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Die LG Roadshow 2016: Zu Besuch im TV-Wunderland

Der OLED65E gehört zu den neuen Signature-Geräten von LG.
Der OLED65E gehört zu den neuen Signature-Geräten von LG. (©TURN ON 2016)

OLED-Fernseher sind nur noch ein Drittel so dick wie ein iPhone, 4K und HDR wurden fest verheiratet und Curved-TVs interessieren fast niemanden mehr. Diese und andere überraschende Erkenntnisse hielt die LG Roadshow 2016 für mich parat.

Der koreanische Elektronik-Riese LG tourt derzeit mit seiner Roadshow durch Deutschland, um die neuesten Produkte für 2016 vorzustellen. Im Zentrum der Hamburger Präsentation standen dabei ganz klar die OLED-TVs, die schon auf der IFA im vergangenen September für Aufsehen gesorgt hatten. Der Grund ist klar: In diesem Jahr soll die OLED-Technologie bei LG einen noch größeren Stellenwert bekommen.

OLED vs. LCD: Ein Statement von LG

Als ich am Donnerstagvormittag kurz vor 10 Uhr von Samuel Lee, dem Head of Home Entertainment & Smart TV bei LG Deutschland, empfangen wurde, führte dieser mich dann auch erst einmal in einen völlig abgedunkelten Raum. Dort stand ein LG OLED, der von zwei LED LCD TVs von Samsung und Sony flankiert wurde. Demonstriert wurde hier vor allem die überlegene Darstellung von Schwarztönen und Kontrasten – also der Bereich, in dem OLED-TVs den größten Vorteil gegenüber herkömmlichen LCDs besitzen. Da ich entsprechende Vergleiche schon kannte, musste ich sofort feststellen, dass sich die LCD-Geräte in diesem Wettbewerb mittlerweile viel besser schlagen, als es Modelle vor zwei Jahren getan haben. Trotzdem bleibt das Kontrastverhältnis der OLED-TVs unerreicht. Gleich zum Einstand war dies ein deutliches Statement, wie selbstbewusst LG dank der hauseigenen OLED-Produktion mittlerweile gegen die namhaften Wettbewerber antritt.

Die neue Signature-Serie: OLED-TVs

Wirklich interessant wurde es dann im eigentlichen Showroom, der weitgehend in ein helles violettes Licht getaucht war. Hier hatte LG erstmals seine neue Signature-G-Serie ausgestellt. Auch ohne die Anpreisungen des Herstellers an dieser Stelle wiederzugeben, kann ich unumwunden sagen, dass der im Eingangsbereich platzierte OLED65G6P zu den schönsten Fernsehern gehört, die ich je gesehen habe. Tatsächlich scheint das Gerät nämlich nur aus einem beinahe randlosen Display zu bestehen, dass dazu auch extrem dünn ist. Nur 2,57 Millimeter misst der Bildschirm in der Tiefe. Das entspricht etwa vier übereinander gestapelten Kreditkarten.

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Die komplette Elektronik befindet sich im Standfuß, genauso wie alle Anschlüsse. Sogar eine komplette Soundbar mit vier Lautsprechern ist im Stand des TVs verborgen. Dabei setzt LG wie schon in den Vorjahren auf die Expertise der Audio-Experten von Harman Kardon. Wird der TV an die Wand gehängt, lässt sich der Standfuß einfach nach oben klappen und verschwindet dann fast vollständig hinter dem Gerät.

Technisch wird in dem Premium-Gerät, das in den USA für 7999,99 Dollar angeboten wird, so ziemlich alles geboten, was aktuell angesagt ist. Neben 4K-Auflösung gibt es auch Unterstützung für den erweiterten Farbraum mit High Dynamic Range (HDR) und das neue Smart TV-Betriebssystem webOS 3.0.

OLED bleibt (vorerst) ein Premium-Feature

Insgesamt wird LG in diesem Jahr vier neue Geräteserien mit OLED-Displays auf den Markt bringen, von denen es leider nur die Signature-Serie auf der Roadshow zu bestaunen gab. Bis auf die G-Serie, die auch ein 77 Zoll-Modell umfasst, werden alle Geräte in Bildschirmdiagonalen von 55 und 65 Zoll ausgeliefert, Ultra HD-Auflösung und HDR gibt es serienmäßig. Preislich bewegen wir uns hier immer noch im oberen Bereich. So soll der Einsteig in die OLED-Welt auch 2016 kaum unter 2000 Euro möglich sein.

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Perfektes Schwarz gibt es nur für viel Geld. (©TURN ON 2016)

LG selbst möchte die Technologie ganz bewusst im Premium-Segment vermarkten. Immerhin hat der Hersteller damit eine überlegene Display-Technologie, die aktuell bis auf einige wenige TV-Modelle kein anderer Hersteller anbieten kann – eine Exklusivität, die sich für das koreanische Unternehmen bislang auszahlt, wie Samuel Lee verriet. Preislich soll es demnach erst einmal keine Billig-OLEDs für unter 1000 Euro geben.

Curved TVs sind schon wieder out

Einen klaren Dämpfer gibt es jedoch für Curved-TVs. Nur zwei Geräte der neuen C-Serie werden mit einem gebogenen Display ausgeliefert, die restlichen OLED-TVs kommen mit ebenem Display. Auch unter den neuen LCD-TVs von LG finden sich kaum noch gebogene Modelle. Gab es in den letzten Jahren noch einen deutlichen Trend hin zu gekrümmten Bildschirmen, so hat dieser sich inzwischen ins genaue Gegenteil verkehrt. Der Grund dafür ist simpel und nachvollziehbar. Laut Samuel Lee seien Curved-TVs gerade im Premium-Bereich einfach nicht so gefragt wie flache TVs, da sich letztere natürlich viel besser für eine Wandmontage eignen. Hier scheint also der Kunde der neuen Technologie die kalte Schulter zu zeigen. Bei fast allen gebogenen Fernsehern, die zur Roadshow gezeigt wurden, handelte es sich demzufolge um Vorjahresmodelle. Das Gleiche gilt übrigens für 3D-Fernseher. Auch diese Technik findet sich 2016 nur noch in ausgewählten Modellen. Grund ist laut Lee auch hier die mangelnde Nachfrage der Konsumenten.

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Die gezeigten Curved-OLEDs stammten alle aus dem Vorjahr. (©TURN ON 2016)

Interessant wird vor diesem Hintergrund sicherlich sein, wie sich Samsung in Zukunft bei Curved-TVs positionieren wird. Kein anderer Hersteller hatte in den vergangenen Jahren so aggressiv auf die gebogenen Displays gesetzt wie der Weltmarktführer. Vielleicht hat das Unternehmen aber auch nur eine bessere Marketing-Strategie gefunden als LG. Aber das ist eine Frage, die ich mir wohl für Samsung selbst aufheben muss. Bei LG jedenfalls stehen flache TVs wieder hoch im Kurs.

4K und HDR gehören zusammen

Die Technologien 4K und HDR gehören bei LG anno 2016 auch im LCD-Bereich fest zusammen. Alle neuen Ultra HD-Modelle sollen in der Lage sein, einen erweiterten Farbraum darzustellen und Bildmaterial somit möglichst naturgetreu wiederzugeben. Wie schon Sony, Panasonic und Samsung in den letzten Jahren setzt auch LG 2016 auf die Quantum-Dot-Technologie, um das Kontrastverhältnis auf LCD-Fernsehern zu verbessern. Vermarktet werden diese Geräte unter dem Banner Super UHD. Die Lücke zu den OLED-Geräten vermag jedoch auch diese Technik nicht schließen. Wichtig zu erwähnen ist übrigens noch, dass alle LG TVs des Jahrgangs 2016 den neuen Übertragungsstandard DVB-T2 inklusive des H.265-Codecs unterstützen sollen.

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Die LCD-Geräte mit Quantum Dots werden als Super UHD TVs vermarktet. (©TURN ON 2016)

Was wurde eigentlich aus der 4K Blu-ray?

Nachdem die Tour über den TV-Stand schließlich abgeschlossen war, machte Samuel Lee mit mir noch einen kurzen Ausflug zu den Blu-ray-Playern. Wie schon auf der IFA im September und auf der CES Anfang Januar gab es auch in Hamburg keinen 4K Blu-ray-Player zu sehen. Laut Lee sei auch im Laufe des Jahres nicht mit einem solchen Gerät von LG zu rechnen. Hier scheinen alle Hersteller derzeit Samsung den Vortritt zu lassen. Zu groß sind offenbar die Befürchtungen, sich an der neuen Technologie die Finger zu verbrennen. Die Zukunft von 4K-Content sieht man bei den Koreanern zumindest mittelfristig vor allem bei Streaming-Diensten. Netflix, Amazon und YouTube sind bei allen neuen Smart TVs an Bord.

Das Fazit der LG Roadshow 2016

Gerade im TV-Bereich gibt es vermutlich auch 2016 keinen anderen Hersteller, der LG die Show stehlen kann. Das liegt wie schon in den letzten beiden Jahren an der OLED-Technologie, die derzeit einfach kein anderes Unternehmen wirklich einsetzen kann. Mit den massiven Investitionen in Forschung und Fertigung haben sich die Südkoreaner in den letzten Jahren in eine bequeme Position gebracht. Wer die neuen Geräte der G-Serie mit ihrem 2,57 Millimeter dicken Display in Aktion sieht, wird um ein Staunen nicht herumkommen.

Für die Endkunden bedeutet die OLED-Vormachtstellung von LG aber leider auch, dass die entsprechenden Fernseher wohl noch länger sehr teuer bleiben werden. Denn solange kein anderer Hersteller LG in diesem Bereich herausfordern kann, wird das Unternehmen wenig Anlass sehen, auf seine attraktiven Gewinnmargen zu verzichten. Im günstigeren LCD-Bereich können die Südkoreaner hingegen nur Standard-Kost bieten und dürften es schwer haben, sich von der starken Konkurrenz abzuheben.

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