LG und seine OLED-TVs 2018: Wenn der Jäger zum Gejagten wird

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Dank des Erfolges seiner OLED-TVs strotzt LG derzeit geradezu vor Selbstbewusstsein. Auf seiner Roadshow 2018 setzt der Hersteller deshalb vor allem auf die Verfeinerung seiner Erfolgsformel und präsentiert abermals ein beeindruckendes Lineup an Geräten. Doch andere Hersteller wie Panasonic, Philips und Sony haben bekanntlich längst zur Jagd geblasen.

LG hat es geschafft: Im TV-Segment konnten die Südkoreaner in den vergangenen Jahren einiges an Boden gut machen und auch die Geschäftszahlen sahen dank starker Verkäufe und ordentlicher Gewinne zuletzt ziemlich gut aus. Zu verdanken hat das Unternehmen diese Entwicklung nicht zuletzt seiner Vorreiterrolle bei den OLED-Fernsehern. Jahrelang war LG fast der einzige Hersteller, der überhaupt TV-Geräte mit einem zukunftsweisenden OLED-Display im Angebot hatte und aggressiv in die Technologie investiert hat, um sich im Premium-Segment von der Konkurrenz abzusetzen. Auch im Jahre 2018 haben die Koreaner immer noch das mit Abstand größte Line-up.

Die Jagd auf die OLED-Krone ist längst eröffnet

Doch all diese Fakten können nicht darüber hinwegtäuschen, das auch andere Hersteller längst begriffen haben, dass sich mit der OLED-Technologie im eigentlich übersättigten TV-Business gutes Geld verdienen lässt. Vor allem Panasonic, Philips und Sony sind den Koreanern mittlerweile auf den Fersen und versuchen sich mit eigenen hervorragenden OLED-TVs im High-End-Markt zu positionieren. LG und deren Markt- und Technologieführerschaft befinden sich im Fadenkreuz der Konkurrenten und aus dem hungrigen Jäger ist jetzt der Gejagte geworden.

Bei LG selbst weiß man das natürlich, hat aber offensichtlich auch Vertrauen in die eigenen Stärken. Und so steht das neue Line-up an OLED-TVs, das der Hersteller am Donnerstag in Hamburg auf seiner Roadshow 2018 präsentiert, auch eher für Evolution statt für Revolution. Der Fokus liegt klar auf der Verbesserung der vorhandenen Technologie.

Die Vorteile der OLED-Technologie

Im Vergleich zu herkömmlichen LED-LCD-TVs bieten OLED-Geräte einige Vorteile, die auch mit bloßem Auge sofort sichtbar sind. Worin diese bestehen, erfährst Du im folgenden Artikel:

Keine große Revolution für die 2018er Modelle

Die TV-Panels selbst haben die Südkoreaner nach Aussage von Produktmanager Gerald Strömer gegenüber TURN ON deshalb auch im Vergleich zu 2017 gar nicht verändert. Interessant ist an den OLED-TVs der Generation 2018 vielmehr das, was sich unter der Oberfläche getan hat. Dort sitzt unter anderem ein neuer Prozessor für Bildberechnung und sonstige Software-Features. Der Chip mit dem Namen Alpha 9 soll rund 50 Prozent leistungsfähiger sein als sein Vorgänger und unter anderem High-Frame-Rate-Bildwiedergabe (HRF) mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde unterstützen.

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Für sein neues OLED-Lineup setzt LG auf Evolution statt Revolution.

Für die Praxis wird diese vorerst allerdings noch keine Rolle spielen, da sich 4K-HDR-Material mit derart hohen FPS-Zahlen momentan nur per USB zuspielen lässt – aktuelle HDMI-Schnittstellen bieten nicht die benötigte Bandbreite. Insofern sind die 2018er-OLED-TVs von LG vor allem zukunftssicher.

Auch in Bezug auf die HDR-Wiedergabe hat LG nochmal zugelegt und unterstützt mit seinen neuen TVs neben HDR 10 Pro, HLG und Dolby Vision auch das neue Format Advanced HDR by Technicolor. Welches Verfahren sich am Ende durchsetzen wird und sich zum neuen Standard entwickelt, ist leider immer noch nicht absehbar.

Der Google Assistant kommt – aber nicht sofort

Abgesehen von der technischen Optimierung steckt LG nach wie vor auch viel Zeit und Energie in die Weiterentwicklung seiner Smart-TV-Oberfläche. Mit WebOS 4.0 wird die ohnehin schon gute und durchdachte Software der LG-TVs abermals überarbeitet und angepasst. Alle wichtigen Apps wie YouTube, Netflix, Amazon Video und Co. waren aber ohnehin schon lange bei den Südkoreanern an Bord und daran ändert sich auch 2018 nichts.

Allerdings sollen die LG-TVs ab diesem Jahr nicht mehr nur Smart TVs sein, sondern auch Smart-Home-Anwendungen unterstützen. Zu diesem Zweck möchte sich der Hersteller den Google Assistant an Bord holen, den wir bereits vom Smart-Speaker Google Home kennen. Über das Mikrofon der Fernbedienung bekommen Nutzer in Zukunft die Möglichkeit, ihre Smart-Home-Geräte von der Couch aus fernzusteuern. Die Integration des Google Assistant soll allerdings erst im Laufe des Jahres per Software-Update kommen.

Der Wallpaper-TV bleibt das Maß der Dinge

Wie schon im Vorjahr präsentiert LG auch in diesem Jahr seine sogenannten Wallpaper-TVs als absolute Spitzenmodelle im OLED-Sektor. Die Fernseher sind praktisch kaum mehr als hauchdünne Poster, die direkt an der Wand befestigt werden. Die Nachfolge des W7 aus dem letzten Jahr tritt dabei der neue W8 an, der in Displaygrößen von 65 und 77 Zoll verfügbar sein wird und über eine Bautiefe von nur vier Millimeter verfügt. Kunden, die sich ein solches Gerät an die Wand hängen wollen, müssen allerdings nach wie vor sehr tief in den Geldbeutel greifen. Für das 65-Zoll-Modell liegt der Preis bei knapp 7500 Euro, während die 77-Zoll-Variante sogar mit einer UVP von 15.000 Euro daherkommt.

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Der Wallpaper-TV W8 ist kaum mehr als ein Poster auf Glas.

Erstmals bietet LG mit dem G8 auch einen Wallpaper-TV an, der nicht für die Wandmontage gedacht ist, sondern der frei im Raum stehen kann. Der Fernseher selbst sieht dabei praktisch aus wie eine dünne Glasscheibe, die sich auch gut als Raumtrenner macht. Sämtliche Anschlüsse sitzen in der Soundbar, die fester Bestandteil des Fernsehers ist. Den LG G8 gibt es lediglich in einer Größe von 65 Zoll für den Preis von knapp 5500 Euro.

4K, HDR und Dolby Atmos gehören zur Standard-Ausstattung

Die wichtigsten Features bekommen Kunden jedoch in allen neuen OLED-Geräten von LG: 4K-Auflösung, umfassender HDR-Support und die Soundwiedergabe über Dolby Atmos sind in diesem Jahr ebenso Standard wie die WebOS-4.0-Oberfläche. Auch in diesem Jahr bleibt die OLED-Technologie jedoch dem Premium-Segment vorbehalten und wird erst ab Displaygrößen von 55 Zoll aufwärts eingesetzt. Ein gutes Beispiel dafür ist die neue C8-Reihe, die in der 55-Zoll-Variante ab einer UVP von knapp 2500 Euro angeboten wird.

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Die Ausstattung der TVs bietet alles, was Kunden sich wünschen können.

Der Massenmarkt wird LG bei solchen Preisen weiterhin verschlossen bleiben, denn dazu müssten die Geräte die 1000-Euro-Marke unterschreiten. Das ist aber momentan gar nicht das Ziel des Herstellers, denn auch wenn die verkauften Stückzahlen im Premium-Segment natürlich viel geringer sind, so wird dies durch die höheren Gewinnmargen mehr als ausgeglichen.

Die fetteste Beute könnten am Ende die Kunden machen

Eines wurde auf der Roadshow 2018 auf jeden Fall klar: LG hat dank der bisherigen Erfolge seines OLED-Line-ups einiges an Selbstvertrauen getankt und scheint den Druck der anderen Hersteller noch nicht unmittelbar zu fühlen. Das ist verständlich, denn im Moment kann kein anderer Hersteller dem geneigten OLED-TV-Käufer ein ähnlich beeindruckendes Produktsortiment bieten. Und weil die Bild-Technik selbst mittlerweile so gut funktioniert, können sich die Koreaner nun um die Verfeinerung ihrer Software und die Integration in das Smart Home kümmern.

Die Rolle des Gejagten dürfte LG also durchaus gefallen. Wie lange das Unternehmen sie spielen darf, steht allerdings in den Sternen. Je offensichtlicher der Erfolg des Herstellers mit seinen OLED-Geräten nämlich wird, desto größer dürfte der Druck von anderen Herstellern werden. Am Ende werden es dann hoffentlich vor allem die Kunden sein, die fette Beute machen – vor allem in Form von mehr Auswahl an OLED-Geräten und irgendwann auch sinkenden Preisen.

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