Push-Nachrichten deaktivieren: Weg mit allem, was nervt oder ablenkt!

Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Push-Nachrichten auf dem Smartphone waren ursprünglich einmal eine gute Idee. Mittlerweile wird die Funktion jedoch vor allem von Apps genutzt, die nur noch um Aufmerksamkeit buhlen. Es wird Zeit, etwas dagegen zu tun – also Push-Nachrichten deaktivieren!

Smartphones und ich haben eine bewegte Geschichte. Als Steve Jobs 2007 das iPhone präsentierte, konnte ich mir noch nicht vorstellen, warum ich so ein Gerät irgendwann mal brauchen sollte. Funktionierendes Internet über Mobilfunk? Träumt mal weiter! Die ersten Android-Geräte, die ich in den Jahren darauf zu Gesicht bekam, fand ich ganz furchtbar.

Vom Skeptiker zum Power-User

Ändern sollte sich meine Einstellung erst mit dem Aufkommen von LTE und schnellen 4G-Netzen. Doch selbst danach dauerte es noch lange, bis ich die Geräte als mehr ansehen konnte, denn als hippe Spielereien. Mittlerweile ersetzt mein Smartphone, wie bei vielen Menschen, längst nicht mehr nur das Telefon, sondern ist Messenger, Notizblock, Taschenrechner, Fotoapparat, Navigationsgerät, Einkaufsführer, Wecker, Musikspieler, Fremdenführer, Übersetzer, Scanner, Kreditkarte, Tageszeitung, Diktiergerät und ganz generell Mini-Computer für mich.

Ja, man könnte sagen, ich bin vom Skeptiker zum Power-User geworden. Doch die zunehmende selbst gewählte Abhängigkeit vom Smartphone kam für mich, wie auch sicherlich für viele andere, mit einem relativ hohen Preis: Die Aufmerksamkeit und damit auch Zeit, die ich dem Gerät widmen musste.

Push-Benachrichtigungen sind Fluch und Segen zugleich

Das Smartphone ist, selbst stumm geschaltet, kein stiller Begleiter. Ständig buhlen Apps und Dienste um Aufmerksamkeit in Form von Push-Benachrichtigungen. Am laufenden Band erinnern Icons daran, dass etwas Neues passiert ist, leuchtet die Benachrichtigungs-LED oder das Gerät vibriert.

Push-Benachrichtigungen sind zu einem echten Ärgernis geworden.

Dabei sind Benachrichtigungen vom Grundgedanken her ein gutes und nützliches Tool. Sie können uns zeigen, wenn eine Person, auf deren Antwort wir warten, endlich bei WhatsApp geschrieben hat oder wenn wir uns auf den Weg zu einem wichtigen Termin machen müssen. Da ich jemand bin, der sich nicht besonders viele Notizen macht, verlasse ich mich gern auf die Benachrichtigungen, die mein Smartphone mir zustellt.

Apps buhlen mit Benachrichtigungen um Aufmerksamkeit

Doch längst haben Push-Benachrichtigungen auch noch eine andere Funktion: Anstatt uns über wirklich wichtige Dinge zu benachrichtigen, werden sie von vielen Apps auch schlicht und ergreifend dazu genutzt, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das trifft auf sehr viele Apps zu, vor allem aber auch Social-Media-Portale wie Facebook, Twitter, YouTube oder Instagram, die sich innerhalb kürzester Zeit in wahre Spam-Maschinen verwandeln können.

Ganz geschickt spielen die Entwickler dabei mit unserer Angst, etwas wichtiges zu verpassen. Und auch wenn wir wissen, dass die meisten Dinge, über die wir benachrichtigt werden, eigentlich vollkommen belanglos sind, funktioniert dieser Mechanismus erschreckend gut. Kaum blinkt das Display wieder auf, greifen wir zum Smartphone. Es könnte ja wichtig sein – oder zumindest interessant.

Ich kann meinen Kollegen Jens Herforth, der im Gegensatz zu mir ein regelrechter Social-Media-Junkie ist, deshalb sehr gut verstehen, wenn er hin und wieder mal eine echte Auszeit – ja eine regelrechte Entgiftung – von der ganzen Sache braucht. Das Nutzungsverhalten, dass sich viele von uns dank solcher Push-Notifications antrainiert haben, ähnelt dem eines Drogensüchtigen. Die Drogen sind dabei die Dinge, über die wir permanent informiert werden und die ja wichtig sein könnten.

Push-Nachrichten in den Griff bekommen - Schritt eins: Der Wunsch nach Privatsphäre

Ich selbst habe zu meinem Smartphone auch deshalb so ein entspanntes Verhältnis, weil ich mir relativ früh antrainiert habe, ein strenges Regiment in Bezug auf Benachrichtigungen zu führen. Das Erste, was ich schon vor Jahren abgeschaltet habe, waren Benachrichtigen auf dem Sperrbildschirm, weil ich nicht wollte, dass Fremde im Falle eines Verlustes des Mobiltelefons direkt sehen können, welche Benachrichtigungen ich bekommen habe.

Ausschlaggebend war für mich also zunächst einmal ein ganz anderer Aspekt, nämlich der Wunsch nach Privatsphäre. Schon nach kurzer Zeit merkte ich aber, dass ich allgemein viel entspannter mit dem Smartphone umgehe, wenn ich nicht schon auf dem Sperrbildschirm sehe, wie viele Notifications schon wieder eingelaufen sind. Seither habe ich das Feature nie wieder aktiviert und auch auf jedem neuen Gerät sofort nach der Einrichtung ausgeschaltet.

Schritt zwei: Der Hardware-Filter

Beim zweiten Schritt half mir ausgerechnet ein Gadget, dass ich bis zum damaligen Zeitpunkt für reine Spielerei hielt: die Smartwatch. Genau genommen war es der Test zur Samsung Gear Fit 2, bei dem ich bemerkte, wie viel weniger mich Benachrichtigungen nerven, wenn ich sie zuvor filtern lasse: In dem Fall durch die smarte Uhr.

Garmin Vivoactive 3 family-Garmin
Smartwatches eignen sich nicht nur zum Wiedergeben von Benachrichtigungen, sondern können auch als Filter dienen.

In der zugehörigen App konnte ich nämlich festlegen, welche Notifications mir vom Smartphone auf das Handgelenk weitergeleitet werden. Und da ich es für den Test langsam angehen wollte, wählte ich zuerst nur einige wenige aus. Gleichzeitig hielt mich die Uhr am Handgelenk davon ab, ständig wegen der Uhrzeit aufs Smartphone zu schauen. Von den meisten Benachrichtigungen bekam ich so erst einmal wenig mit und merkte schnell, dass ich dadurch auch nichts verpasse.

Mittlerweile nutze ich privat eine Garmin Vivoactive 3, die mir eine ähnliche Vorauswahl der Benachrichtigung ermöglicht und es mir somit erlaubt, das Smartphone auch einmal guten Gewissens für längere Zeit zu ignorieren. Insgesamt erlaube ich gerade einmal einer Handvoll Apps, mir Notifications auf Handgelenk zu schicken. Die Uhr ist in Bezug auf Nachrichten mittlerweile so etwas wie mein ganz persönlicher Hardware-Filter.

Schritt drei: Der Software-Filter

Anders als den Hardware-Filter habe ich den Software-Filter nicht zufällig entdeckt. Er wurde mir von Google mit dem Update auf Android 8.0 quasi auf dem Silbertablet serviert.

Durch die Einführung der Benachrichtigungskanäle gab es da nämlich erstmals die Möglichkeit, innerhalb einzelner Apps ganz genau festzulegen, welche Art von Benachrichtigungen mir eine einzelne App anzeigen darf. Richtig umgesetzt wurde dieses Prinzip bislang zwar nur von wenigen Entwicklern, aber es hat mich gleichermaßen auf die Idee gebracht, die Benachrichtigungen für einige Apps ganz zu deaktivieren. Wer mich nervt und mir keine Wahl lässt, das Wichtige vom Nervigen zu filtern, darf mir seitdem gar keine Notifications mehr schicken.

Jeder, der will, kann sich von Benachrichtigungen befreien

Die drei von mir skizzierten Schritte symbolisieren dabei natürlich nur meine ganz persönliche Reise hin zu einem strengeren Umgang mit Push-Benachrichtigungen und sind keine allgemeingültige Anleitung. Niemand muss sich beispielsweise eine Smartwatch kaufen, nur weil er oder sie keine Benachrichtigungen mehr sehen will. Die lassen sich auch direkt am Smartphone selbst ausschalten. Aber jeder hat es grundsätzlich selbst in der Hand, etwas gegen die Spam-Flut an Notifications zu tun. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass man es will.

Ich persönlich habe durch mein Nutzungsverhalten ein viel besseres Gespür dafür entwickelt, wann etwas wirklich wichtig ist und wann mir eine App nur Zeit und Aufmerksamkeit stehlen will. Die Angst etwas zu verpassen, habe ich dadurch mittlerweile nicht mehr und ganz generell genieße ich das Gefühl, selbst mehr Kontrolle über meine Smartphone-Nutzung zu haben.

Natürlich ertappe ich mich immer noch häufig selbst dabei, wie ich in Situationen, in denen ich einfach mal die Ruhe genießen sollte, aus reiner Verlegenheit mein Smartphone zücke und mich durch Instagram scrolle oder einfach nur im Browser ein paar Websites checke. Das passiert aber weitgehend unabhängig von irgendwelchen Notifications. Die Entscheidung darüber, welcher App ich wie viel Aufmerksamkeit schenke, treffe ich dabei selbst.

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