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Facebook-Datenskandal noch größer als bislang vermutet

Der Datenskandal auf Facebook ist noch größer als befürchtet.
Der Datenskandal auf Facebook ist noch größer als befürchtet. (©picture alliance / NurPhoto 2018)

Der vor zwei Wochen bekanntgewordene Facebook-Datenskandal ist noch viel größer als bislang gedacht. Tatsächlich geht das soziale Netzwerk mittlerweile davon aus, dass fast alle Nutzer schon einmal Opfer von zwielichtigen Datenjägern geworden sind.

Rund zwei Wochen ist es nun her, seit der bislang größte Datenskandal in der Geschichte von Facebook bekannt wurde. Das Unternehmen Cambridge Analytica war dabei in den Besitz der Daten von Millionen von Facebook-Nutzer gekommen und hatte diese höchstwahrscheinlich für kommerzielle Zwecke oder sogar im US-Wahlkampf eingesetzt. Nun zeigt sich jedoch, dass das Datenleck offenbar viel größer war, als bislang angenommen, wie Facebook selbst in einer Mitteilung zugibt.

87 Millionen Nutzer direkt vom Datenklau betroffen

Statt der bislang vermuteten 50 Millionen Nutzerdaten sollen laut Facebook-Sicherheitschef Mike Schroepfer sogar die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern unzulässig an Cambridge Analytica weitergegeben worden sein. Ein Großteil der betroffenen Nutzer, nämlich über 70 Millionen, lebt dabei in den USA. Allerdings sollen auch mehr als 300.000 deutsche Facebook-User betroffen sein.

Fast jedes Profil wurde schon Opfer von Datensammlern

Doch auch das scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Denn wie Schroepf in seinem Beitrag weiter ausführt, geht Facebook mittlerweile davon aus, dass ein Großteil der Nutzerdaten auf Facebook schon einmal von unbekannten Gruppen oder Unternehmen ausspioniert wurden. Schuld daran soll ausgerechnet eine Funktion sein, die Facebook bislang besonders energisch angepriesen hat: Die Profilsuche mit Hilfe von Telefonnummer oder E-Mail-Adresse eine Person. Nutzer, die dieses Feature für ihr Profil aktiviert hatten, konnten bisher problemlos von anderen Personen auf Facebook gefunden werden, sobald diese die Telefonnummer in die Suchleiste eingetippt hatten.

Auf diese Weise konnten Unternehmen etwa die Profile ihrer Kunden durchschnüffeln, gezielt die privaten Informationen von Mitarbeitern oder Bewerbern sammeln und letztlich sogar Behörden die Bürger besser überwachen. Da Facebook nun etwas mehr Sensibilität in Sachen Datenschutz an den Tag legt, wurde dieses Feature deaktiviert, wie Schroepf mitteilte.

Facebook scheint erst langsam zu begreifen, was es angerichtet hat

Alles in allem vermittelt Facebook seit dem Bekanntwerden des Datenskandals den Eindruck eines Unternehmens, das erst nach und nach realisiert, was es eigentlich angerichtet hat. Schritt für Schritt scheint der Konzern nun seine bislang extrem laschen Datenschutzregeln auf den Prüfstand zu stellen, um an einigen wichtigen Stellen nachzubessern. Bereits seit Ende März haben Nutzer mehr Übersicht und mehr Kontrolle darüber, welche Daten sie mit anderen teilen. Mit einem kommenden Update soll es zudem leichter werden, Drittanbieter-Apps aus dem Profil zu entfernen.

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