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Kabelloses Laden: So muss das Wireless Charging der Zukunft aussehen

Kabellos ist zwar die Verbindung zwischen Ladegerät und Smartphone, nicht aber das eigentliche Wireless Charging – und das muss sich ändern.
Kabellos ist zwar die Verbindung zwischen Ladegerät und Smartphone, nicht aber das eigentliche Wireless Charging – und das muss sich ändern.

Wenngleich Apple seit dem iPhone X überhaupt erst Wireless Charging unterstützt, ist kabelloses Laden eigentlich längst ein alter Hut. Doch: Eines ist Wireless Charging ganz sicher nicht – und zwar wirklich kabellos. Das muss sich ändern, das wird sich ändern. Wir werfen einen Blick auf die Zukunft des kabellosen Ladens, das diesen Namen auch verdient.

Lange hat es gedauert, seit 2017 und dem Release des iPhone X unterstützt auch Apple es: Wireless Charging. Anders als eine Zeit lang vermutet wurde, kocht der US-Hersteller dabei nicht sein eigenes Süppchen, sondern vertraut auf die Qi-Technik, ein proprietärer Standard des Wireless Power Consortiums – und de facto der Industriestandard, wenn es um kabelloses Laden in der Unterhaltungsbranche geht. 

Das ist der aktuelle Stand bei Wireless Charging

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Jeder Wireless Charger hängt am Strom – ein Auslaufmodell.

Wenn man es genau nimmt, ist der Begriff Wireless Charging an sich irreführend. Zwar musst Du Dein Galaxy S9, iPhone XS oder auch Huawei Mate 20 nicht direkt mit einem Ladekabel verbinden, sondern einfach nur das Smartphone auf eine entsprechend kompatible Ladeschale legen. Doch der Wireless Charger an sich muss wie selbstverständlich weiterhin an der Steckdose hängen und somit auf klassischem Wege mit Energie versorgt werden – wirklich flexibel ist das nicht. Kabelloses Laden bezeichnet in erster Linie also nur die Verbindung zwischen Smartphone und Qi-Ladegerät – doch ist das heutzutage noch zeitgemäß?

Beim Qi-Standard wird zwischen Sender und Empfänger eine resonante induktive Kopplung aufgebaut, über die Sender und Empfänger Daten austauschen. Während der Sender, also der Wireless Charger, ein Sendefeld moduliert, werden die Daten an den Sender, also das Smartphone, mittels RFID-ähnlicher Technik übermittelt. Ohne jetzt technisch allzu sehr ins Detail zu gehen, vereint der Qi-Standard Vor- und Nachteile.

Da das Smartphone nur auf das Ladepad aufgelegt werden muss, ist die Handhabung extrem einfach, außerdem verschleißen die Steckkontakte nicht. Dafür müssen Ladegerät und Smartphone während des Ladens engen räumlichen Kontakt haben – und eng meint tatsächlich auch eng. Wer aber glaubt, Wireless Charging sei eine Erfindung der Smartphone-Branche, irrt gewaltig. Schon in den 90er Jahren wurde dieses Prinzip bei Zahnbürsten eines großen Herstellers genutzt.

Disneys Living-Room zeigt Zukunft des Wireless Charging

Natürlich arbeitet auch die Industrie daran, Wireless Charging einerseits zu verbessern, vor allem über längere Distanzen zu ermöglichen und nicht zuletzt stärker – oder überhaupt erst – in den Alltag zu integrieren. Wie das konkret aussehen könnte, zeigte Disney in seinem Living-Room schon 2017: Ein Zimmer, das bis zu zehn Geräte gleichzeitig kabellos mit Energie versorgen kann, ganz gleich ob Lampe, iPhone oder andere Geräte.

Auf lange Sicht sollen so alle sichtbaren Kabel hinter die Wände verfrachtet werden. Dass es sich noch um einen Prototypen handelt, zeigt die unschöne Ladespule mitten im Raum, die aufgrund rechtlicher Bestimmungen noch einen Sicherheitsabstand von mindestens 46 Zentimetern erfordert – die Strahlung ist einfach zu hoch. Gleichwohl unterstreicht das Konzept eindrucksvoll, wie Wireless Charging in Zukunft neu definiert werden könnte.

Wie steht es um die Sicherheit und Miniaturisierung der Ladespule?

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Künftig werden sich Smartphones tatsächlich kabellos laden lassen und vollständig in den Alltag integrieren.

Nicht weniger interessant ist das Konzept von Ossia namens Cota, das fast so wie ein WLAN-Netzwerk funktioniert. Ein Receiver, der in jedes Gerät integriert werden kann, macht sich für den Datenaustausch durch Senden eines Balkensignals bereit, um entsprechende Transmitter zu finden. Die Transmitter wiederum senden Energie auf gleichem Wege zurück, während der Austausch zwischen Empfänger und Sender 100 Mal pro Sekunde erfolgt, um auch weiter entfernte Geräte sicher mit Energie zu versorgen. Alle Cota-kompatiblen Geräte werden gleichzeitig mit Strom versorgt.

Auch nicht außer Acht gelassen werden darf der Sicherheitsaspekt. Einerseits könnte fortschrittlicheres Wireless Charging die Steckdose als potenzielle Gefahrenquelle für Kinder minimieren. Auf der anderen Seite schwingt immer auch die Gefahr durch eine womöglich höhere Strahlenbelastung mit, die ebenso berücksichtigt werden muss. Diese falle aber nicht höher als bei vergleichbaren Drahtlostechnologien aus, betont etwa das US-Start-up WiTricity, das sich auf kabellose Ladetechniken spezialisiert hat. 

Auch das Thema der Miniaturisierung spielt eine große Rolle: Wird es den Ingenieuren gelingen, die Ladespule derart klein zu verbauen, dass sie problemlos in Smartphones, Tablets oder auch in Leuchtmitteln? Und werden die Ladespulen dann auch noch groß genug sein, um derlei Geräte auch mit ausreichend Energie zu versorgen – womöglich perspektivisch auch Dinge wie Fernseher?

Die Möglichkeit, von der Küche über das Wohnzimmer bis hin zum Schlafzimmer zu gehen und dabei kontinuierlich das Smartphone per sicherem Wireless Charging aufzuladen – diese Realität ist näher, als man denkt.

Warum Apple in puncto Wireless Charging Nachzügler ist

Gerüchte, dass Apple an einem revolutionären Wireless Charging arbeite, gehen bis ins Jahr 2016 zurück. Seinerzeit wurde darüber spekuliert, dass Apple für sein neues Modell kabelloses Laden plane, was sich aber von gängigen Lösungen unterscheiden solle – daraus wurde bekanntlich bis heute nichts. Der Ansatz lautet aber wie folgt: Das iPhone soll nicht auf einen physischen Kontakt zur Ladestation angewiesen sein und stattdessen über größere Distanz mit Energie versorgt werden können.

Das Problem: Die Effizienz der Stromübertragung nimmt mit zunehmendem Abstand zwischen Sender und Empfänger ab, womit sich die Zeit für den Ladevorgang verlängert. Auch käme ein solches System fortschrittlicherem Wireless Charging durchaus näher, doch letztendlich müsste die Kommunikation nach wie vor über einen Transmitter abgewickelt werden, der in einer Steckdose platziert wäre.

Mittlerweile hat Apple zwei iPhone-Generationen auf Basis des Qi-Standards veröffentlicht. Es bleibt aber mit Spannung abzuwarten, welcher große Hersteller die nächste Entwicklungsstufe des Wireless Charging zünden wird.

Ob Apple das sein wird, darf angesichts der Schmach rund um das Ladepad AirPower aber bezweifelt werden. Nachdem das vermeintlich innovative Ladepad bereits im September 2017 zusammen mit dem iPhone X enthüllt wurde, fehlt bis heute jede Spur von dem Gerät, das nach eigentlicher Planung doch 2018 in den Handel kommen sollte.

Das Besondere an AirPower: Es sollte bis zu drei Geräte gleichzeitig laden können, etwa iPhone, Apple Watch und AirPods. Doch mittlerweile hat Apple nahezu alle Hinweise zu AirPower von der Webseite verbannt und hüllt sich in Schweigen. Ob das Produkt jemals erscheinen wird, ist mehr als ungewiss. Apple wollte das Wireless Charging sozusagen ein Stück weit besser machen – und ist damit (vorerst) gescheitert.

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Wer hätte gedacht, dass sich AirPower zu einer Vaporware entwickeln würde?

Nahtloses Wireless Charging wird zum Standard werden

Dennoch: So wie Wireless Charging derzeit funktioniert, dürfte es sich kaum um ein zukunftsfähiges Modell handeln. In einigen Jahren wird das kabellose Aufladen aber hoffentlich in den Alltag einziehen – das Laden wird dann ganz nebenbei stattfinden, ohne dass dafür das Smartphone auf eine Schale oder dergleichen gelegt werden muss.

Erste Konzepte zeigen, wie das gelingen kann. Zuvor müssen aber unter anderem die Sicherheitsaspekte geklärt sein. Und: Niemand will mitten im Wohnzimmer eine riesige Ladespule stehen haben, nur um sein Handy bequem per Wireless Charging laden zu können.

Möbelriese Ikea hat etwa Lampen mit integriertem Wireless Charging im Angebot, auf denen sich etwa ein Mobiltelefon einfach ablegen lässt. Dass solche Konzepte erst ein Zwischenschritt zu einem echten kabellosen Laden sein können, ist aber auch klar. Das Wireless Charging der Zukunft wird nicht mehr viel mit dem gemein haben, was wir heutzutage darunter verstehen – und das wird auch Zeit.

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