Kolumne

TURN ON Innovation: Car Wink gegen den Ärger hinterm Lenkrad

Mit Car Wink kann man dem Fahrer hinter einem Signale geben.
Mit Car Wink kann man dem Fahrer hinter einem Signale geben. (©Innovart Design 2017)

Ärger hinterm Steuer über andere Autofahrer? Das kennt jeder. Ich habe mir schon oft gewünscht, dass zwischen den einzelnen Autos auf der Straße eine Kommunikation möglich ist, um kleinere Streitfälle gleich aus der Welt zu schaffen. Mit "Car Wink" tritt ein solches System jetzt bei Kickstarter an.

Es ist fast unmöglich, sich im Verkehr von Auto zu Auto zu verständigen – dabei wäre das manchmal nicht unwichtig. Etwa um auf Unfälle oder Fußgänger aufmerksam zu machen. Oder man möchte nur einen netten Gruß schicken, um eine Situation zu entspannen. Das Kickstarter-Projekt Car Wink versucht jetzt, diese kommunikative Lücke zu schließen.

Finanzierungshürde von 80.000 Dollar knapp geknackt

Dass der Versuch sinnvoll ist, finden auch die Teilnehmer in der Kickstarter-Community. Es sind zwar noch zehn Tage bis zum Ende der Frist, aber die Finanzierungshürde von 80.000 US-Dollar wurde schon jetzt knapp übersprungen, womit die Realisierung des Geräts sichergestellt sein sollte.

Und was ist Car Wink nun eigentlich?  Bislang kommuniziert man von Auto zu Auto in der Regel mit mehr oder minder eindeutigen Gesten, und die meisten sind nicht besonders nett. Bei Car Wink sollen voreingestellte Emojis diese Funktion übernehmen. Die Symbole gehen von lustig bis niedlich und werden durch die Stimme des Fahrers gesteuert. Das Gerät selber besteht aus einem runden Display, das an einem Saugnapf für die Befestigung an der Windschutzscheibe hängt. Zum Transport kann Car Wink praktisch zu einer Kugel zusammengeklappt werden.

 Der Einbau von Car Wink ist sehr einfach. fullscreen
Der Einbau von Car Wink ist sehr einfach. (©Innovart Design 2017)

Für die Sprachsteuerung wird das Smartphone genutzt

Für die Sprachsteuerung wird Car Wink ganz einfach mit der Smartphone-App gekoppelt. Das Smartphone ist für die Bedienung des Geräts allerdings zwingend nötig, wobei die Steuerung entweder per Stimme oder auch über den Touchscreen erfolgen kann. Der Hersteller rät allerdings dazu, die Sprachsteuerung zu verwenden, der Sicherheit beim Fahren wegen.

Grundsätzlich funktioniert die Sache also so: Der Fahrer weist Car Wink an, ein bestimmtes Symbol zu senden. Das Smartphone registriert den Befehl und gibt ihn an das an der Heckscheibe befestigte Gerät weiter. Car Wink stellt dann das gewünschte Symbol auf dem Display dar und der Autofahrer dahinter kann das Zeichen sehen. Etwa die Warnung, dass weiter vorne ein Unfall geschehen ist, oder gerade ein Fußgänger die Straße überquert. Klar, das kann der Autofahrer hinter mir vielleicht auch selber sehen. Es kann aber durchaus zur Entspannung beitragen, wenn man diese Information nochmal kurz teilt – verbunden mit einem passenden netten Emoji.

 Diese Emojis stehen zum Start zur Verfügung. fullscreen
Diese Emojis stehen zum Start zur Verfügung. (©Innovart Design 2017)

Kommunikation auch auf Deutsch möglich

Dass man dazu zwingend auch ein Smartphone braucht, ist natürlich lästig, aber auch aus Kostengründen sinnvoll. So muss nicht die komplette Elektronik zur Spracherkennung im Gerät selber untergebracht werden. Und bei der Sprache ist natürlich auch wichtig, welche das Gerät eigentlich spricht? Momentan leider nur Englisch, weitere Sprachen sind laut Hersteller aber geplant. Da aber die jeweilige Spracherkennung von iOS und Android verwendet wird, kann der Nutzer auch etwa auf Deutsch mit Car Wink kommunizieren – sagen die Hersteller.

 Car Wink lässt sich leicht verstauen. fullscreen
Car Wink lässt sich leicht verstauen. (©Innovart Design 2017)

Natürlich muss man dann daran denken, dem Handy nicht nur eine Autohalterung, sondern auch per Adapter eine Stromversorgung für längere Strecken zu spendieren. Was die Stromversorgung betrifft, ist Car Wink – im Gegensatz zum Smartphone – nicht allein auf seinen USB-Anschluss angewiesen, sondern kann die Sonnenenergie anzapfen. Die Hersteller sprechen von "zusätzlicher Kraft", das Gerät dürfte also nicht komplett autonom allein mit Sonnenlicht laufen. Zumal ja auch das Auto nicht immer in der Sonne steht.

Telefonnnummern können nicht gesendet werden

Ich finde die Idee spannend und habe sogar gelegentlich selber gedacht, dass jemand so ein Gerät erfinden müsste, gerade im Zeitalter des Connected Car. Durch das Design ist die Kommunikation natürlich auf bestimmte Emojis be- und damit auch ziemlich eingeschränkt. Für manche wäre es wohl spannend, beispielsweise auch Telefonnummern und andere komplexere Informationen auszutauschen, wenn man hinterm Steuer sitzt. Dafür ist Car Wink aber definitiv nicht geeignet, und das wäre wohl auch mit der Straßenverkehrsordnung nicht vereinbar. Denn die verlangt gleich im ersten Satz die "ständige Vorsicht". So bleibt es also bei den Emojis, was grundsätzlich aber auch eine interessante Möglichkeit sein mag, zur Entspannung im Berufsverkehr beizutragen. Ob sich die Idee durchsetzt, ist aber schwer zu sagen, moderne Konzeptautos haben teilweise bereits eingebaute Kommunikationsmedien für die Außenwelt.

 Telefonnummern können mit Car Wink nicht ausgetauscht werden – aber andere Autofahrer kann man mit dem witzigen Gerät bestimmt kennenlernen. fullscreen
Telefonnummern können mit Car Wink nicht ausgetauscht werden – aber andere Autofahrer kann man mit dem witzigen Gerät bestimmt kennenlernen. (©Innovart Design 2017)

Und der Preis? Ab 119 US-Dollar ist man dabei und bekommt dafür das Gerät inklusive Zubehör. In Deutschland können da noch Steuern und Zoll dazukommen, sodass man am Ende bei vielleicht 130 Euro liegen könnte. Sicher kein Schnäppchen, für die innovative Idee aber auch nicht zu teuer, meine ich. Die Frage wird sein, ob sich derartige Systeme durchsetzen. Dann sind sie sicher sinnvoll, da man nicht mehr am Lenkrad wild gestikulieren muss.

Innovation
Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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