Meinung

Es ist gut, dass Apple mit dem MacBook Pro 2018 zur Touch Bar steht

Auch das MacBook Pro 2018 hat eine Touch Bar.
Auch das MacBook Pro 2018 hat eine Touch Bar. (©YouTube / AppleInsider 2018)

Auch die MacBook-Pro-Modelle von 2018 bieten eine Touch Bar. Das Modell ohne die Leiste mit Touchbedienung wurde dieses Jahr sogar gestrichen. Apple beweist so erneut, dass das Unternehmen zu seinen Technologien steht und die Kunden sich darauf verlassen können.

Im Jahr 2016 machte Apple bei den neuen MacBooks den Funktionstasten ein Ende. An ihre Stelle trat eine Leiste mit einem Touch-Display: die sogenannte Touch Bar. Je nach App lassen sich verschiedene Funktionen auf die Touch Bar legen und so schneller einsetzen, als mit der Maus im Menü. Damals bot Apple noch ein MacBook-Pro-Modell ohne die Leiste an, doch mit den 2018er-Modellen steigt Apple komplett auf die Touch Bar um – und das ist auch gut so.

 Die MacBook-Pro-Modelle von 2018 gibt es nur noch mit der Touch Bar. fullscreen
Die MacBook-Pro-Modelle von 2018 gibt es nur noch mit der Touch Bar. (©Apple 2018)

Klar: Apple kann nicht von sich behaupten, die Touch Bar erfunden zu haben. Schon im Jahr 2010 stellte Microsoft ein "Adaptive Keyboard" genanntes Designkonzept mit ähnlichen Funktionen vor und im Jahr 2014 kam das ThinkPad X1 Carbon auf den Markt – mit einer Touch-Leiste, die Apples Touch Bar stark ähnelte. Lenovos Adaptive Keyboard für das ThinkPad zeigte bereits Shortcuts an, die zur jeweiligen Anwendung passten.

Apple steht zu seinen Technologien

Allerdings ist die ursprüngliche Innovation auch nicht das, was Apple besonders auszeichnet. Vielmehr macht Apple wilde Einfälle von Ingenieuren zu ausgereiften Produkten, die Menschen im Alltag verwenden. Und wenn sich Apple entschieden hat, eine Technologie einzuführen, dann können sich die Käufer sicher sein, dass der Hersteller dazu steht und sie nicht morgen schon wieder verschwindet.

 Apple hält an der Touch Bar fest – und das ist kein Zufall. fullscreen
Apple hält an der Touch Bar fest – und das ist kein Zufall. (©YouTube / Apple 2016)

Dafür gibt es in Apples Geschichte zahlreiche Beispiele. So machte das Unternehmen 1984 die grafische Benutzeroberfläche mit dem Macintosh salonfähig, gab den Menschen im Jahr 2007 mit dem iPhone das erste massenmarkttaugliche Smartphone in die Hand und brachte 2010 mit dem iPad das Tablet einer breiten Kundschaft näher. Noch heute erscheinen neue MacBooks, iPhones und iPad von Apple. Skepsis, Spott und Kritik haben das Unternehmen nicht beeindruckt. Das gilt auch für kleinere Features wie Apple Maps, an dem Apple trotz der überwältigenden Konkurrenz durch Google Maps festhält.

Viele Kritiker zweifeln weiter am schmalen Touchscreen

Bereits beim Release im Jahr 2016 wurde der praktische Nutzen der Touch Bar bezweifelt, wobei sich die meisten Tester noch vorsichtig optimistisch äußerten. Entwickler machten sich bald einen Spaß aus der Touch-Leiste und entwickelten etwa ein Touch-Bar-Piano und brachten den Ego-Shooter-Klassiker "Doom" auf dem Mini-Display zum Laufen. Heute überwiegt die Kritik.

Mike Wuerthele schreibt etwa auf Apple Insider, dass die Touch Bar im Grunde nur für die Einstellung der Helligkeit und der Lautstärke geeignet sei. Trotzdem sieht er noch Potenzial. Digital Trends erkennt im Review des 2018er-Modells des MacBook Pro 13 hingegen "kaum einen Nutzen" in der Touch Bar. Allenfalls sei sie dazu gut, schnell durch Listen oder durch ein Video zu scrollen. CNet schlägt sogar vor, die Touch Bar bei allen MacBook-Pro-Modellen zu einem optionalen Feature zu machen.

Die Touch Bar hat eine Zukunft – vielleicht eine große

Apple lässt das alles kalt. Auf der Website zum MacBook Pro 2018 bewirbt das Unternehmen umfassend die verschiedenen Einsatzzwecke der Touch Bar und ihre Anpassungsfähigkeit. So kannst Du auf der Touch Bar "Tippen", "Halten", Streichen" und "Schieben", bekommst mit ihr "das, was Du brauchst, wo Du es brauchst" und kannst anpassen, "was Du am meisten nutzt".

 Apple bewirbt die Vorzüge der Touch Bar auch 2018 noch umfassend. fullscreen
Apple bewirbt die Vorzüge der Touch Bar auch 2018 noch umfassend. (©Apple 2018)

Kein Wunder, denn neue Apple-Patente weisen darauf hin, dass das Unternehmen mit der Touch Bar noch viel vorhaben könnte, wie CNet berichtet. Demnach möchte Apple vielleicht sogar die gesamte MacBook-Pro-Tastatur durch eine Touch-Tastatur ersetzen, die auf weiterentwickelter Touch-Bar-Technik beruht. Sensoren und Motoren für haptisches Feedback stecken dabei unter dem OLED-Display, und das Feedback funktioniert nach dem 3D-Touch-Prinzip. Bereits die Butterfly-Tastatur bietet schließlich einen kürzeren Hub und ähnelt einer Touch-Tastatur stärker als ihr Vorgänger.

Laut einem zweiten Patent würde die Touch Bar die Tastatur nicht ersetzen, sondern sie vielmehr umranden. Dann gäbe es links, rechts und unter der Tastatur weitere, viel größere Touch Bars. Ob Apple zukünftige MacBook-Pro-Modelle wirklich auf Grundlage dieser Patente entwickeln wird, ist völlig unklar. Wir gehen nicht von einer direkten Umsetzung aus, aber: Die Touch-Bar-Patente legen nahe, dass Apple zur Technologie steht und gar nicht daran denkt, die Touch Bar zukünftig aufzugeben.

 Ein Apple-Patent zeigt eine Touch Bar rund um die MacBook-Pro-Tastatur. fullscreen
Ein Apple-Patent zeigt eine Touch Bar rund um die MacBook-Pro-Tastatur. (©Mashable/Apple/US Patent and Trademark Office 2018)

Fazit: Apple, unbeirrbar

Mit der Strategie, trotz aller Kritik und allem Spott zu seinen Produkten und Features zu stehen, strahlt Apple Verlässlichkeit und Standhaftigkeit aus. Das Unternehmen stärkt bei seinen Fans das Vertrauen darin, dass es weiß, was es tut und dass es von seinen Ideen überzeugt ist. Den gegenteiligen Eindruck mussten Microsoft-Anhänger gewinnen, als der Windows-Macher das Interesse an Windows Phone, der Sprachassistentin Cortana, den Windows-Mixed-Reality-Headsets und kürzlich offenbar auch am Surface Phone schnell wieder verlor.

Es gibt Gründe, warum die Fans des Cupertino-Unternehmens an "ihr Apple" glauben. Es liegt auch daran, dass Apple hinter seinen Produkten und Angeboten steht. Die Touch Bar ist eines der Beispiele, an denen man erkennt, woher dieser Glaube an Apple kommt, warum es ihn nicht gratis gibt – und warum die meisten Mitbewerber ein solches Vertrauen bei ihren Kunden nicht erwecken können.

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