Die Smartphone-Preise steigen – und ich mache nicht mit

Das über 1000 Euro teure iPhone X lässt viele Kunden die Smartphone-Preise hinterfragen.
Das über 1000 Euro teure iPhone X lässt viele Kunden die Smartphone-Preise hinterfragen. (©TURN ON 2018)
Andreas Müller Hat im vergangenen Jahr so viele Smartphones getestet, dass er einen Orden verdient hätte.

Smartphones wie das iPhone X und das Galaxy S9 werden zu höheren Preisen verkauft als frühere Flaggschiffe. Die Kunden verlangen immer bessere Features – und so werden die Handys auch immer teurer. Bei Preisen um die 1000 Euro hört bei mir der Spaß aber auf.

1150 Euro für ein Smartphone! Der Preis für das iPhone X sorgte zum Release für lange Gesichter. Für so viel Geld bekommst Du immerhin 96 Kinotickets oder 444 Salat-Menüs vom Aldi. Praktischer betrachtet: Für viele Menschen sind 1150 Euro zwei Monatsmieten. Trotzdem stiegen auch die Hersteller von Android-Smartphones auf den Preis-Schnellzug auf. Aktuell bietet etwa Huawei, einst für günstige Flaggschiffe bekannt, sein P20 Pro für 900 Euro an.

Viele Kunden klinken sich da aus. Eine Befragung von 1500 iPhone-Besitzern ergab, dass für ein Drittel der Preis des iPhone X Anlass genug war, auf einen Umstieg zu verzichten. Gibt es einen guten Grund für die steigenden Preise oder zocken die Smartphone-Hersteller einfach die Kunden ab?

Sind die steigenden Smartphone-Preise gerechtfertigt?

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Das Galaxy S9 kostet 150 Euro mehr als damals das Galaxy S5 – und das sieht man auch.

Ein Beispiel: Das Samsung Galaxy S5 war bei der Markteinführung für 700 Euro zu haben. Das Galaxy S9 ist vier Jahre später für 850 Euro auf den Markt gekommen. Die bloße Inflation erklärt einen solchen Preiszuwachs nicht – wohl aber die bessere Technik und die hochwertigen Materialien.

Das Galaxy S5 hatte noch ein Plastik-Gehäuse, ein 5,1 Zoll großes Full-HD-Display, 2 GB Arbeitsspeicher und 16 GB internen Speicher. Das Galaxy S9 besteht hingegen aus Glas und Metall, das Display misst 5,8 Zoll und löst mit WQHD+ auf. 4 GB Arbeitsspeicher treffen auf 64 GB internen Speicher. Der technische Fortschritt ist also deutlich zu erkennen – und das war nur ein kleiner Auszug aus der langen Feature-Liste. Auch andere Flaggschiffe bieten teure High-End-Features. Man denke nur an die Triple-Kamera des Huawei P20 Pro oder an das revolutionäre Face ID von Apple, eine Art geschrumpftes Xbox Kinect.

Samsung Galaxy S5
Das Galaxy S5 hatte noch ein Plastik-Gehäuse.

Die bessere Technik hat logischerweise ihren Preis. Die bloßen Herstellungskosten lagen den Marktforschern von IHS zufolge etwa beim Galaxy S7 Edge noch bei 285 US-Dollar, beim Galaxy S9 Plus sind sie laut einer TechInsights-Analyse bei 380 US-Dollar angekommen. Davon abgesehen spielen Faktoren wie Personal- und Werbekosten sowie Steuern für die Preisgestaltung eine Rolle.

Die Kunden erwarten immer mehr von ihrem Smartphone und sie bekommen es auch – darum steigen die Preise. Die Preissteigerungen bei Flaggschiff-Smartphones lassen sich also teils so erklären wie die höheren Auto-Preise: Die verbaute Elektronik wird besser und es gibt mehr Features. Angesichts des gnadenlosen Wettbewerbs im Smartphone-Markt könnte sich sowieso kein Hersteller erlauben, beliebig an der Preisschraube zu drehen.

Warum mir ein Flaggschiff-Smartphone das Geld nicht wert ist

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Es gibt schon für 500 Euro Beinahe-Flaggschiffe wie das Honor View 10.

Ein Smartphone ist ein äußerst nützliches Werkzeug, das ich nicht mehr missen möchte. Ich finde dank Google Maps stets mein Ziel und den besten Weg dorthin, ich plane via WhatsApp das nächste Treffen mit meinen Freunden, auf Twitter nehme ich an Diskussionen teil, nach dem Aufstehen erfahre ich dank Smartphone gleich die neuesten Nachrichten, ich plane mit dem Kalender meinen Tag, kaufe Zugtickets, schaue YouTube-Vorträge an und noch viel mehr. Ein Smartphone ist für mich unverzichtbar.

Verzichtbar ist für mich allerdings ein Smartphone für 1000 Euro. Vor allem Android-Handys sind für mich so viel Geld nicht wert, denn Apple bietet wenigstens viele Jahre lang Updates, während Android-Nutzer Glück haben, nicht schon nach zwei Jahren in die Röhre zu gucken. Außerdem haben bereits mehrere Android-Smartphones bei mir ohne erkennbaren Grund den Geist aufgegeben. Vielleicht gewinnt Apple aus diesen Gründen noch mein Herz, wenn es ein neues erschwinglicheres iPhone herausbringt. Bis dahin genügt mir trotz allem ein Android-Gerät aus der Mittelklasse.

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Ein 1000 Euro teures Smartphone wie das Galaxy Note 8 sollte eigentlich so lange Updates bekommen wie die iPhones.

Welche Smartphone-Features brauche ich wirklich?

Die Flaggschiff-Features sind für viele Nutzer wirklich nützlich, da man ein Smartphone stets bei sich trägt und so stets auf sie zugreifen kann. Aber ich persönlich brauche unterwegs nicht die beste Mobile-Technik. Wenn ich zum Beispiel die Fotos von meiner DSLR, der viele Jahre alten Nikon D5200, auf meinem QHD-IPS-Monitor betrachte, klappt mir jedes Mal die Kinnlade hinunter. Die Fotoqualität einer DSLR ist selbst den besten Smartphone-Kameras weit überlegen. Die Kamera habe ich zwar nicht immer dabei, aber wenn ich aufwendigere Fotos machen möchte, ob bei Ausflügen oder im Urlaub, dann eben schon. Und ansonsten brauche ich keine Super-Fotos.

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Nikon D5200 Foto 1 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 2 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 3 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 4 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 5 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 6 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 7 (©Andreas Müller 2018)
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Nikon D5200 Foto 8 (©Andreas Müller 2018)
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Zu Hause kann ich schneller und bequemer via PC im Internet surfen. Ganz zu schweigen von den besseren Spielen auf PC und Konsole im Vergleich zu den mit In-Game-Käufen gefluteten Handygames mit Uralt-Grafik. Filme und Serien machen auf dem großen Fernseher deutlich mehr Spaß. Und die Smartphone-Chips mögen immer schneller werden, aber sie erreichen noch nicht einmal die Leistung von günstigen Studenten-Notebooks.

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Konsolenspiele wie "Uncharted: The Lost Legacy" stecken Handy-Games locker in die Tasche.

Kurzum: Ich muss unterwegs keine Spiele oder Profi-Fotos machen und um einmal schnell etwas im Internet nachzusehen oder mit Freunden zu chatten, brauche ich kein iPhone X. Aktuell nutze ich das BQ Aquaris X Pro, das für meine Zwecke ausreicht. Wer mehr möchte, braucht trotzdem keine 1000 Euro in die Hand zu nehmen. Man denke nur an Preisbrecher wie das Honor View 10 oder das OnePlus 5T.

Fazit: Es gibt durchaus einen guten Grund für die aktuellen hohen Flaggschiff-Preise. Aber das bedeutet nicht, dass ich sie bezahlen möchte. Wer hingegen unterwegs die beste Mobile-Technik haben will, muss zukünftig tiefer in die Tasche greifen.

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