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Mit Algorithmus: FBI will Tattoos automatisch auswerten

Hilft Tattoo-Erkennung bei der Verbrechensbekämpfung?
Hilft Tattoo-Erkennung bei der Verbrechensbekämpfung? (©Flickr / ANBerlin 2016)

Mithilfe einer neu entwickelten Software will das FBI Tattoos automatisch erkennen lassen – und so Informationen über tätowierte Verdächtige und Straftäter gewinnen. Bürgerrechtsorganisationen machen sich große Sorgen über daraus resultierende Probleme mit dem Datenschutz.

Tattoos sind für die meisten Freunde dieser Körperkunst weit mehr als modischer Schmuck für die Ewigkeit. Oft beziehen sich die in Haut gestochenen Motive auf Ereignisse aus dem Leben, auf eine bestimmte Subkultur oder politische und religiöse Ansichten. Die US-amerikanische Bundespolizei will all diese Beziehungen nun automatisch erkennen lassen und baut für diesen Zweck eine große Datenbank an erfassten Tätowierungen auf, schreibt TechCrunch und beruft sich auf einen offiziellen Bericht.

Mehr als 100.000 Tätowierungen als Datenbestand geplant

In einer Versuchsreihe hat die Behörde zunächst Fotos von 15.000 einsitzenden Sträflingen verwendet, darüber hinaus werden zukünftig auch bei Polizeikontrollen entsprechende Daten gesammelt. So will man den Datenpool kurzfristig um weitere 100.000 Tätowierungen erweitern und die Erkennung stark verbessern. Am Ende soll der Algorithmus nicht nur Gang-Zugehörigkeiten automatisch tracken, sondern auch auf größere Zusammenhänge im Rahmen der Kriminalforschung schließen können.

Wurden die Fotos bisher mit herkömmlichen Kameras geschossen, so möchte das FBI die Polizei zukünftig gern mit smarten Mobilgeräten ausstatten, die Tätowierungen teilweise automatisch erfassen sollen. Neuartige Software soll den Körperschmuck dann direkt mit der Datenbank abgleichen und den Beamten  noch vor Ort ein Recherche-Ergebnis liefern.

Sorge um Privatsphäre von tätowierten Menschen

Bürgerrechtsaktivisten sind alarmiert und weisen darauf hin, dass entsprechende Tattoos unter das Recht auf freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Religionsfreiheit fallen. Schließlich handele es sich bei Tätowierungen oft um auf der Haut getragene Äußerungen zur persönlichen Einstellung. Auch die Art und Weise, wie die Behörden an die benötigten Fotos kommen und diese an technische Dienstleister weitergeben, lässt bei Organisationen wie der Electronic Frontier Foundation (EFF) die Alarmglocken läuten.

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Das FBI beauftragt private Entwickler mit dem Tattoo-Projekt (©Flickr / groovysoup 2016)

An dem Forschungsprojekt sind neben staatlichen Behörden auch jede Menge private Unternehmen beteiligt. Diese tauschen zum Zweck der schnellen technischen Entwicklung elektronisch Daten über erfasste Tattoos untereinander aus. Die EFF mahnt an, dass kaum nachvollziehbar ist, wie genau diese privaten Angaben genutzt werden und wo diese am Ende landen könnten. Da die anfangs verwendeten Fotos von Gefängnisinsassen stammen, könnte man außerdem argumentieren, dass hier unfreiwillig Experimente am menschlichen Körper durchgeführt werden, wofür es spezielle Richtlinien gibt. Die hierzu benötigten Genehmigungen holten die beteiligten Stellen allerdings erst nach Durchführung der ersten Versuche ein.

Bald Realität? Datenbanken über persönliche Ansichten der Bürger

Immerhin könnten man über diesen Mechanismus eine Datenbank erschaffen, in der Gesetzeshüter nicht mehr nur die Möglichkeit hätten, nach äußerlichen Merkmalen von Menschen zu filtern. Auch soziale Beziehungen zwischen Individuen möchte man mithilfe der Tattooerkennung aufdecken und speichern. Besteht irgendwann ein Verzeichnis mit politischen Ansichten oder Motivationen vieler Menschen, ist dies laut EFF ein weiterer großer Schritt in Richtung Überwachungsstaat.

In Deutschland stehen derartige Projekte erstmal nicht in Aussicht. Jedoch könnten Behörden auch hier von zukünftig gewonnen Erkenntnissen des FBI profitieren. Schließlich werden im Zuge der internationalen Terrorbekämpfung immer mehr Daten unter Ermittlern ausgetauscht. Und auch hierzulande waren laut einer Umfrage schon 2015 ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung tätowiert.

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