Kolumne

So hat der iMac vor 20 Jahren die Welt verändert und Apple gerettet

Mit dem iMac gelang Apple vor 20 Jahren der erhoffte Befreiungsschlag.
Mit dem iMac gelang Apple vor 20 Jahren der erhoffte Befreiungsschlag. (©Apple 2018)

Der iPod machte Apple cool, das iPhone erfolgreich wie kein zweites Unternehmen – doch zuvor führte der iMac den US-Hersteller zurück in die Erfolgsspur. Der revolutionäre All-in-One-Computer war seiner Zeit voraus, schnitt alte Zöpfe ab und rettete Apple. Jetzt feiert der iMac seinen 20. Geburtstag.

Zwei Jahrzehnte ist es her, dass Steve Jobs Apple mit dem Launch des iMac zurück in sichere Gewässer führte – nachdem es um den Computer-Hersteller zuvor sehr schlecht gestanden hatte. Zahlreiche strategische Fehlentscheidungen gepaart mit Managementversagen führten dazu, dass sich Apple Mitte der 90er am Rande des Abgrunds wähnte. Zu sehr hatte sich das Unternehmen auf eine kleine Nische spezialisiert, vorrangig Grafiker und Designer.

Erfolglos blieb auch die Lizenzierung von macOS an andere Hersteller, die von Jobs nach dessen Rückkehr schnell wieder beendet wurde. Nachdem er aus dem Unternehmen herausgedrängt wurde, kehrte Jobs 1997 zurück zu Apple. Zuvor übernahmen die Kalifornier Ende 1996 das von Steve Jobs gegründete Unternehmen NeXT. Nachdem Jobs zunächst nur als Berater tätig war, übernahm er 1997 die Führung des angeschlagenen Technologieunternehmens.

Steve Jobs, die iMac-Keynote und "Hello (again)"

Am 6. Mai 1998 überraschte Jobs schließlich die Öffentlichkeit mit der Vorstellung eines Produkts, dass in dieser Form zum damaligen Zeitpunkt einmalig war: der iMac. Zunächst referierte Jobs im Rahmen der legendären Keynote, die auch im "Steve Jobs"-Film thematisiert wurde, über den Status Quo der Computer-Branche: Langsame, viereckige Kästen, die vor allem aber auch eines seien: hässlich. Was Jobs dann aus dem Hut zauberte, quittierte das anwesende Publikum mit großem Applaus: Ein farbenfroher Computer mit großem Bildschirm im vergleichsweise kompakten Design, der Bildschirm und Tower in einem Gehäuse vereinte. Die angezeigte Botschaft aus dem Display kam an: "Hello (again)".

Wegweisendes Design

Statt klarer Kante setzte Apple auf ein für damalige Verhältnisse ungewöhnliches rundes Design – noch dazu in knalligen Farben. Zudem entschied sich Chef-Designer Jony Ive dafür, das iMac-Gehäuse transparent zu machen, womit ein Blick auf das Innere des Computers möglich war. Das zum damaligen Zeitpunkt durchaus futuristische Design fand in der Computer-Branche zahlreiche Nachahmer, insbesondere bei Zubehörherstellern. Das Design des iMac galt seinerzeit einige Jahre lang als ziemlich angesagt, genauso schnell war es allerdings auch wieder out.

iMac machte Schluss mit alten Zöpfen

Doch vor allem langjährige Mac-User stieß Apple mit dem ersten iMac vor den Kopf: Liebgewordene Anschlüsse wie die SCSI-Schnittstelle waren ebenso wenig zu finden wie ein Diskettenlaufwerk. Stattdessen wurde der iMac vor allem vor einem Hintergrund konzipiert: Käufer sollten einen schnellen und vor allem einfachen Zugang zum Internet erhalten. Dafür integrierte Apple neben einem Modem sogar einen schnellen Ethernet-Anschluss – für damalige Verhältnisse absolut unüblich. Im Zuge des iMacs wurde auch das vorangestellte "i" eingeführt, das seinerzeit auf der Keynote für  internet, individual, instruct (instruieren, anleiten), inform (informieren) und inspire (inspirieren) stand.

iMac verhalf USB zum Standard

Auch verärgerte Apple potenzielle Käufer mit einem Anschluss, der heute nicht mehr wegzudenken ist und sich längst als Standard etabliert hat: der USB-Anschluss. Im Jahr 1998 war dieser allerdings noch kaum verbreitet. Die wenigen Geräte, die USB unterstützten, waren meist deutlich teurer als vergleichbare Pendants. Doch die Entscheider in Cupertino glaubten an die fortschrittliche Technik und integrierten, allen Bedenkenträgern zum Trotz, gleich zwei USB-Schnittstellen. Mit alten Tastaturen und Mäusen wollte der iMac folglich nicht zusammenarbeiten – was seinem Erfolg keinen Abbruch tat.

Sechs Millionen verkaufte iMacs

Rund und halbdurchsichtig: Das iMac-Design galt damals als ziemlich futuristisch. (© 2018 Apple)

Mit einem Verkaufspreis von knapp 1300 US-Dollar oder auch 3000 DM war er zudem günstiger als viele andere Computer. Das zahlte sich für Apple aus: Innerhalb der ersten sechs Wochen konnten 278.000 Einheiten verkauft werden, bei dessen Ende 2003 waren es sechs Millionen verkaufte iMacs. Nachdem Apple vor der Einführung des iMac fast vor der Pleite stand und als Übernahmekandidat galt, gelang es Steve Jobs und seinem Team den angeschlagenen US-Konzern wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

Auf die reine Technik im Inneren, die auch seinerzeit nicht revolutionär war, kam es dabei gar nicht an. Vielmehr war es das Gesamtpaket, dass Millionen Käufer begeisterte. Schließlich schrieb Apple 1998 nach langer Durststrecke wieder schwarze Zahlen.

Zurück in den schwarzen Zahlen: Weg frei für iPod und iPhone

Dass Apple mit dem iMac den Turnaround schaffte, ermöglichte es dem Unternehmen überhaupt erst, im Jahr 2001 den allerersten iPod auf den Markt zu bringen. Der iPod wurde weltweit zum beliebtesten Musikplayer für unterwegs und wurde nicht zuletzt aufgrund des Designs, der einfachen Bedienung und der integrierten Festplatte über die Jahre zu einem echten Kassenschlager, der zwischenzeitlich in guten Monaten fast die Hälfte zum Gesamtumsatz beigetragen hatte.

2007 folgte schließlich das iPhone, das einen iPod quasi integriert hatte – womit der MP3-Player über die Jahre an Bedeutung verlor. Mittlerweile verkauft Apple als einziges iPod-Modell überhaupt nur noch den iPod touch, dessen letztes Upgrade auch schon einige Jahre her ist. Doch der Grundstein, damit iPod und iPhone überhaupt das Licht der Welt erblicken konnten, wurde in gewisser Weise durch den Erfolg des iMac gelegt. Hätte es ihn nicht gegeben, hätte es unter Umständen auch keinen iPod oder kein iPhone gegeben. Deshalb: Happy Birthday, iMac zum zwanzigjährigem Jubiläum – auf die nächsten 20 Jahre!

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