Kolumne

TURN ON Innovation: Deeper Lock – das smarte Fahrradschloss

Das smarte Fahrradschloss Deeper Lock sucht auf Kickstarter nach Geldgebern.
Das smarte Fahrradschloss Deeper Lock sucht auf Kickstarter nach Geldgebern. (©Deeper Lock 2017)

In Deutschland werden pro Jahr etwa 300.000 Fahrräder geklaut. Allein in Berlin sind es 70 Drahtesel pro Tag, die illegal den Besitzer wechseln – und auch in anderen Ländern scheint der Fahrradklau quasi ein Volkssport zu sein. Auf Kickstarter sucht jetzt mit Deeper Lock ein smartes Fahrradschloss nach Investoren, das den Rad-Dieben das Leben schwer machen will.

Um es gleich vorwegzusagen: Noch ist die Finanzierung des smarten Schlosses Deeper Lock nicht in trockenen Tüchern. Bislang konnten sich erst 99 Unterstützer finden, die knapp 17.000 US-Dollar der geforderten knapp 80.000 Dollar zusammengetragen haben. Es sind zwar noch 29 Tage bis zum Ende des Finanzierungszeitraums, aber es wird bestimmt nicht leicht, die geforderte Summe zu knacken. Ich finde das Projekt aber so spannend, dass ich es dennoch vorstelle – auch in der Hoffnung, dass vielleicht der eine oder andere von Diebstählen geplagte Fahrradbesitzer zuschlägt.

Deeper Lock ist ein komplettes Sicherheitssystem

Deeper Lock hat einiges zu bieten: Vor allem betonen die Macher, dass das Schloss ein komplettes Sicherheitssystem darstellt. Erstens wird das Fahrrad durch einen Stahlring am Hinterrad mechanisch geschützt, und dann gibt eine Elektronik auch akustisch Alarm, wenn das Rad von der gesicherten Position wegbewegt wird. Zusätzlich lässt sich per GPS auch die Position des Fahrrads verfolgen – und das System lädt sich per Solarzelle auch noch selber auf.

Wer sein Fahrrad sichern will, schließt einfach das Schloss, wodurch der komplette Mechanismus in Gang gesetzt wird. Sobald jemand das Rad beispielsweise wegtragen will, ertönt nach nur wenigen Metern ein mit 110 Dezibel recht lauter und hörbarer Alarm. Außerdem sendet das smarte Schloss eine Benachrichtigung ans Smartphone des Besitzers. Gleichzeitig wird die Verfolgung per GPS aktiviert, sodass man jederzeit weiß, wo sich das Fahrrad befindet. Dazu lässt sich das Schloss mit einer SIM-Karte ausstatten – für die natürlich Extra-Gebühren fällig werden. Allerdings bieten die Macher des Schlosses Kickstarter-Käufern vergünstige Mobil-Tarife an, sollten diese sich für entsprechende Prämien bei der Finanzierung entscheiden. Unterm Strich soll der Preis bei weniger als 1 Dollar pro Monat liegen.

 Gesteuert wird das Schloss per App. fullscreen
Gesteuert wird das Schloss per App. (©Deeper Lock 2017)

Schloss ist aus besonders widerstandsfähigem Stahl

Damit ein Dieb das Schloss nicht einfach knacken kann, ist es aus besonders widerstandsfähigem Stahl. Sowohl der eigentliche Sicherungsring, wie auch wichtige elektronische Komponenten sind mit dem Metall gesichert. Das Schloss soll einer Kraft von fünf Tonnen widerstehen können. Auch in Sachen Temperatur ist das Einsatzgebiet sehr weit gefächert: Zwischen Temperaturen von -20 und +40 Grad soll das Gerät reibungslos funktionieren.

Mehr Sicherheit für Fahrräder soll vor allem die Kombination aus Alarm und GPS bieten: Sobald ein gesichertes Fahrrad bewegt wird, macht die Sirene die Umgebung auf den Diebstahl aufmerksam und der Besitzer hat womöglich Zeit zu reagieren und den Klau zu verhindern. Sollte das Fahrrad dennoch gestohlen werden, kann man der Polizei Positionsdaten des Drahtesels zur Verfügung stellen, damit die sich um den Dieb kümmert. Der Straftäter hat in jedem Fall weniger Zeit, sich um sein Objekt der Begierde zu kümmern und lässt möglicherweise schon beim Ertönen des Alarms von potenziellen Diebesgut ab. Und lässt er sich nicht beeindrucken, dann muss er damit rechnen, per GPS-Tracking aufgespürt zu werden.

 Deeper Lock soll sich leicht anmontieren lassen. fullscreen
Deeper Lock soll sich leicht anmontieren lassen. (©Deeper Lock 2017)

Gesteuert wird Deeper Lock per Smartphone-App

Gesteuert werden kann das Schloss natürlich per App. Das Programm ist verschlüsselt und laut Hersteller von außen nicht zu knacken. Gleichzeitig wird die App auch dazu verwendet, das Fahrrad zu entsperren. Sollte der Akku des Handys leer sein, lässt sich das Schloss alternativ auch mit einem anderen Smartphone öffnen, indem man sich in der App anmeldet. Oder man verwendet den Notfall-NFC-Tag, der als Schlüsselersatz mitgeliefert wird. Auf der App kommt natürlich auch der Diebstahlalarm an und man kann dort das Tracking abrufen. Um den Kreis des "Sicherheitspersonals" zu erweitern, lässt sich ein Fahrradzugang mit anderen Menschen teilen, die dann ebenfalls Alarmmeldungen und Tracking-Infos empfangen. Zusätzlich lässt sich in der App der Ladestand des Akkus prüfen und die Empfindlichkeit des Bewegungssensors einstellen.

Der Anbau soll laut Hersteller einfach und schnell sein. Schrauben und eine Halterung werden mitgeliefert, am besten lässt sich dass Schloss an Fahrrädern montieren, die dafür vorgebohrte Gewinde haben, was bei vielen modernen Rahmen der Fall ist. Ohne diese Gewinde muss das Schloss mit stabilen, aber sicher nicht unknackbaren Kunststoffflaschen am Rahmen befestigt werden. Das ist sicher eine Schwachstelle des ansonsten durchdachten  Konzepts.

Diebe sollen durch Technik abgeschreckt werden

Ich finde, dieses smarte Schloss ist ein interessantes Angebot, weil ich mir in der Tat gut vorstellen kann, dass ein Dieb ein Fahrrad sofort loslässt, wenn eine laute Sirene zu jaulen anfängt. Falls nicht, hat man die Möglichkeit, die Langfinger per GPS zu verfolgen, was sicher auch eine große Hilfe sein dürfte. Und vermutlich spricht sich in der Szene auch schnell herum, dass es immer mehr technische Anti-Diebstahl-Lösungen gibt, was Langfinger abschrecken dürfte. Wer mitfinanzieren möchte, kann dies derzeit noch für 179 US-Dollar tun und bekommt ein Jahr GPS-Tracking dazu. Am Ende dürften etwa gut 200 Euro auf der Rechnung stehen. Aber wie gesagt: Noch ist die Finanzierung nicht geschafft.

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