Meinung

Die Facebook-App verdient den Platz auf dem Smartphone nicht

Mehr Schaden als Nutzen? Die Facebook-App steht in der Kritik.
Mehr Schaden als Nutzen? Die Facebook-App steht in der Kritik. (©TURN ON 2015)

Facebook macht Smartphones langsamer und frisst den Akku leer. Was viele schon lange vermutet haben, scheint der Gurardian-Redakteuer Samuel Gibbs nun mit einem Selbstversuch bewiesen zu haben. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Niemand braucht die Facebook-App.

Mit meinem aktuellen Smartphone, einem LG G Flex 2, komme ich mit einer Akkuladung in der Regel zwei Tage lang zurecht. Dabei bin ich niemand, der sich stundenlang in Chat-Apps herumtreibt und muss auch nicht alles fotografieren, was mir tagtäglich über den Weg läuft. Ich halte mich, was die Nutzung angeht, aber auch nicht zurück. Regelmäßiges Musikhören ist ebenso Pflicht wie das tägliche Nachrichtenlesen auf dem Weg zur und von der Arbeit. Apropos Arbeit: Da brauche ich das Teil natürlich auch ständig.

Facebook saugt den Akku leer

Was ich jedoch definitiv nicht auf dem Smartphone habe, ist Facebook. Das soziale Netzwerk, das mittlerweile zur meistgenutzten App der Welt avanciert, hat mich unterwegs noch nie sonderlich interessiert. Status-Updates meiner Freunde hole ich mir, wenn ich sie denn brauche, nach Feierabend am PC – und wahrscheinlich ist das auch gut so. Denn wie ein Selbstversuch des Guardian-Redakteurs Samuel Gibbs zeigt, handelt es sich bei der Facebook-App nämlich so ziemlich um den schlimmsten Akku- und Leistungsfresser, den man auf seinem Smartphone installieren kann. Kurz gesagt: Installiert man Facebook auf seinem Gerät, geht dem Akku deutlich schneller der Saft aus und auch die Leistung leidet.

Das ist natürlich unschön und es spricht nicht unbedingt für das Talent der zuständigen Facebook-Programmierer, es ist aber kein Skandal. Programme fressen nun mal Ressourcen und diese Ressourcen heißen auf dem Smartphone Energie und Rechenleistung und kommen aus Akku, Prozessor und Arbeitsspeicher. Da die Facebook-App praktisch ununterbrochen am Arbeiten ist, um alle Nachrichten und Updates in Echtzeit auf das Handy zu bekommen, verbraucht sie natürlich besonders viel davon.

Die App verschleiert ihren Ressourcenhunger

Vermutlich ließe sich der Ressourcenverbrauch der App mit ein paar programmiertechnischen Kniffen trotzdem deutlich einschränken. Aber wie schon erwähnt: Weder in App-Form noch in der Desktop-Ansicht ist Facebook in der Vergangenheit durch eine besonders saubere Programmierung aufgefallen. Immerhin scheinen die Programmierer jedoch kreativ zu sein, denn laut Samuel Gibbs schaffen sie es, den Akkuverbrauch der Facebook-App unter Android ziemlich gut zu verschleiern. So taucht die App selbst in der Akkuverbrauchsübersicht zwar häufig nicht unter den größten Übeltätern auf. Sie soll aber durch Prozesse im Hintergrund den Akkuverbrauch anderer Smartphone-Dienste merklich in die Höhe treiben.

Die ganze Aufregung hilft allerdings wenig. Im Prinzip liegt es nämlich an jedem selbst, der Facebook-App auf dem Smartphone ein Ende zu machen. Es gibt schließlich genügend sauber programmierte Anwendungen, warum sollte man sich da mit so einem Stinker rumärgern? Die konsequente Reaktion wäre also, die Facebook-App einfach zu deinstallieren.

Auf Facebook verzichten, ohne zu verzichten

Dabei muss man es nicht mal so wie ich machen und unterwegs komplett auf das soziale Netzwerk verzichten. Im Prinzip reicht es, die App rauszuwerfen und Facebook stat dessen im Webbrowser zu nutzen. Seltsamerweise soll die Browser-Version deutlich ressourcenschonender laufen als die App selbst. Über die Lesezeichen-Funktion des Browsers kannst Du einen bequemen Shortcut zur Startseite www.facebook.com erzeugen und diesen auf dem Homescreen ablegen.

Eine weitere Alternative ist ein Wrapper wie Metal. Dabei handelt es sich um eine Drittanbieter-App, die den vollständigen Zugang zu Facebook mit allen Funktionen liefert. Dabei soll sie ebenfalls deutlich weniger Akku- und Leistungsressourcen verbrauchen als die Facebook-App selbst. Warum das so ist und warum Facebook das nicht selbst auf die Reihe bekommt, bleibt wohl vorerst ein Geheimnis, das nur die Facebook-Entwickler selbst kennen.

Sieht aus wie eine Facebook-App... fullscreen
Sieht aus wie eine Facebook-App... (©TURN ON 2016)
...ist aber nur ein Shortcut zur Browser-Version. fullscreen
...ist aber nur ein Shortcut zur Browser-Version. (©Screenshot Facebook/ TURN ON 2016)
Dieser lässt sich im Browser kinderleicht erstellen. fullscreen
Dieser lässt sich im Browser kinderleicht erstellen. (©Screenshot Google/ TURN ON 2016)
Alternativ gibt es Wrapper wie Metal, die Zugang zu Facebook ermöglichen. fullscreen
Alternativ gibt es Wrapper wie Metal, die Zugang zu Facebook ermöglichen. (©Screenshot Nam Nghiem/ TURN ON 2016)

Die Facebook-App kann weg

Facebook macht also das Smartphone langsamer und lässt den Akku schneller ausbluten. Das ist der Preis, den wir momentan für die mobile Nutzung des sozialen Netzwerks zahlen. Mit ein bisschen um die Ecke denken und einem minimalen Verzicht auf Bequemlichkeit, kann aber jeder etwas dagegen machen. Der Anbieter selbst sieht es natürlich lieber, wenn wir die offizielle App verwenden. Aber mal ehrlich, Facebook: Wenn ihr wollt, dass wir eure App verwenden, dann liefert einfach bessere Qualität.

Neueste Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben