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Okay Google, war das Pixel 4 nur ein Teaser für das Pixel 4a?

Im Test hinterließ das Pixel 4 bei uns einen etwas halbherzigen Eindruck.
Im Test hinterließ das Pixel 4 bei uns einen etwas halbherzigen Eindruck.

Das Google Pixel 4 hat es schwer im Vergleich zu anderen Flaggschiffen. Die Akkulaufzeit ist recht kurz, es gibt nur zwei Kameras, die radargestützte Gestensteuerung funktioniert unzuverlässig und die technische Ausstattung ist nichts Besonderes. Dient das Pixel 4 etwa nur als Teaser für das Pixel 4a?

Das Google Pixel 4 hatte bei uns keinen schlechten Eindruck hinterlassen – aber einen halbherzigen. "Irgendwie wirkt es, als sei Google auch im vierten Jahr nicht konsequent genug, wenn es um die Entwicklung seiner Smartphones geht", schreibt mein TURN-ON-Kollege Patrick im Test dazu. Auch bei mir funktionierte die Gestensteuerung via Handbewegung nur gelegentlich, überhaupt wirkt die Installation eines Radarsensors wie ein Overkill für die wenigen Features, die es unterstützt. Und dabei ist er die große Innovation des Geräts.

Nur zwei Kameras, kleiner Speicher

Die neuen Features für die Hauptkamera wie die doppelte Belichtung sind eine echte Bereicherung, aber warum gibt es ansonsten lediglich eine Zoomkamera? Andere Flaggschiff-Smartphones wie das Galaxy S10 bringen mindestens noch eine Ultraweitwinkelkamera mit, manchmal auch einen 3D-Sensor oder etwas anderes wie einen Makrosensor. Eine Dual-Kamera ist nicht mehr zeitgemäß.

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Das Pixel 4 setzt auf eine Dual-Kamera, doch Konkurrenten haben zumindest drei Kameras an Bord.

Merkwürdig auch die Entscheidung Googles, nur Modelle mit 64 GB oder 128 GB internem Speicher anzubieten, der nicht erweitert werden kann. Fotos lassen sich in Google Fotos nur noch mit Aufpreis in Originalqualität sichern, 6 GB Arbeitsspeicher sind auch eher das Minimum für ein Flaggschiff. Als Prozessor dient der Snapdragon 855 und nicht der schnellere Snapdragon 855+, der interne Speicher begnügt sich mit dem langsameren UFS-2.1-Standard, obwohl bereits das OnePlus 7 Pro mit UFS 3.0 ausgestattet ist.

Kurze Laufzeit und Face ID mit Softwareproblem

Viel Aufhebens wurde auch um die fehlende Möglichkeit gemacht, 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen. Das ist wohl für die meisten Nutzer kein großes Drama, aber Googles Kommentar zum Thema lässt tief blicken. So würden die 4K-60-Videos den Speicher zu schnell füllen. Wie wäre es dann mit einem größeren Speicher gewesen? Wahrscheinlich zehren solche Videos auch kräftiger am Akku – der hätte ebenso größer ausfallen dürfen.

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Googles Face-ID-Gegenstück entsperrt das Smartphone auch bei geschlossenen Augen – was zu Missbrauch einlädt.

Schließlich funktioniert die an sich sehr gute Gesichtsentsperrung auch mit geschlossenen Augen. Das ist geradezu eine Parodie von Face-ID-ähnlichen Systemen, deren große Stärke ja in ihrer erhöhten Sicherheit im Vergleich zur Entsperrung via Selfie-Kamera liegt. So machte Google die Technologie via Software ohne guten Grund wieder unsicherer, wobei ein Update das Problem irgendwann beheben soll.

Andere Flaggschiffe bieten mehr

Das Design wirkt dank des großen Displayrahmens auch eher veraltet. Da hätte Google besser den Rahmen verkleinert – eine Pop-up-Leiste für die Sensoren wäre zu diesem Zweck eine gute Lösung gewesen. Klar gibt es auch Positives über das Pixel 4 und das Pixel 4 XL zu berichten, so etwa der von DisplayMate ausgezeichnete Bildschirm des letzteren. Und das Pixel 4 sorgt insgesamt auch weniger für Kopfschütteln bei uns – als für Schulterzucken. Andere Flaggschiffe wie das OnePlus 7T Pro oder das Samsung Galaxy S10 können einfach mehr für einen ähnlichen Preis.

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Das OnePlus 7T Pro gibt es zum Einstiegspreis des Pixel 4 – es bietet aber mehr.

War das Pixel 4 nur ein Teaser für das Pixel 4a?

Und so habe ich mich irgendwann gefragt: Na gut, das Ding ist zur Zeit kaum konkurrenzfähig ... also warum hat Google es auf den Markt gebracht? Und ich vermute, dass das Pixel 4 für Google eine Art Experimentierlabor für die Entwicklung des Google Pixel 4a war. Und, aus Konsumentensicht, eine Art Teaser. Zugegeben ist bislang nicht bekannt, ob es überhaupt ein Pixel 4a geben wird, aber ich gehe davon aus. Schließlich war das Google Pixel 3a ein echter Top-Seller und konnte die meisten Tester eher überzeugen als das Google Pixel 3. Darunter auch uns.

Wie Kollege Michael in seinem Test des Pixel 3a XL schrieb: "Das Pixel 3 XL ist in der Lite-Variante endlich da angekommen, wo es hingehört: in der Mittelklasse." Für das Pixel 4 gilt das Prinzip umso mehr: Eigentlich gehört es in die Mittelklasse, meinetwegen mit geringfügigen Abstrichen. Die Dual-Kamera des Pixel 4 könnte es in das Pixel 4a schaffen, der Prozessor dürfte ein langsamerer sein und auf das Radarsystem werden die Interessenten wohl verzichten müssen. Voraussichtlich wird Google dafür mit den wichtigsten Pixel-Features bei einem niedrigeren Preis punkten können – vielleicht wieder 400 Euro im Gegensatz zu den mindestens 750 Euro des Pixel 4.

Oder ich irre mich und es wird kein Pixel 4a geben. Dann sollte Google vielleicht aufhören, Smartphones herzustellen – oder mit mehr Herzblut an die Sache herangehen.

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