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Die Samsung QLED-TVs 2018: Auf der Suche nach dem perfekten Schwarz

Die neuen QLED-TVs von Samsung begeistern mit ihrem Ambient-Modus.
Die neuen QLED-TVs von Samsung begeistern mit ihrem Ambient-Modus. (©TURN ON 2018)

Samsung bleibt auch 2018 auf Kurs und positioniert sich mit QLED und HDR als Impulsgeber im Segment der 4K-TVs. Das neue Lineup könnte sogar den OLED-TVs von LG und Co. gefährlich werden.

Wenn es einen Hersteller gibt, dem es im TV-Bereich definitiv nicht an Selbstvertrauen mangelt, dann ist das wohl Samsung. Bei beinahe jeder sich bietenden Gelegenheit gehen die Südkoreaner ihren eigenen Weg und lassen sich dabei nur selten von allgemeinen Markttrends aus der Fassung bringen. So ist Samsung beispielsweise der einzige große Hersteller, der auch 2018 noch immer ein größeres Lineup an Curved-TVs anbietet, der das von Dolby mit großem Aufwand in den Markt gedrückte HDR-Format Dolby Vision am ausgestreckten Arm verhungern lässt und der einen großen Bogen um das Thema OLED macht.

Der Erfolg gibt den Südkoreanern mit ihren Alleingängen dabei immer noch recht. Nach wie vor scheint die Marktführerschaft des Herstellers, mit Ausnahme des oberen Premium-Segmentes, wie in Stein gemeißelt zu sein. Und so verwundert es kaum, dass Samsung auch in diesem Jahr keinerlei Anstalten macht, seine Strategie zu ändern, wie auf der Roadshow in Hamburg klar wurde.

QLED geht in die zweite Generation

2018 markiert nun auch das zweite Jahr, in dem Samsung mit seinen sogenannten QLED-TVs an den Start geht. Dabei handelt es sich, wie schon im Vorjahr, um das Premium-Lineup an Ultra-HD-TVs mit HDR-Unterstützung, das in diesem Jahr nach unten um die neue Geräteserie Q6 erweitert wird. Den Einstieg in die Oberklasse gibt es damit nun schon ab knapp 1700 Euro für den Samsung Q6FN mit 49 Zoll. So günstig war die Premium-Klasse noch nie.

Den Einstieg in die Welt der QLED-TVs macht Samsung in diesem Jahr etwas günstiger. (© 2018 TURN ON)

Während die QLED-Geräte also insgesamt bezahlbarer werden, lassen die Südkoreaner vor allem beim neuen Spitzenmodell, dem Q9FN, die technischen Muskeln spielen. Für UVP-Preise zwischen 3400 Euro (55 Zoll), 4400 Euro (65 Zoll) und 6400 Euro (75 Zoll) bietet Samsung die vielleicht ultimativen Herausforderer für die OLED-Geräte von LG, Sony und Panasonic an.

Der Unterschied zwischen QLED und OLED
Samsung positioniert sich mit seinen QLED-TVs klar als Alternative zu den OLED-Geräten der Konkurrenz.  Die Technologie hat dabei sowohl Vor- als auch Nachteile. Wir klären auf:

Schwärzer als Schwarz: Samsung macht den LCD zum OLED-Herausforderer

Schon im letzten Jahr konnte Samsung dank seiner Quantum-Dot-Displays bei der Bildhelligkeit punkten. Der Q9FN sorgte auf der Roadshow jedoch auch mit seiner für ein LCD-Gerät geradezu spektakulären Schwarzdarstellung für Aufsehen. Die Verwechslungsgefahr mit einem OLED-TV war hier definitiv gegeben.

Die Schwarzdarstellung des Samsung Q9FN braucht sich nicht zu verstecken. (© 2018 TURN ON)

Erreicht wird das satte Schwarz durch eine Technologie, die Samsung selbst als Direct Full Array Elite bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein Local-Dimming der LED-Hintergrundbeleuchtung, bei dem die LED-Lampen erstmals wirklich direkt hinter dem LCD-Panel sitzen und nicht mehr im Rahmen des TVs verbaut sind. Dadurch lassen sich helle Bildbereiche noch gezielter beleuchten, während das Backlight in tiefschwarzen Bildabschnitten sogar komplett ausgeschaltet bleiben kann.

Ein besonderer Filter hinter dem Panel sorgt zudem dafür, dass in schwarzen Bereichen der Großteil des Lichtes herausgefiltert wird. Gefiltert wird aber nicht nur das Licht, das von hinten durch das Backlight kommt, sondern auch die Reflexionen, die von außen auf das Display treffen. Die Trennung zwischen Bildabschnitten in tiefem Schwarz und hellem Weiß gelingt dank dieser Filterung fast perfekt. Auch für diese Technik hat Samsung mit Ultra Black Elite übrigens wieder einen Eigennamen.

Tiefes Schwarz trotz Hellweißer Elemente: Daran sind LCD-TVs bislang stets gescheitert. (© 2018 TURN ON)

Beeindruckend ist vor allem, welche technischen Fortschritte die Südkoreaner offensichtlich noch immer aus der betagten LCD-Technologie herauspressen können. So nahe wie mit dem Q9FN ist möglicherweise noch kein Hersteller einem OLED-TV bei der Kontrastdarstellung gekommen. Die zweifellos immer noch vorhandenen Unterschiede sind für das Auge des Zuschauers immer weniger wahrnehmbar.

Schade ist wirklich nur, dass Samsung diese Spitzentechnik nur in der Q9-Serie anbietet. Wahrscheinlich müssen sich viele Kunden also noch ein weiteres Jahr gedulden, bis perfektes Schwarz auf einem LCD-Gerät auch in bezahlbaren TVs zum Einsatz kommt.

Wenn der TV unsichtbar wird

Ein großes Thema ist bei Samsung in diesem Jahr auch das Unsichtbarmachen der Fernsehgeräte, wenn diese gerade nicht zum Fernsehen genutzt werden. Dort, wo normalerweise eine große schwarze Fläche an der Wand zurückbleibt, sollen die QLED-TVs in Zukunft direkt mit der Wand selbst verschmelzen. Ambient Modus nennt Samsung diese Technologie. Der an der Wand montierte TV wird dabei mit dem Smartphone fotografiert. Eine spezielle App entwirft anschließend dank cleverere Algorithmen ein Standbild für den Fernseher, das nahezu perfekt mit dem Hintergrund verschmelzen soll. Alternativ sind mehrere Wallpaper vorinstalliert, die den TV in eine Art Gemälde verwandeln.

Der Ambient-Modus soll den TV möglichst unauffällig in das Wohnzimmer integrieren. (© 2018 TURN ON)

Auf der Roadshow konnten Besucher in einer Demo-Area selbst Hand an den Ambient-Modus legen und den TV mit einer künstlichen Ziegelwand verschmelzen lassen. Zumindest in diesem Szenario funktionierte das sehr gut. Es wird aber natürlich in der Praxis auch Fälle geben, in denen die Hintergrundstrukturen zu kompliziert für den Algorithmus sind. Wer den Ambient-Modus, der in allen neuen QLED-TVs zum Einsatz kommt, nutzen möchte, sollte sich also schon vorher überlegen, wo der Fernseher aufgehängt wird.

Mit der Fernbedienung lässt sich der Ambient-Modus starten. fullscreen
Mit der Fernbedienung lässt sich der Ambient-Modus starten. (©TURN ON 2018)
Über das Smartphone wird dann der TV vor dem Hintergrund fotografiert. fullscreen
Über das Smartphone wird dann der TV vor dem Hintergrund fotografiert. (©TURN ON 2018)
Anschließend wird noch die Frabe kalibiert. fullscreen
Anschließend wird noch die Frabe kalibiert. (©TURN ON 2018)

Entscheidet Samsung den HDR-Formatkrieg?

Das Thema HDR ist aus der TV-Welt mittlerweile nicht mehr wegzudenken und spielt auch bei Samsung eine wichtige Rolle. Sämtliche Ultra-HD-Geräte 2018 werden HDR-fähig sein und könnten möglicherweise eine entscheidende Rolle dabei spielen, den HDR-Formatkrieg zu entscheiden.

Eigentlich schien dieser ja schon fast vorbei: Während sich HDR10 mittlerweile als Minimalstandard zur HDR-Darstellung zu etablieren scheint, schien Dolby Vision auf dem besten Wege, der neue High-End-Standard für HDR-Inhalte und Displays zu werden. Das war, bevor Samsung und Panasonic im letzten Herbst mit HDR10+ ihre eigene Alternative zu Dolby Vision vorgestellt hatten. Das neue Format hat zwei große Vorteile, denn es ist laut Samsung leichter zu implementieren als Dolby Vision und es wird allen Herstellern und Inhalteanbietern ohne Lizenzgebühren angeboten.

Samsung selbst ist jedenfalls fest entschlossen, auch in Zukunft keine Lizenzgebühren für die HDR-Darstellung zu zahlen und möchte mit seinem 2018er-TV-Lineup deshalb Fakten schaffen, die niemand in der Industrie ignorieren kann. Alle Geräte, selbst die attraktiven 4K-Einsteiger, unterstützen HDR10+, während Dolby Vision einmal mehr draußen bleiben muss. Angesichts der hohen Marktanteile von Samsung, gerade in der UHD-Einstiegsklasse, könnte dieser Schritt den Formatkrieg erst so richtig anheizen.

Der Einstieg in 4K und HDR: Die beliebte Serie 6 wird zur Serie 7

Apropos UHD-Einstieg: Die wohl beliebteste Modellreihe für den Einstieg in die Welt von 4K- und HDR-Fernsehen überhaupt, erhält 2018 ein Upgrade: Aus der Serie 6 wird die Serie 7 und diese bekommt neben einem neuen, superschlanken Design endlich auch die Smart-Remote-Fernbedienung. Die UVP des NU7179 startet bei knapp 750 Euro für das 43 Zoll-Modell. Einen so attraktiven Einstieg in die Welt von 4K und HDR hatten die Südkoreaner in den letzten Jahren nicht zu bieten.

Die Serie 7 löst die Serie 6 ab und markiert den neuen Einstieg in die Welt von 4K und HDR. (© 2018 TURN ON)

Samsung bleibt Samsung und das ist gut so

Unterm Strich lautet das Fazit der diesjährigen Roadshow: Samsung bleibt sich treu. Der Hersteller ist offenbar auch weiterhin fest entschlossen, seinen eigenen Weg zu gehen und scheint mit seiner Strategie einen gut durchdachten Plan zu verfolgen. Abermals ist es den Südkoreanern gelungen, die LCD-Technologie einen guten Schritt voranzubringen. Die Vorteile, die ein OLED-TV in der Praxis tatsächlich bietet, spielen im Vergleich zur neuen Q9-Serie keine entscheidende Rolle mehr.

Gleichzeitig drückt der Hersteller im Bereich HDR noch einmal kräftig auf die Tube und möchte neben HDR10 und HLG nun auch HDR10+ als Premium-Bildformat im Markt etablieren. Wenn es einen Hersteller gibt, dem so ein Kunststück gelingen kann, dann ist das im Moment wohl nur Samsung. Klar ist aber auch: Solange der HDR-Formatkrieg andauert, werden Kunden keine wirkliche Sicherheit haben, dass sie am Ende auch auf der Gewinnerseite stehen. Bis auf Weiteres bleibt da wohl nur die Gewissheit, dass sich zumindest das normale HDR10 mittlerweile herstellerübergreifend als Minimalstandard durchgesetzt hat.

Im Endeffekt macht Samsung 2018 aber genau das, was sich wohl die meisten Kunden erhofft haben, nämlich den Einstieg in die Welt des 4K-HDR-Fernsehens insgesamt günstiger. Gerade vor dem Hintergrund der Fußball-WM im Sommer könnte der Markt in den kommenden Monaten also nochmal ordentlich angekurbelt werden.

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