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iPhone, Galaxy und Co.: Die fetten Jahre sind vorbei

Der Boom scheint für iPhone und Samsung Galaxy vorbei zu sein.
Der Boom scheint für iPhone und Samsung Galaxy vorbei zu sein. (©CC: Flickr/Kārlis Dambrāns 2015)

Apple hat erstmals weniger iPhones verkauft. Doch der Smartphone-Boom ist nicht nur in Cupertino vorbei, wie aktuelle Marktzahlen belegen. Die Suche nach dem nächsten Hype hat unterdessen längst begonnen.

Nun ist es also passiert. Nur einen Tag nachdem Apple erstmals zugeben musste, dass die iPhone-Verkäufe doch nicht unendlich in die Höhe wachsen, hat am Mittwoch auch das Marktforschungsinstitut IDC seine Analyse zum Smartphone-Markt im ersten Quartal 2016 vorgelegt und auch dort sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Das Wachstum ist zum Erliegen gekommen und die fetten Jahre sind vorbei.

Das Ende des großen Booms

334,9 Millionen Smartphones wurden in den ersten drei Monaten des Jahres verkauft. Das ist immer noch eine absurd hohe Zahl und sogar 0,2 Prozent mehr als im letzten Jahr. Angesichts der Sprünge, die in der Vergangenheit beim Absatz erzielt wurden, muss man hier jedoch trotzdem von einer Zäsur sprechen. Der Boom-Markt der letzten Jahre scheint sein volles Potenzial endlich erreicht zu haben und dürfte sich in den nächsten Jahren auf einem sehr hohen Niveau einpendeln.

Bessere Technik zu besseren Preisen

Ist das jetzt ein Problem? Für die Kunden ist es das generell erst mal überhaupt nicht, denn sie bekommen schon jetzt immer bessere Smartphones zu immer attraktiveren Preisen. Gab es voll ausgestattete Geräte vor wenigen Jahren nur im Premium-Segment, so sind diese mittlerweile auch schon in der Mittelklasse erhältlich. Wer heute hingegen 600 Euro oder mehr ausgibt, bekommt gleich ein Smartphone, dass so leistungsfähig und so gut ausgestattet ist, um locker vier Jahre in Betrieb zu bleiben. Klar, das nächste iPhone wird dann wahrscheinlich wieder 50 Prozent schneller sein als das aktuelle, vielleicht wird es auch noch schlanker und hat eine noch bessere Kamera, aber mal ehrlich: Wozu?

Die Hersteller werden auch weiterhin große Mengen an Mobiltelefonen absetzen und die Kunden werden sie auch weiterhin oft kaufen – eben so, wie sie auch weiterhin in großer Zahl Fernseher, Computer und Tablets kaufen. Aber ob dabei noch einmal die großen technischen Revolutionen der Vergangenheit auf uns zukommen, ist fraglich. OLED-Screens, Curved-Displays, randlose Bildschirme, wasserdichte Geräte, Druck-intensive Displays, Dual-Kameras – all das gibt es schon, all das wird die Käufer vermutlich nicht mehr zu großen Jubelstürmen animieren.

China frisst Marktanteile von Samsung und Apple

Innerhalb dieses Marktes könnte es jedoch durchaus noch zu umfangreichen Verschiebungen der Kräfteverhältnisse kommen, die sich auch im ersten Quartal 2016 laut IDC schon sehr deutlich abgezeichnet haben. So gingen die Verkäufe bei Marktführer Samsung im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent zurück, bei Apple waren es sogar dramatische 16,3 Prozent. Auch die meisten anderen traditionellen Hersteller mussten einen Rückgang verbuchen, während die Gewinner vor allem junge Unternehmen aus China waren, die hochwertige Geräte meist zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten als die Konkurrenz aus Südkorea, den USA und Japan. So erzielte Huawei im Vergleich zum Vorjahr einen Verkaufszuwachs von 58,4 Prozent. Die Hersteller Oppo und Vivo kamen sogar auf ein Plus von 153,2 beziehungsweise 123,8 Prozent.

Der nächste Boom kommt bestimmt

Die Suche nach dem nächsten großen Ding ist aber schon voll im Gange. Nachdem Smartwatches und Wearables diesem Anspruch bislang nicht gerecht werden, investieren Tech-Giganten wie Samsung, HTC, Microsoft, Intel, Sony, Facebook, Google, Amazon und Valve längst massiv in neue Bereiche wie Virtual Reality, Augmented Reality oder Cloud Computing.

Apple hat ein (Luxus)problem

Nur Apple scheint zumindest derzeit etwas kalt vom Wetterumschwung erwischt zu werden und ist immer noch voll auf iPhone geeicht. Genau das kann man Tim Cook dann vielleicht auch vorwerfen: Während es dem CEO in den letzten Jahren gelungen ist, auch noch den letzten Cent aus der Smartphone-Sparte zu quetschen und Apple so zum wertvollsten Unternehmen der Welt zu machen, scheint es derzeit an einer Vision für die Zeit nach dem iPhone zu fehlen. Aber – auch darauf wurde oft genug hingewiesen – Apple hat sich dank seiner iPhones immerhin ein so dickes Polster angefressen, dass es auch so eine Phase problemlos überstehen und wieder Anschluss finden kann.

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