News

Kein Apple-Fernseher: Ist Steve Jobs' Traum gescheitert?

Sind Steve Jobs und Apple am TV-Markt gescheitert?
Sind Steve Jobs und Apple am TV-Markt gescheitert? (©picture alliance / ZUMAPRESS.com 2014)

Apple hat seine Pläne, einen eigenen Fernseher auf den Markt zu bringen, offenbar aufgegeben. Die geniale Lösung für das TV-Gerät der Zukunft, von der Steve Jobs einst geträumt haben soll, scheint damit vorerst gescheitert. Doch warum konnte Apple den Fernseher, den Jobs sich vorstellte, nicht bauen?

"Ich möchte einen Fernseher bauen, der total einfach zu benutzen ist. Er wäre nahtlos mit allen anderen Geräten und mit der iCloud verbunden und hätte das einfachste User-Interface, das man sich vorstellen kann. Ich habe endlich die Lösung gefunden." Diese Sätze soll Apple-Gründer Steve Jobs vor seinem Tod seinem Biografen Walter Issacson gesagt haben. Jahrelang arbeitete Apple nach Informationen des Wall Street Journal hinter den Kulissen an einem eigenen Fernseher. Doch letztlich wurden alle Pläne verworfen und das Projekt iTV eingestampft. Die Lösung, die Steve Jobs gefunden haben wollte, erwies sich anscheinend letztlich als nicht umsetzbar. Was war schief gelaufen?

Apple-Fernseher: Die Technik war nicht das Problem

Natürlich hätte Apple leicht einen 4K-Fernseher bauen können, vermutlich sogar einen sehr guten mit brillantem Bild, ansprechendem Design und einer intuitiven Benutzeroberfläche. An guten Designern, Ingenieuren und Programmierern mangelte es in Cupertino schließlich noch nie. Doch gereicht hätte das nicht, denn Fernsehen wird bekanntlich erst durch die richtigen Filme, Serien, Shows und Dokumentationen wirklich interessant. Diese hätte Apple gleich mit liefern müssen. Deshalb sah die Lösung von Steve Jobs für den eigenen Fernseher auch einen eigenen TV-Streaming-Dienst vor – getreu der Strategie, dass bei Apple Hardware und Inhalte aus einer Hand kommen sollten.

Erfolgsmodell des iPod ließ sich nicht kopieren

Aufgegangen war dieses Konzept schließlich schon einmal: Als Apple 2001 den MP3-Player iPod auf den Markt brachte, lieferte der Anbieter den Musikdienst iTunes gleich mit dazu. Auf das TV-Geschäft ließ sich diese Erfolgsformel allerdings bislang nicht übertragen. Im Gegenteil: Bei Hollywood-Studios und Fernsehsendern, also den Unternehmen, die Filme und Serien produzieren, gilt iTunes als abschreckendes Beispiel. Sie hatten von Anfang an kein Interesse daran, dass Apple an ihrem Geschäft mitverdient und wollten ihre Inhalte lieber eigenständig und unabhängig von einem bestimmten Anbieter an den Zuschauer bringen.

Das Feld, das Apple nicht betreten durfte, wurde stattdessen von anderen Anbietern bestellt. Netflix, Hulu, Amazon und Co. begannen erfolgreich damit, eigene Online-Videotheken aufzubauen. Apple selbst blieb nur die Option, diesen Diensten eine Hardware-Plattform zu bieten, um sie auf ein TV-Gerät zu bringen. Kurios ist, dass ausgerechnet dieser vielversprechende Ansatz mit der Set-Top-Box Apple TV zwar schon relativ früh aufgegriffen, jedoch nie konsequent zu Ende gedacht wurde - entweder weil man bei Apple schlicht das Potenzial nicht erkannte oder weil man zu lange nach etwas noch Größerem strebte. Anstatt frühzeitig die große Bühne zu suchen, blieb Apple TV ein Nischenprodukt mit einem vergleichsweise kleinen Inhalte-Angebot. Mittlerweile wurde der Anbieter auf diesem Gebiet überholt und Netflix und Co. sind heute nicht nur auf einem, sondern auf nahezu allen Endgeräten verfügbar.

Hatte Jobs am Ende doch recht?

Trotzdem ist es für Apple möglicherweise noch nicht zu spät, im TV-Geschäft Fuß zu fassen. Wie Amazon erst in den vergangenen Monaten mit seinem Fire TV bewiesen hat, besteht trotz der fortgeschrittenen Verbreitung von Smart TVs noch immer ein Markt für eine Streaming-Box mit potenter Hardware, die verschiedene Online-Videotheken bündelt und diese mit einer ansprechenden Nutzeroberfläche auf den TV-Bildschirm bringt. Laut Wall Street Journal möchte Apple im Sommer endlich eine neue Version seiner eigenen TV-Box vorstellen, die genau diese Marktlücke ausfüllen könnte. Vielleicht lag Steve Jobs am Ende also gar nicht so falsch. Vielleicht hätte er einfach nur etwas kleiner denken müssen – statt an einen kompletten Fernseher nur an eine TV-Box.

fullscreen
Ist die kleine Box Apple TV vielleicht doch die Lösung? (©CC: Flickr/bflshadow 2015)

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben