Meinung

Nicht Windows und Mac: Chromebooks sind die PCs der Zukunft

Chromebooks haben das Potential den PC-Markt zu erobern.
Chromebooks haben das Potential den PC-Markt zu erobern. (©Picture Alliance/ AP Photo 2016)

Einstmals verlacht, könnten Chromebooks tatsächlich die PCs der Zukunft werden. Dank Android-Support könnten Windows und Mac bei vielen Usern schon bald ausgedient haben.

Ein Kommentar von Patrick Schulze

Als Google 2011 gemeinsam mit Hardware-Partnern die ersten Chromebooks auf den Markt brachte, wurden die kleinen Laptops von den meisten PC-Nutzern nur belächelt. Wer wollte schon einen Mini-Laptop mit schwacher Hardware, dessen Betriebssystem im Prinzip nur aus einem Webbrowser besteht? Und überhaupt funktionierten die Dinger nur wirklich mit einer bestehenden Online-Verbindung – lachhaft.

Fünf Jahre später...

Fünf Jahre später gibt es die Chromebooks immer noch und wenn man einem Bericht des Marktforschers IDC glaubt, sind sie sogar erfolgreicher als je zuvor. Zum ersten Mal überhaupt wurden nämlich in den USA im ersten Quartal 2016 mehr Chromebooks als Macs verkauft. Allein dadurch wird klar, dass sich Google auch im PC-Bereich mittlerweile neben Microsoft und Apple etabliert hat. Das zeigt sich auch beim Blick in die TURN ON-Redaktion, in der einige Kollegen privat längst ein Chromebook ihr Eigen nennen.

Und warum auch nicht? Chromebooks passen heute viel besser zur alltäglichen PC-Nutzung, als sie das vor fünf Jahren noch taten. Mittlerweile haben wir uns dank Smartphone und Tablet daran gewöhnt, permanent online zu sein. Selbst PC oder Mac werden doch in der Praxis kaum noch offline genutzt. Ich könnte zum Beispiel auf Anhieb nicht einmal genau sagen, wie viele der Windows 10-Apps auf meinem heimischen Rechner ohne Internetverbindung überhaupt funktionieren. Es spielt auch keine Rolle, weil der PC ohnehin ständig am Netz hängt. Der Webbrowser, der die Basis von Chrome OS bildet, ist dabei auch unter Windows und OS X längst zum wichtigsten Tool für die tägliche PC-Nutzung geworden.

Android könnte den Durchbruch für Chromebooks bringen

Der eigentliche Durchbruch der Chromebooks dürfte allerdings erst noch bevorstehen. Wie auf der Google I/O 2016 verkündet wurde, sollen in Zukunft nämlich auch Android-Apps nativ auf den Laptops laufen – im Fenstermodus, mit Maus- und Tastatursteuerung und mit Multitasking-Support. Was eigentlich nur eine kleine Ankündigung am Rande der großen Entwicklerkonferenz war, hat das Potenzial die PC-Landschaft in ihren Grundfesten zu erschüttern.

Denn anstelle von Windows- und OS X-Programmen könnten auch auf dem PC in Zukunft Millionen von Menschen mit den Apps arbeiten, die auch auf ihrem Smartphone oder Tablet laufen. Die Apps haben sogar einige entscheidende Vorteile gegenüber klassischer PC-Software, denn sie sind schlanker, leichter zu bedienen und kommen mit viel weniger Hardware-Power aus. Mindestens genauso wichtig: Die meisten der Apps sind entweder kostenlos oder für wenige Euro zu haben und werden ganz bequem über einen zentralen App-Store geliefert.

Der PC für eine neue Generation von Nutzern

Chromebooks mit Android-Support wären damit vor allem für eine neue Generation von PC-Nutzern interessant, die mit Smartphone und Tablet aufgewachsen und es gewohnt ist, alltägliche Aufgaben mit Hilfe von Apps zu lösen. Die Dringlichkeit, sich in ein "komplexeres" System wie Windows oder OS X reinzufuchsen, wird für diese Generation möglicherweise ebensowenig bestehen wie die Notwendigkeit, Hunderte oder gar Tausende Euro für einen Laptop auszugeben.

Klar, es wird immer noch die geben, die Windows in seiner Komplexität brauchen und sicherlich auch viele wie mich, die es genau in dieser Form möchten. Auf der anderen Seite gab und gibt es aber auch die Nutzer, für die ein Computer vor allem unkompliziert sein muss. Ein günstiges Chromebook mit einem riesigen App-Store könnte für diese Zielgruppe der einzige Rechner sein, den sie braucht – der PC der Zukunft also.

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