Kolumne

TURN ON Innovation: Das Internet-TV-Studio für die Hosentasche

Die YoloBox soll Live-Streams für alle ermöglichen.
Die YoloBox soll Live-Streams für alle ermöglichen. (©YoloBox 2017)

Wer schon einmal versucht hat, einen Livestream etwa auf Facebook oder YouTube zu übertragen, merkt schnell, dass das gar nicht so einfach ist. Viele Smartphones stoßen an optische Grenzen und die Akkus der Geräte sind auch schnell leer. Mit der YoloBox gibt es jetzt ein neues Streaming-Gerät auf Kickstarter, die nicht nur für Profis interessant sein könnte.

Ob Hochzeit, eine Schulaufführung oder das Tennisturnier im Verein – Live-Übertragungen werden auch für private Anwender oder Halbprofis immer interessanter. Dank entsprechender Funktionen bei YouTube und Facebook lassen sich die privaten Fernsehsendungen schnell an viele Menschen verteilen. Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass für Vereine und Schulklassen, aber auch für YouTuber mit entsprechend großer Fangemeinde Live-Übertragungen immer mehr Relevanz bekommen.

Streaming: YoloBox statt Smartphone?

Wer heute etwas live übertragen möchte, nimmt dazu das Smartphone. Das hat jedoch Nachteile, die das Kickstarter-Projekt YoloBox ausgleichen will. Vorteil vor allem: Man kann auch viele externe Kameras verwenden und ist somit nicht zwingend auf die Handy-Optik angewiesen.

Ganz ohne Erfahrungen im Streaming-Geschäft sind die Macher der YoloBox nicht. Vor etwa zwei Jahren brachten sie die YunxiBox auf den Markt – ein ganz ähnliches Gerät. Das allerdings wurde vor allem in China angeboten und ist im Westen kaum erhältlich gewesen. Das neue Gerät, für das auf Kickstarter nach Geldgebern gesucht wird, ist kleiner, dünner und leichter als der Vorgänger. Es soll zudem einfacher zu verwenden und auch verlässlicher sein. Die Macher bezeichnen die neue Box als "Streaming-Lösung der nächsten Generation".

 Die YoloBox  kann auch als Monitor dienen. fullscreen
Die YoloBox  kann auch als Monitor dienen. (©YoloBox 2017)

Mit der YoloBox soll streamen wesentlich schneller & einfacher gehen

Im Gegensatz zu schon erhältlichen Streaming-Geräten soll es mit der YoloBox auch besonders schnell und einfach gehen, einen Stream zu starten. Das Gerät ist dabei nicht nur in der Lage, einen Film oder entsprechende Daten passend für die Übertragung im Internet umzuwandeln, es ist vor allem auch ein Aufzeichnungsgerät. Alle Ereignisse werden automatisch aufgenommen, sodass man keine zusätzliche Arbeit damit verschwenden muss. Die so entstandenen Filme stehen zum Ansehen zur Verfügung und sind mit hoher Auflösung und gutem Kontrast abgespeichert.

Das Gerät kann aber auch noch mehr: Da es mit einem berührungsempfindlichen 5-Zoll-Display mit 720p-Auflösung ausgestattet ist, dient es ebenfalls als Monitor für die gerade stattfindende Aufzeichnung. Der Bildschirm ist dabei deutlich größer, als der von normalen Kameras, und der TV-Künstler kann darauf sehen, was er gerade filmt und sendet. Dazu gibt es diverse Kontrollmöglichkeiten in der Streaming-App auf dem Gerät, sodass das Bild auch live noch beeinflusst werden kann.

 Geeignet sind viele Kameras. fullscreen
Geeignet sind viele Kameras. (©YoloBox 2017)

Geeignet sind alle Kameras mit HDMI-Anschluss

Die wichtigste Funktion ist aber natürlich, das der kleine Kasten praktisch allen Kameras mit einem HDMI-Anschluss das Tor zum Internet öffnen kann. Der Hersteller verspricht, dass man mit dem Gerät innerhalb von Sekunden mit seinem Stream online ist. Dazu hat das gerät nicht nur WLAN und kann per Kabel ans Netzwerk angeschlossen werden. Man kann auch per SIM-Karte und via 4G seine Sendungen ins Internet beamen. Als Quellen können dabei nicht nur normale Kameras dienen, sondern auch eine GoPro oder eine Drohnen-Kamera – natürlich beides per WLAN.

Dabei liefert die Box die Streams nicht nur in HD mit 1080p aus, man kann sogar gleich zwei Quellen mixen und dann das Ergebnis daraus senden. Die App auf der Box liefert also gleich eine kleine Regieschnittstelle mit. Man kann etwa wählen, ob man zwei Live-Quellen verwendet, oder einen Kamera und einen aufgezeichneten Film. Natürlich sind auch zwei aufgezeichnete Filme möglich.

 Das Gerät lässt sich auch mobil verwenden. fullscreen
Das Gerät lässt sich auch mobil verwenden. (©YoloBox 2017)

Internet per Kabel, WLAN und auch via 4G

Die YoloBox arbeitet mit dem weit verbreiteten H.264-Codec, der Akku schafft etwa drei Stunden und das Gerät hat in der Plus-Version zwei HDMI-Schnittstellen, USB, einen SD-Karten-Slot und einen normalen Audio-Anschluss mit 3,5 Millimetern. Das Gerät lässt sich per WLAN und Kabel mit dem Netzwerk und somit dem Internet verbinden, es geht aber auch per SIM-Karte oder über ein USB-Modem unterwegs, sodass man auch mobil streamen kann. Eine ziemlich spannende Funktion, die etwa auch Outdoor- und Sportevents als Streams sinnvoll erscheinen lässt.

Die Macher der Box aus dem Spieler-Paradies Las Vegas haben die Finanzierung, die allerdings ohnehin sicher nicht als solche ernst gemeint war, locker gepackt. Man wollte 30.000 Dollar haben und hat schon, und es sind noch 25 Tage bis zum Ende des Zeitraums, über 51.000 Dollar eingesammelt. Ich beobachte in letzter Zeit häufig, dass Kickstarter nicht wirklich der Finanzierung wegen genutzt wird, sondern um bereits entwickelte Produkte am Markt zu platzieren. Die frühesten Kunden bekommen zwar einen Rabatt, dafür wird eben auch über die neuen Geräte in den Medien reichlich berichtet. Und das ist hier eindeutig die Absicht.

 Wer eine Drohne besitzt, kann spektakuläre Live-Bilder senden. fullscreen
Wer eine Drohne besitzt, kann spektakuläre Live-Bilder senden. (© 2017)

YoloBox kostet zwischen 380 und etwa 550 Euro

Wer sich noch an der "Finanzierung" beteiligen möchte, kann für etwa 380 Euro inklusive Versand und Steuern die kleine Box bekommen, mit der sich eine Quelle streamen lässt. Wer etwa 550 Euro auf den Tisch legen will, kann die große Box bekommen, mit der zwei Quellen möglich sind. Für YouTuber, die auch live senden wollen, sieht das Produkt wirklich hochspannend aus. Der Preis scheint gerechtfertigt, auch weil man ein Gerät bekommt, das sehr vielfältig einsetzbar ist.

Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

Neueste Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben