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Dual-Screen-Geräte wie das Surface Neo sind eine geniale Innovation

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Mit dem Surface Neo erhalten Dual-Screen-Geräte kräftige Unterstützung. Bild: © Microsoft 2019

Das Asus ZenBook Pro Duo und das HP Omen X 2S hatten es vorgemacht. Mit dem Surface Neo entwickelt Microsoft das Konzept weiter und spricht ihm das Vertrauen aus. Die Rede ist vom Dual-Screen-Gerät mit Windows. Tablets, Convertibles und Notebooks mit zwei Bildschirmen werden herkömmliche Geräte zunehmend bereichern, denn sie haben große praktische Vorteile.

Ist es ein Laptop, ist es ein Tablet? Das Microsoft Surface Neo ist irgendwie beides und soll tatsächlich auch als Ersatz für ultramobile Notebooks herhalten – wenn es Ende 2020 erscheint. Das Windows-Gerät besteht aus zwei Bildschirmen, die um 360 Grad gedreht werden können. An einem lässt sich eine Tastatur befestigen, die auf einen Teil des Displays aufgelegt werden kann. Der obere Bereich lässt sich als Zweitdisplay nutzen. Alternativ kannst Du auf einem der Displays tippen oder die Bluetooth-Tastatur auf den Tisch legen und die beiden Bildschirme für die Arbeit nutzen.

Bei der Präsentation Anfang Oktober erregte das Surface Neo viel Aufsehen, aber das Windows-Gerät hat einige Vorläufer – die teils recht ähnlich aussehen. Sie und eine Reihe von innovativen Prototypen zeigen, wohin die Reise der Dual-Screen-Geräte mit Windows gehen könnte.

Innovative Konzepte von Intel und Razer

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Auf der Computex im Mai 2019 präsentierte Intel dieses Konzept-Tablet namens "Twin River". Bild: © Intel 2019
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Intels Honeycomb-Glacier-Prototyp bietet zwei aufklappbare Displays oberhalb der Tastatur. Bild: © Intel 2019
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Auf der CES 2017 sorgte Razer mit Project Valerie für Aufsehen – ein Laptop mit drei Bildschirmen. Bild: © Razer 2017
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Schon länger sind separate Zusatz-Bildschirme für Laptops erhältlich, diese müssen aber auch transportiert und jedes Mal angeschlossen werden. Die Idee, Windows-Laptops und andere Windows-Geräte wie Convertibles und Tablets stattdessen mit mehreren fest installierten Bildschirmen auszustatten, findet in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung. 2017 etwa präsentierte Razer auf der CES einen Gaming-Laptop mit gleich drei Bildschirmen, das sogenannte Project Valerie. Die zusätzlichen Displays wurden hinter dem Hauptbildschirm an den Seiten ausgefahren.

Im Mai 2019 zeigte Intel auf der Computex ein Gerät, das dem Surface Neo ähnelt. Der "Twin River"-Laptop besteht aus zwei 12,3-Zoll-Displays und hat eine abnehmbare Bluetooth-Tastatur. Eine weitere Besonderheit ist das Stoff-Gehäuse. Außerdem war auf der Computex der "Honeycomb Glacier"-Laptop zu sehen mit einem Zweitdisplay oberhalb der Tastatur. Der Zusatzbildschirm lässt sich in einem schrägen Winkel aufstellen und hebt dabei den Hauptbildschirm darüber an. Das ist praktisch, da der Nutzer so die beiden Displays in einem angenehmeren Winkel im Blick hat. Bislang wurden die drei genannten Konzept-Geräte aber noch nicht für den Massenmarkt zu Ende entwickelt.

Diese Dual-Screen-Pioniere sind schon erhältlich

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Das Lenovo Yoga Book kombinierte schon im Jahr 2016 zwei Touchbildschirme. Bild: © Lenovo 2016
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Das Asus ZenBook Pro von 2018 bietet einen Touchscreen als Touchpad. Bild: © Asus 2018
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2019 kam das Asus ZenBook Pro Duo mit großem Zweitbildschirm über der Tastatur heraus. Bild: © Asus 2019
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Das HP Omen 2 XS ist ein Gaming-Laptop mit Zweitdisplay. Bild: © HP 2019
Das Lenovo Yoga Book kombinierte schon im Jahr 2016 zwei Touchbildschirme.
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Einige Dual-Screen-Geräte mit Windows sind bereits im Handel erhältlich. Den Anfang machte das Lenovo Yoga Book, das auf der IFA 2016 präsentiert worden war. Das Gerät verbindet zwei 10-Zoll-Tablets mit einem Scharnier, wobei einer der Touchbildschirme wahlweise als Tastatur oder als Grafiktablet für den Eingabestift dient. Es gibt eine Android- und eine Windows-Version des Yoga Book.

2018 kam dann der erste ausgewachsene Laptop mit einem zweiten Display auf den Markt: Ein Dual-Screen-Modell des Asus ZenBook Pro. Hier diente ein 5,5 Zoll großes Full-HD-Touchdisplay nicht nur als Touchpad, sondern auch als zusätzlicher Bildschirm. 2019 sind schließlich das Asus ZenBook Duo und das ZenBook Duo Pro auf den Markt gekommen. Bei diesen Laptops ist der Touchbildschirm oberhalb der Tastatur montiert und nimmt hier eine 12,6 Zoll beziehungsweise 14 Zoll große Fläche ein. Nicht zu vergessen: Der Gaming-Laptop HP Omen X 2S, der auf dasselbe Konzept setzt wie das ZenBook Duo.

Diese Dual-Screen-Geräte gibt es bei SATURN
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Apples Touch Bar ist auch ein zweites Display – aber mit begrenztem Einsatzzweck. Bild: © YouTube / Apple 2016

Bei der Präsentation des Surface Neo demonstrierte Microsoft den Einsatz des oberen Bildschirmdrittels als eine Art Touch Bar, die der Hersteller "Wonder Bar" nannte. Das ist zwar nicht die einzige Einsatzmöglichkeit des Surface-Neo-Zweitbildschirms, dennoch lässt sich das MacBook Pro mit Touch Bar als Vorläufer des Surface Neo ansehen – und als Etappe in der Evolution der Dual-Display-Laptops. Apple präsentierte das erste Touch-Bar-Modell im Oktober 2016. Wobei man dann wieder auf Microsoft zurückkommt, denn der Windows-Macher präsentierte schon 2010 einen Laptop mit Touch Bar – wenn auch nur als Konzept.

Die praktischen Vorteile der zwei Bildschirme

Aber wozu ist das alles eigentlich gut? Genügt ein Bildschirm nicht? Letzten Endes muss jeder diese Frage für sich selbst beantworten. Arbeitest Du Zuhause oder im Büro lieber an einem Monitor oder an zwei Monitoren? Oder begnügst Du Dich am Laptop gerne mit einem Bildschirm? Es ist eine individuelle Frage. Gerade für produktive Tätigkeiten bevorzugen die meisten Nutzer allerdings zwei Displays, weil einfach mehr und verschiedene Inhalte darauf unterkommen.

Du könntest auch einen Inhalt auf zwei Displays ausbreiten, aber Multitasking ist der nahe liegendste Anwendungsfall. Auf zwei Displays kommen beispielsweise viel mehr Browserfenster unter, was etwa bei  der Arbeit in der TURN-ON-Redaktion der Normalfall ist. Wer Videos bearbeitet, kann bei den Dual-Screen-Laptops beispielsweise die Zeitleiste auf dem Zweitdisplay oberhalb der Tastatur unterbringen. In Grafikprogrammen landen vielleicht einige Werkzeugleisten auf dem anderen Bildschirm oder Du schiebst Deine Social-Media-Auftritte dorthin, sodass Du stets neue Benachrichtigungen von Deinen Freunden siehst.

Die Nachteile: Doch keine gute Lösung?

Laptops, Tablets oder Convertibles mit zwei Bildschirmen haben leider auch eine Reihe von Nachteilen. Zunächst einmal steigt der Stromverbrauch durch das zusätzliche Display – kein geringes Problem für mobile Geräte. Beim ZenBook Pro mit kleinem 5,5-Zoll-Display als Touchpad war das noch kein Drama, es schnitt mit 6 Stunden im WLAN-Test bei Notebookcheck gut ab. Beim ZenBook Pro Duo mit großem Zweitdisplay über der Tastatur waren es aber nur noch 4 Stunden, beim HP Omen X 2S lediglich 2 Stunden.

Andererseits: Das Lenovo Yoga Book von 2016 mit zwei 10-Zoll-Displays kam auf eine Laufzeit von über 8 Stunden. Was ist hier los? Tatsächlich spielen mehrere Faktoren hinein, darunter nicht nur die Größe des zweiten Displays, sondern auch die Kapazität des Akkus und der Energieverbrauch des Prozessors oder gar der Grafikkarte, falls eine verbaut ist.

Bei Laptops ergibt sich durch den Zweitbildschirm außerdem das Problem, dass die Handballenauflage entfällt. Die Tastatur wandert schließlich unter das zusätzliche Display. Vielschreiber sollten sich eventuell eine Auflage als Zubehör besorgen oder sie müssen sich mit dem Tisch zufriedengeben. Nicht zu vergessen: Der Preis der Geräte steigt durch den Einsatz der Zweitbildschirme um zumindest ein paar hundert Euro.

Schließlich ist es für die Hersteller eine Herausforderung, die Qualität und Kalibrierung (Farben, Kontrast, etc.) der beiden Displays möglichst aneinander anzupassen. Ist dem Test von Notebookcheck zu glauben, war das beim HP Omen X 2S nicht wirklich geglückt, hier sieht das Hauptdisplay viel besser aus. Selbst wenn die Qualität stimmt: Durch den schrägen Blick auf das Zweitdisplay wirken die Farben oft verfälscht, insbesondere beim Einsatz von IPS- statt OLED-Technik.

Das Problem mit der Blickwinkelstabilität könnte durch den Einsatz von OLED-Panels oder auch durch eine andere Positionierung des Zweitbildschirms gelöst werden – siehe Intels "Honeycomb Glacier"-Konzept oben. Gegen den Stromverbrauch können die Hersteller mit stromsparenden Prozessoren gegensteuern. Das Ende 2020 erscheinende Surface Neo soll mit Lakefield-CPUs von Intel ausgestattet werden, die im 10-Nanometer-Verfahren produziert werden und weniger Energie verbrauchen. So kann Microsoft auf relativ schwächere Handy-Chips wie den Microsoft SQ1 im Surface Pro X verzichten und trotzdem ultramobile Geräte mit Strom versorgen.

Dual-Screen-Geräte: Dank praktischem Vorteil ein Erfolgsrezept

Wird es also in Zukunft nur noch Notebooks mit zwei Displays geben? Das wohl nicht. Das Zweitdisplay zehrt am Akku, braucht Platz und erhöht den Preis des Gerätes – daher ist es nicht für alle Arten von Laptops, Tablets oder Convertibles geeignet. Allerdings ist der Zusatzbildschirm ein echter Segen für jene Geräte, die häufig für Multitasking eingesetzt werden.

Dazu zählen vor allem ausgewachsene Laptops für produktive Tätigkeiten wie Videoschnitt, darunter das Asus ZenBook Pro Duo, und ultramobile Windows-Tablets wie das Microsoft Surface Neo, das für "leichtere" Aufgaben wie Office und Bildbearbeitung gedacht ist. Nicht zuletzt dank Microsoft werden wir in Zukunft sicher noch einige Dual-Screen-Geräte mit Windows zu sehen bekommen. Ich denke, wir bekommen diesmal kein Gimmick wie etwa RGB-Beleuchtung – sondern Dual-Displays sind ein echter, spürbarer Fortschritt für mobile Windows-Geräte.

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