren, was vermutlich auch so ist. Dennoch sollte sich niemand von der bloßen Prozentanzeige verunsichern lassen oder falsche Rückschlüsse ziehen. Dass ein Akku ein Verschleißteil ist, dürfte jedem bekannt sein – das ist bei anderen Smartphones nicht anders.

Der Unterschied ist: Bei den meisten Geräten bekommt der Nutzer zumindest von Haus aus keine detaillierten Infos zum Zustand des Akkus. Dafür wiederum, versichern Hersteller wie Samsung oder Motorola, werden Android-Smartphones nicht in ihrer Leistung beschnitten, nur weil der Akku nicht mehr sein volles Leistungsniveau erreicht.

Man kann es drehen und wenden wie man möchte: Das neue Akku-Managment ist Licht und Schatten zugleich – aber weit entfernt von einem wirklich durchdachten Feature. Nimmt Apple die Sache und den Unmut seiner treuen Kunden ernst, muss noch an einigen Stellen nachgebessert werden. Am besten sofort.

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