Facebook teilte Nutzerdaten mit Apple, Samsung und Co.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg gerät immer weiter unter Druck.
Facebook-CEO Mark Zuckerberg gerät immer weiter unter Druck. (©picture alliance / AP Photo 2018)
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Mehr als zehn Jahre lang teilte Facebook persönliche Informationen seiner Nutzer mit Geräteherstellern wie Apple, Samsung, Amazon, Microsoft und Co. Mindestens 60 Unternehmen konnten etwa den Beziehungsstatus oder die Religion eines Facebook-Mitglieds und seiner Freunde einsehen – auch ohne deren Einverständnis.

Als Facebook noch auf dem Weg zum dominierenden sozialen Netzwerk weltweit war, hat das Unternehmen Vereinbarungen mit einer großen Anzahl an Smartphone- und sonstigen Geräteherstellern getroffen. Ziel war es, beliebte Facebook-Funktionen wie den Nachrichtendienst, Like-Buttons und Adressbücher auf den Geräten der Hersteller verfügbar zu machen, als diese technisch noch nicht in der Lage waren, eine Standalone-Facebook-App auszuführen. Dafür gewährte Facebook den Herstellern Zugriff auf persönliche Informationen der Nutzer und deren Freunde, berichtet die New York Times.

Facebook sah Hersteller als Partner, nicht als Drittanbieter

Zu den persönlichen Daten, auf die Facebook-Partner wie Samsung, Apple, Amazon, Microsoft und BlackBerry zugreifen konnten, zählten unter anderem der Beziehungsstatus, die Religion, die politische Ausrichtung und kommende Veranstaltungen. Wie die New York Times herausfand, konnten Hersteller sogar Daten von den Freunden eines Facebook-Mitglieds abfragen, selbst wenn die betreffende Person Facebook die Datenweitergabe in den Einstellungen untersagt hat.

Datenweitergabe im Dienste der Nutzer?

Obwohl Facebook bereits 2011 ein Dekret unterschrieben hatte, dass die Weitergabe von Nutzerdaten ohne deren Zustimmung verbieten sollte, war die Zusammenarbeit mit Herstellern anscheinend gängige Praxis. Mehr als 60 große Unternehmen durften Daten von Facebook-Mitgliedern und deren Freunden anfordern, weil Facebook die Hersteller nicht als Drittanbieter, sondern als Partner ansah. Die Datenweitergabe sei im Dienste der Nutzer geschehen, die Facebook-Funktionen auf ihren Geräten verwenden wollen.

Einige Hersteller, darunter Apple, Microsoft und BlackBerry, kommentierten diese neue Dimension des Facebook-Datenskandals und erklärten, welche Daten oder wofür diese erhoben wurden. Auch wenn diese angeblich nur zur Bereitstellung von Facebook-Funktionen verwendet wurden, ist es fragwürdig, dass die Plattform großen Unternehmen überhaupt erlaubte, Nutzerdaten auf ihren eigenen Servern zu speichern – ohne dass die Nutzer davon wussten. Immerhin: Von den ehemals über 60 "Partnerschaften" sind laut New York Times rund 22 mittlerweile beendet worden.

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