Kolumne

TURN ON Innovation: BLIPS macht das Smartphone zum Mikroskop

Mit den BLIPS-Linsen kann man sein Smartphone in ein Mikroskop verwandeln.
Mit den BLIPS-Linsen kann man sein Smartphone in ein Mikroskop verwandeln. (©SMO 2016)

Dass man mit aufsteckbaren Zusatzlinsen Smartphones in gute Makro-Kameras oder sogar Mikroskope verwandeln kann, ist nicht so wahnsinnig neu und revolutionär. Aber BLIPS ist ein Linsenset, das nicht nur an jedes Gerät passt und extrem schlank ausfällt – sondern auch erstaunlich wenig kostet.

Auf Kickstarter gibt es derzeit eine Finanzierungskampagne, mit der die BLIPS-Erfinder Geldgeber für ihre smarten, kleinen Linsen suchen. Und es sieht gar nicht so schlecht aus: 43 Tage vor dem geplanten Ende der Sammelaktion sind von den erbetenen 15.000 Euro, die für die erfolgreiche Finanzierung der Linsen benötigt werden, schon immerhin gut 11.000 Euro eingesammelt worden. Aber der Reihe nach.

Eine Makro- und eine Mikro-Linse im Set

BLIPS ist ein laut Hersteller – und das kann ich durchaus bestätigen – sehr günstiges und gut transportables Set von zwei Mini-Linsen, mit denen man sein Smartphone in Sekundenschnelle in ein Mikroskop verwandeln kann. Es gibt eine Linse für den Makro- und eine weitere für den Mikro-Bereich. Mit der Makro-Linse lassen sich Insekten und andere kleine Objekte auch in Bewegung fotografieren. Der weitere Schärfebereich erlaubt es dem Smartphone-Fotografen, dem beobachteten Objekt leichter zu folgen. Für den Mikro-Einsatz dagegen wird eine extrem hohe Vergrößerung angeboten, die dann am besten funktioniert, wenn das betrachtete Objekt von hinten durchleuchtet wird.

fullscreen
Die Blips-Linsen werden einfach aufgeklebt – und lassen sich auch leicht wieder ablösen. (©SMO 2016)

Die Macher von BLIPS verkünden vollmundig, dass es außerdem das weltweit dünnste Linsenset für Smartphones sei. Die BLIPS-Linsen sind so flach, dass man sie am Smartphone lassen kann, das in der Tasche steckt, ohne Angst haben zu müssen, dass man die Linsen verliert. Und natürlich sind die Linsen dennoch abnehmbar und können wieder verwendet werden.  Das gilt natürlich aber auch für andere Smartphone-Zusatzlinsen, die es bereits auf dem Markt gibt.

Linsen haften von alleine am Glas

Bei der Befestigung am Smartphone werden keine unpraktischen Klammern verwendet, die am Ende auf dem Display des teuren Geräts herumkratzen. Stattdessen haften die Linsen selber am Glas der Kameraoptik – wenn es sauber ist. Unterstützt wird das mit zwei dauerhaft klebenden Bändern, die man je nach Bedarf und Größe des Geräts zuschneiden kann. Zur Justierung der Linse dienen außerdem kleine Schwämmchen, mit denen man den Abstand regulieren kann. Die Linsen selber kleben auf einem flexiblen Film und haften durch elektrostatische Kräfte am Kameraobjektiv. Das bedeutet: Kein Klebstoff wird verwendet, und es gibt daher keinerlei Rückstände auf der jeweiligen Kamera-Optik.

Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen

Im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann sich die Vergrößerung, die maximal möglich ist. Die Hersteller geben hier an, dass Details dargestellt werden können, die kleiner sind als vier Mikrometer. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar eines Europäers ist etwa 50-70 Mikrometer dick. Man kann mit einem Smartphone plus BLIPS-Linse hochauflösende Makro-Aufnahmen machen, die über eine zehnfache optische Vergrößerung verfügen. Damit ist die Zusatzlinse durchaus auch für professionelle Einsatzzwecke denkbar – sagen zumindest die BLIPS-Erfinder. So sollen sich Stoffnähte kontrollieren lassen, die Qualität von Lötstellen begutachten oder auch Insekten und Parasiten auf Blättern können leicht erkannt werden – auch wenn ich Letztere eigentlich nicht so gerne sehen will. Unterm Strich soll es möglich sein, sein Smartphone als ein richtiges Mikroskop zu verwenden. Allerdings kommt es bei der maximal möglichen Vergrößerung auch immer darauf an, welches Smartphone man hat.

Mit diesem Trick kann man die Vergrößerung messen

Um die Vergrößerung einer Linse zu messen, gibt es übrigens einen einfachen Trick:

  1. Mit einer Linse, beispielsweise BLIPS vor der Smartphone-Optik macht man ein Foto ohne jeglichen Digital-Zoom von einem Lineal.
  2. Man misst auf seinem Display die Entfernung zwischen zwei Strichen des Lineals.
  3. Die gemessene Distanz wird durch die tatsächliche Distanz zwischen den beiden Strichen geteilt. Damit hat man den Vergrößerungsfaktor ermittelt.

Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen

Passend zu den Linsen wird außerdem eine App für Android und iOS angeboten, die vor allem die Einstellungen des Gerätes an BLIPS anpasst. Mit der App kann etwa der Autofokus blockiert und Dauerbeleuchtung eingestellt werden. Außerdem lassen sich die aufgenommenen Bilder besonders einfach teilen. Für Windows-Geräte gibt es die App zwar nicht, aber hier sollte man dann seine bevorzugte Foto-App verwenden. Den Autofokus muss man dann manuell ausschalten.

Zwei BLIPS-Pakete im Angebot

Von BLIPS gibt es zwei Pakete im Angebot: Das Standard-Set mit den beiden Linsen plus Schwämmchen und das BLIPS Lab Kit, in dem ein Halter fürs Smartphone enthalten ist und einige Objekte, die auf entsprechenden Objektträgern präpariert sind. Das normale Paket wird ab 15 Euro angeboten, diese günstigen Angebote sind allerdings alle weg. Verfügbar sind nur noch Angebote ab 20 Euro. Das Lab Kit kann man als Geldgeber bei der Kampagne für 40 Euro erhalten. Da die Macher in Italien sitzen, dürften auch keine Zollgebühren anfallen und die Versandkosten sind mit 3 Euro – auch weil das Optik-Gadget so dünn ist – sehr überschaubar.

Blips Kickstarter fullscreen
Blips Kickstarter fullscreen

Ich bin jedenfalls neugierig auf die flachen, selbsthaftenden Linsen, mit denen man kleine Dinge ganz groß machen kann. Dass man keine Klammer und keinen Klebstoff braucht, finde ich praktisch und der Gesamtpreis von 23 Euro scheint mir für die gebotene Qualität durchaus vertretbar zu sein. Daher unterstütze ich die Erfinder und habe mich in den Kreis der Geldgeber eingereiht. Im September soll es, wenn die Finanzierung klappt, mit der Auslieferung der Linsen losgehen.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben