IFA 2018: 8K-TVs kommen viel früher als uns lieb ist – aber das ist ok

Die ersten 8K-TVs von Samsung sind schon bald im Handel erhältlich.
Die ersten 8K-TVs von Samsung sind schon bald im Handel erhältlich. (©TURN ON 2018)
Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Auf der IFA 2018 zeigen fast alle großen Hersteller ihre neuen 8K-TVs und zumindest Samsung kann sie auch schon liefern. Die neue Bildtechnologie kommt damit viel früher, als wir dachten. Doch bis zur echten 8K-Revolution ist es noch ein weiter Weg.

Die TV-Hersteller waren in den letzten Jahren nicht gerade um Ideen verlegen, den Kunden mit immer neuen Technologien immer neue Fernsehgeräte schmackhaft zu machen. Nach 4K kam ziemlich schnell HDR und nebenbei wurde mit der OLED-Technologie eine ganz neue Generation von Flachbild-Displays in den Handel gebracht. Doch ein Stillstand in der Entwicklung ist nach wie vor nicht zu erwarten. Die nächste große Bild-Revolution steht nämlich auf der IFA 2018 schon in den Startlöchern und trägt den Namen 8K.

Viermal mehr Pixel als bei 4K

Nachdem 4K-Geräte über Jahre hinweg zum neuen Standard geworden sind, und vor allem im Premium-Segment längst die Full-HD-TVs abgelöst haben, sollen 8K-Geräte mit einer noch größeren Auflösung punkten. 7680 × 4320 Pixel sitzen auf einem 8K-Panel und damit viermal so viele wie auf einem 4K-Panel, dass "nur" 3840 x 2160 Bildpunkte besitzt. Gegenüber den normalen Full-HD-Fernsehern, die noch immer in den meisten deutschen Wohnzimmern stehen, handelt es sich sogar um eine 16 Mal so hohe Bildauflösung.

Auf der IFA haben fast alle großen TV-Hersteller mindestens ein 8K-Gerät an ihrem Stand ausgestellt. Samsung geht sogar aufs Ganze und stellt in Berlin die ersten Consumer-Geräte mit 8K-LCD-Panel vor, die noch in diesem Jahr in den Verkauf starten sollen – viel früher, als wohl die meisten Marktbeobachter gedacht hätten. In Bilddiagonalen von 65, 75 und 85 Zoll sollen die neuen QLED-TVs des südkoreanischen Herstellers ab Oktober verfügbar sein. Der Einführungspreis gestaltet sich dabei mit knapp 5000 Euro sogar halbwegs moderat – jedenfalls wenn man ihn mit den ersten 4K-TVs vor einigen Jahren vergleicht.

Keine Wachablösung für 4K

Kunden, die in den letzten zwei bis drei Jahren gerade erst ein Upgrade auf 4K durchgeführt haben, könnten sich von diesem neuen Vorstoß ein wenig überrumpelt fühlen. Müssen sie nun befürchten, dass ihr nagelneuer Fernseher bald schon wieder zum alten Eisen gehört? Nicht wirklich!

Die Auflösung lässt sich nur in bestimmten Situationen auskosten

Das Problem der 8K-TVs dürfte nämlich ohnehin nicht der Preis sein, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Auflösungsunterschied zwischen 4K und 8K fast nicht mehr sichtbar ist. Nur bei sehr großen Bilddiagonalen und sehr geringen Sitzabständen lässt sich die verbesserte Bildschärfe von 8K gegenüber 4K mit dem menschlichen Auge wahrnehmen.

Um beispielsweise bei einem normalen Sitzabstand von drei Metern einen Unterschied mit bloßem Auge wahrzunehmen, müsste der Fernseher ungefähr eine Bilddiagonale von 150 Zoll haben. Unnötig zu erwähnen, dass dies für die meisten Wohnungen eine absolut utopische Größe ist. Auf der IFA sind die Unterschiede von 4K und 8K deshalb zwar sichtbar – aber logischerweise nur dann, wenn man sich als Zuschauer ganz nah vor den Bildschirm stellt.

Auf echte 8K-Inhalte werden wir noch sehr, sehr lange warten

Das vielleicht noch größere Problem ist jedoch das Fehlen jeglicher nativer 8K-Videoinhalte. Nachdem selbst 4K-Videos und -Streams über fünf Jahre nach der Einführung der ersten 4K-TVs noch immer einen gewissen Exoten-Charakter haben und die meisten Fernsehsender weiterhin in 576i senden, dürfte sich daran sicherlich auch so schnell nichts ändern.

Die Lösung, die von den Herstellern auf der IFA 2018 für dieses Problem präsentiert wird, ist das Hochskalieren von 4K-Inhalten auf 8K-Auflösung. Dabei wird jeder einzelne Frame von einer Software analysiert und mit einem dafür passenden Filter versehen. Während das Hochrechnen der Auflösung für 4K-Inhalte noch recht gut funktioniert, sehen die Ergebnisse, die bei Full-HD oder sogar SD-Inhalten erzielt werden, nicht mehr so ganz überzeugend aus. Das Bild wirkt dann zwar wesentlich schärfer, aber die fehlenden Details eines 1080p- oder 576i-Bildes kann das Upscaling natürlich nicht kompensieren.

8K-TVs sind eher verbesserte 4K-TVs

Unterm Strich sind die ersten 8K-TVs deshalb eigentlich eher große 4K-TVs, auf denen native 4K-Inhalte noch etwas besser aussehen, und bei denen der Zuschauer wirklich ganz nah an das Display heranrücken kann, ohne einzelne Pixel zu erkennen. Gerade im oberen Preisbereich gibt es dafür sicherlich eine Zielgruppe. Doch damit, dass 8K-TVs den Markt ebenso schnell erobern wie zuvor die 4K-Geräte, sollte vorerst niemand rechnen.

Kunden, die erst kürzlich auf 4K umgestiegen sind, müssen sich deshalb auch keine Sorgen machen: Ihre Geräte werden durch die neuen 8K-TVs  nicht verdrängt werden und Filmstudios, Streaming-Dienste sowie Fernsehsender werden in den nächsten Jahren noch genug damit zu tun haben, ihre Inhalte erstmal in 4K verfügbar zu machen.

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