Kolumne

TURN ON Innovation: Die Force Touch-Revolution Sensel Morph

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Sensel-Morph-1 (©Sensel 2015)

Nicht nur das iPhone 6s vertraut auf Force Touch, auch andere Hersteller haben die Technologie für sich entdeckt. Sensel Morph ist ein druckempfindliches Touchpad, welches eine völlig neuartige Bedienung ermöglicht. Die Einsatzgebiete des Sensel Morph sind dabei überaus vielfältig – dank individueller Overlays. Zielgruppe sind vor allem Musiker, Künstler, Gamer und Technik-Freaks.

Keine Frage, Force Touch ist eine innovative Technologie und findet beispielsweise bereits bei der Apple Watch oder beim neuen MacBook bereits Verwendung. Mit dem iPhone 6s setzt zudem ein weiteres Gerät auf die druckempfindliche Technik. Aber auch abseits des Apple-Universums tut sich einiges: Das Kickstarter-Projekt Sensel Morph verspricht mit seinem neuartigen Touchpad eine Bedienung, die einzigartig sein dürfte.

Das innovative Zubehör für den Computer erkennt nicht nur Finger und Daumen, sondern überdies auch Pinsel und sogar Drumsticks. Kurzum: Sensel Morph erkennt jedes Objekt, das die Oberfläche des Touchpads berührt. Man kann sich leicht vorstellen, welche neuen Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Das Gerät lässt sich per USB und Bluetooth mit dem Computer oder Tablet verbinden. Selbst ein Anschluss an die Plattform Arduino ist möglich.

Sensel Morph verfolgt mit dem Touchpad eine Mission

Das US-Unternehmen verfolgt mit dem Sensel Morph eine Mission, welche die Diskrepanz zwischen den vielfältigen Möglichkeiten unserer Hände und den beschränkten Eingabemöglichkeiten am Computer aus dem Weg schaffen will. Wenn das gelingt, können wir in Zukunft völlig neuartig mit unserem Computer oder Tablet interagieren. Das Komponieren und Produzieren von Musik könnte mit Sensel Morph viel einfacher und intuitiver von der Hand gehen, eine ordentliche Umsetzung vorausgesetzt. Und auch das Gaming-Erlebnis dürfte erheblich an Intensivität gewinnen, die Steuerung selbst komplexer Aktionen könnte einfacher von der Hand gehen.

Overlays erlauben individuelle Anwendungsmöglichkeiten

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Individuelle Overlays eröffnen vielfältige Verwendungszwecke, wie etwa ein Klavier. (©Sensel 2015)

Das Touchpad soll sich für unterschiedlichste Anwendungen eignen. Damit dies auch gelingt, wurden für Sensel Morph sogenannte Overlays entwickelt. Was sich erst einmal ziemlich technisch anhört, soll sich in der Praxis völlig simpel gestalten. Das entsprechende Overlay wird einfach auf die Oberfläche gelegt und soll automatisch erkannt werden – Magneten maskieren die Oberfläche. Im Prinzip sind die Auflageflächen nichts weiter als physische Apps, die individuelle Bedienungsmöglichkeiten erlauben. Denkbar ist etwa eine Klaviatur, mit der mal eben kurz eine musikalische Sequenz eingespielt werden kann. Sensel Morph beweist zudem Weitsicht: zwei Touchpads können miteinander verbunden werden und so beispielsweise eine noch größere Klaviatur abbilden.

Entwicklung eigener Overlays setzt 3D-Drucker voraus

Wer lediglich ein Tablet besitzt und dennoch nicht auf eine ordentliche Tastatur verzichten möchte, kann ein QWERTZ-Keyboard einfach auf das Sensel Morph auflegen. Und Grafiker können gar mit einem echten Pinsel auf der Oberfläche des berührungsempfindlichen Touchpads zeichnen. Viele weitere Anwendungsszenarien sind denkbar. In Zukunft will der Entwickler eine entsprechende App bereitstellen, mit deren Hilfe die Nutzer eigene Overlays entwickeln können. Dafür ist allerdings der Besitz eines 3D-Druckers Voraussetzung, dürfte also derzeit für die wenigsten User infrage kommen. Die Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne dürfen sich – je nach Betrag – bereits beim Kauf einige Overlays aussuchen.

Das Sensel Morph hat in etwa die Größe eines iPads

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Sensel Morph bietet optisch solide Kost und orientiert sich an der Größe des iPads. (©Sensel 2015)

Das Design des Sensel Morph ist zweckmäßig, nicht weiter auffällig und konzentriert sich auf das Wesentliche. Die Größe ist noch als kompakt anzusehen und orientiert sich in den Abmessungen in etwa am iPad. Mit einem Abstand von lediglich 1,25 Millimetern sind insgesamt 20.000 Drucksensoren platziert. Jeder Einzelne kann circa 4000 Druckstufen erkennen. Das Finanzierungsziel der Kickstarter-Kampagne wurde längst erreicht. Waren für die Realisierung des Sensel Morph ursprünglich 60.000 US-Dollar avisiert, sind mittlerweile fast unglaubliche 300.000 US-Dollar zusammengekommen. Die Auslieferung der Touchpads ist für Juni 2016 geplant, für 249 US-Dollar erhält der Crowdfunding-Unterstützer ein Sensel Morph-Exemplar und kann sich zudem drei verschiedene Overlays aussuchen.

Der Einstiegspreis beträgt 249 US-Dollar – 3 Overlays inklusive

Wie sich das Sensel Morph in der Praxis schlagen wird, bleibt allerdings abzuwarten. In der Theorie hört sich alles simpel, einleuchtend und intuitiv an. Ob ein berührungsempfindliches Touchpad im Alltag aber wirklich für eine echte Erleichterung sorgt, dessen bin ich mir nicht sicher. Zumindest der Preis dürfte mit 249 US-Dollar völlig in Ordnung gehen, kommt das Sensel Morph doch gleich mit mehreren praktischen Overlays zum Nutzer. Doch die Hürden für die Entwicklung weiterer Overlays sind sehr hoch. Neben der unerlässlichen Verbindungshardware muss der Entwickler überdies über einen 3D-Drucker verfügen – eine Technologie, die im privaten Sektor noch ganz am Anfang steht.

Unklar, ob das Zubehör den Mainstream erobern wird

Die bereits vorhandenen Möglichkeiten sind zwar ganz nett, dürften aber letztendlich naturgemäß nicht jeden Geschmack treffen – dafür sind die Einsatzgebiete noch zu speziell. Sollte das Angebot aber in Zukunft mit dem Release des Sensel Morph weiter aufgestockt werden, – und davon ist wohl auszugehen – dürfte das Zubehör doch eine gewisse Käuferschicht ansprechen. Allein das riesige Interesse an der Kickstarter-Kampagne macht deutlich, dass ein ausreichender Markt offenbar vorhanden ist – die Finanzierung war bereits nach wenigen Stunden gesichert. Die Zeit wird zeigen, ob das Sensel Morph irgendwann einmal den Massenmarkt erobern wird.

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