Meinung

Trotz Verschlüsselung: WhatsApp braucht mehr Datenschutz

Facebook und WhatsApp: Trotz Verschlüsselung bleibt der Umgang mit dem Datenschutz unsauber.
Facebook und WhatsApp: Trotz Verschlüsselung bleibt der Umgang mit dem Datenschutz unsauber. (©picture alliance / ZB 2016)

Der weltweit wohl am meisten verbreitete Messenger WhatsApp hat für seine neu eingeführte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung viel Lob eingeheimst. Gleichzeitig aber verstößt WhatsApp massiv gegen europäische Datenschutz-Vorschriften. Der Rechts-Experte Peter Burgstaller aus Österreich hält das sogar für illegal.

– ein Kommentar von Kai Lewendoski –

Dass WhatsApp jetzt eine automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle eingeführt hat, ist ohne Frage eine gute Nachricht. Weder Schurkenstaaten noch Cyber-Kriminelle, aber auch nicht NSA oder BKA können künftig WhatsApp-Gespräche entschlüsseln, da die vom Chat-Dienst verwendete Methode bei Experten als sehr sicher gilt. Bestimmt ruft diese Maßnahme nun Sicherheitspolitiker in aller Welt auf den Plan, die eine gesetzliche Beschränkung der Verschlüsselung fordern oder gleich den Einbau von Hintertüren in Kommunikationsprogramme, die Geheimdienste nutzen können. In der US-Regierung wird über das Thema WhatsApp schon länger diskutiert.

Datenschutz ist auch fürs Marketing gut

Firmen wie WhatsApp, aber auch Apple, argumentieren richtig, dass durch den Einbau solcher Hintertüren die Sicherheit des Produktes insgesamt leidet – und haben sich deshalb in einer Abwägung von Für und Wider dazu entschlossen, dem Datenschutz Vorrang vor den prinzipiell ja auch nicht unberechtigten Interessen der Sicherheitsbehörden zu geben. Nicht zuletzt macht sich das auch im Marketing gut.

Warum dann trotzdem jetzt die Kritik des Österreichischen Rechts-Professors Peter Burgstallers an WhatsApp? In einem Interview mit Futurezone bezeichnete der Jurist es als unmöglich, WhatsApp in Europa ohne Rechtsverstoß zu nutzen: "Die legale Nutzung von WhatsApp ist in der EU de facto unmöglich. Ich kenne zumindest niemanden, der den Dienst legal verwendet." Burgstaller bezieht sich dabei vor allem auf die Tatsache, dass erstens in den Nutzungsbedingungen nur "personal use" erlaubt sei, und das Programm von Firmen gewerblich eigentlich gar nicht genutzt werden darf.

fullscreen
WhatsApp: Der Dienst gestattet sich weitgehenden Zugriff auf Daten. (©WhatsApp/TURN ON 2016)

WhatsApp gestattet sich weitgehenden Zugriff auf Daten

Zweitens, und das ist in Sachen Datenschutz entscheidend, räumt sich WhatsApp in seinen Nutzungsbedingungen einen sehr weitgehenden Zugriff auf Daten wie die Kontakte des Nutzers ein und liest diese auch aus. WhatsApp sammelt keine Chat-Nachrichten, Standorte oder Fotos, aber Status-Meldungen schon. Bei der Installation des Messengers muss freigiebig auch der Zugriff auf das Telefonbuch, Visitenkarten, SMS, Bilder und Videos, Internetdaten oder aktive Apps gestattet werden. Darin unterscheidet sich der Dienst zwar nur wenig von Facebook, Google oder anderen US-Anbietern – erlaubt ist das in Europa aber daher noch lange nicht.

Eigentlich müsste man als WhatsApp-Nutzer sich vor der Installation von jedem seiner Kontakte erst die Erlaubnis einholen, dessen Daten an Dritte weiterzugeben. Der IT-Anwalt Christian Solmecke vergleicht diese für WhatsApp nahezu unerlässliche Funktion mit dem vom Bundesgerichtshof verbotenen Freundesfinder bei Facebook: "Ein klarer Verstoß gegen den Datenschutz und eine wettbewerbsrechtlich unzulässige belästigende Werbung, wie erst kürzlich der Bundesgerichtshof bestätigt hat. Sollten die Verbraucherschützer auch WhatsApp verklagen, könnte das Aus für den Dienst bedeuten. Anders als bei Facebook ist die Freunde finden-Funktion hier kaum wegdenkbar, ohne dass der Dienst eingestellt werden muss."

fullscreen
Der Mutterkonzern von WhatsApp: Auch Facebook ist in Sachen Datenschutz umstritten. (©Facebook 2015)

WhatsApp ist weltweit zum Standard geworden

WhatsApp ist mit über einer Milliarde Nutzern längst mehr als nur eine App. Es entwickelt sich immer mehr zu einem Standard, wie etwa Telefon oder Internet. Wer mit seinen Freunden, Bekannten oder auch Kindern kommunizieren will, kommt kaum um WhatsApp herum, der soziale Druck zur beliebten Chat-App ist beträchtlich. Man muss aber derartige Dienste auch nutzen können, ohne gleich in die Fangarme von hungrigen US-Datenkraken zu geraten, die Informationen mehr oder weniger unkontrolliert abgreifen und speichern. Bei der Wahl eines neuen Telefonanbieters etwa würde niemand auf die Idee kommen, die Nummern aller seiner Bekannten an diesen neuen Anbieter einfach mal eben weiterzugeben – damit diese dann teils sogar automatisiert eine werbende Einladung erhalten, diesen Anbieter ebenfalls zu nutzen.

So schön die jetzt eingeführte Verschlüsselung ist: WhatsApp und vor allem auch der Mutterkonzern Facebook sind in Sachen Datenschutz im eigenen Haus kaum besser als ein Schurkenstaat. Ob man sich dem als Teilnehmer ausliefern will, soll jeder selber entscheiden. Dass aber die WhatsApp-Nutzer einfach genötigt werden, die Daten ihrer Kontakte automatisch preiszugeben, ist aus gutem Grund illegal und sollte auch dementsprechend juristisch verfolgt werden.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben