Kolumne

TURN ON Innovation: Die Luftkampf-Drohne fürs Büro

Gaming Drohne TobyRich Vegas
Gaming Drohne TobyRich Vegas (©TobyRich 2015)

Technische Innovationen müssen ja nicht immer bierernst sein: Die deutsche Firma TobyRich aus Bremen finanziert derzeit per Kickstarter eine Gaming-Drohne, mit der sich etwa Luftkämpfe oder Stunts per Smartphone ausführen lassen. Noch ist das Projekt nicht finanziert – viel fehlt aber zum Ziel von 100.000 Euro nicht mehr.

Die Beschreibung der Kickstarter-Drohne aus Bremen liest sich prima: Gaming-Drohnen sollen den Spaß von Computerspielen mit dem von realen Drohnen kombinieren. Finde ich spannend, wenn ein Computerspiel Realität wird – und man nicht nur überteuerte Plastikfiguren von den Helden des Games kaufen kann. Es sind insgesamt drei Modelle in Planung, die letzte und am besten ausgestattete Variante namens "tobyrich.guru" wird nur gebaut, wenn mindestens eine Million Euro finanziert werden. Doch ob dieses Ziel erreicht wird, ist etwas fraglich.

Gaming-Drohne wird per Smartphone gesteuert

Gute Chancen haben hingegen die Modelle "tobyrich.vegas" und "tobyrich.tokyo", die sich vor allem in Sachen GPS und Kamera unterscheiden. Bei der einfachsten Version, der Vegas-Drohne, fehlt der Navigations-Chip, und man kann daher auch keine Flugrouten festlegen, sondern steuert nur auf Sicht. Das geschieht, indem man das mit der Gaming-Drohne verbundene Smartphone neigt. Mit etwas Übung soll es dann möglich sein, nicht allein Spiele zu spielen, sondern auch irre Stunts zu machen und Drohnen-Rennen zu veranstalten. Und wer ein Tablet hat, kann darauf Joysticks befestigen, und sein Fluggerät mit diesen lenken.

Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen

Die Macher hinter der Firma TobyRich – Tobias "toby" Dazenko und Ulrich "rich" Ditschler – fanden es offenbar seltsam, dass steuerbare Fluggeräte immer nur Quadcopter sind und niemals Flugzeuge. Dabei haben diese Modelle durchaus Nachteile: Weil sie wegen der Bauart keine aerodynamischen Vorteile nutzen können, ist die Flugzeit pro Akkuladung recht groß und der Preis auch wegen der Akkus meistens eher happig. Das aktuelle Kickstarter-Projekt ist übrigens nicht das erste Flugzeug der Bremer Erfinder. Mit dem Smart Plane haben die Tüftler schon recht erfolgreich ein per Smartphone gelenktes Flugzeug auf den Markt gebracht.

Besser als Quadcopter: Drohnen-Flugzeuge haben Auftrieb

Flugzeuge dagegen haben einen aerodynamischen Auftrieb durch ihre Flügel und brauchen viel weniger elektrische Energie um durch die Luft schweben zu können. Sie können mehr Ladung transportieren und mit der Hilfe von Sensoren und leistungsfähigen Elektromotoren dennoch über einem Punkt schweben. Jedenfalls können die Modelle von TobyRich das. Und einiges mehr: Sie sind klein, stabil, beweglich und sowohl für den Innen- wie auch für den Außendienst geeignet.

In den Videos des Projektes kann man einen ersten Eindruck bekommen, wie das alles funktionieren soll – obwohl ich ehrlich gesagt das Gefühl hatte, dass viele Szenen auch gestellt, bearbeitet und geschickt geschnitten waren. Wenn es draußen etwa stärker windet, dürfte so ein leichter Flieger schnell auf dem absteigenden Ast sein.

Steuerung der Drohne per App

Mit der passenden App soll es möglich sein, ohne lange Anlaufphase sofort durchzustarten. Man wählt einfach seinen Erfahrungslevel und hebt ab. Per Autopilot bekommt man die maximale Hilfestellung beim Fliegen und Übungsaufgaben in der App sollen beim Lernen der Steuerung behilflich sein. Zuerst übt man bei aktiviertem Autopiloten wie man eine Kurve fliegt. Dabei werden Höhe und Geschwindigkeit des Fluggeräts durch das Smartphone kontrolliert. Und wenn doch mal Panik auf dem Pilotensitz ausbricht, gibt's den Notfall-Knopf. Damit stelle ich die Steuerung der Drohne so ein, dass sie solange über meinem Kopf kreist, bis ich das nächste Kommando sende.

Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen
Gaming Drohne TobyRich Vegas fullscreen

Besonders wenn man gegen seine Kollegen antreten will, muss man natürlich seinen Drohnen-Pilotenschein möglichst mit Auszeichnung abgeschlossen haben. Aber keine Sorge: Die Waffen, mit denen man seine Kontrahenten vom Büro-Himmel holt, sind alle nur virtuell und nur in der App vorhanden. Dort werden die Abschüssen gezählt, die man als Smartphone-Schütze per App erzielt.

Rennstrecken der Gaming-Drohne per GPS festlegen

Wer mehr Spaß an Luft-Rennen hat, kann auf einer Karte Kurse festlegen, die andere Drohnen-Piloten dann im Wettbewerb absolvieren müssen. Das geht natürlich nur mit der Drohnen-Version "tokyo", die mit einem GPS-System ausgestattet ist.

Als Finanzierungsziel für die Vegas-Drohne – und auch gleichzeitig für das mit Kamera und GPS ausgestattet Tokyo-Modell – sind 100.000 Euro aufgerufen, von denen 16 Tage vor Schluss der Kampagne immerhin schon über 80.000 finanziert sind. Ich denke, die Chancen stehen also nicht schlecht, dass die Summe komplett aufgebracht wird. Für 89 Euro bekommt man dann die Vegas-Ausführung in der Grundausstattung und ab 135 Euro erhält man das weitaus bessere Tokyo-Modell. Das hat bislang übrigens die meisten Interessenten gefunden.

Für 500.000 Euro bekommt die Gaming-Drohne ein Fahrwerk

Weitere Finanzierungsziele sind beispielsweise bei 500.000 Euro, wofür es ein Fahrwerk zum Landen geben soll oder aber die Million, mit der eine noch besser ausgestattete Drohne entwickelt werden könnte. Das Guru-Modell wäre dann mit einer 360-Grad-Kamera ausgerüstet, wobei die Finanzierung dieses Riesen-Bombers momentan eher unsicher ist.

Die Idee mit den Luftkämpfen im Büro oder auch in der Wohnung finde ich spannend. Die Drohnen scheinen robust genug, ohne aber zu zerstörerisch auf Gegenstände und Mobiliar zu wirken. Ich bin jetzt gespannt, ob das Unternehmen aus Bremen das erste Finanzierungsziel packt. Die Erfahrung zeigt, dass viele Kickstarter-Projekte besonders kurz vor Schluss noch einmal einen Finanzierungsschub bekommen.

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