Kolumne

TURN ON Innovation: Die Papierflieger-Drohne mit Live-Kamera

Die PowerUp-Drohne lässt sich per VR-Brille steuern.
Die PowerUp-Drohne lässt sich per VR-Brille steuern. (©PowerUp 2015)

Eine faszinierende Idee: Aus einem einfachen Papierflieger wird per Doppel-Zusatzpropeller eine fernsteuerbare Drohne. Gibt's aber schon eine Weile. Was es noch nicht gibt, ist ein lenkbarer Papierflieger mit einer Live-Kamera, deren Bilder sogar mit einem VR-Headset betrachtet werden können.

Und weil das noch nicht abgefahren genug ist, soll man seine Papier-Drohne sogar mit einer Kopfbewegung steuern können. Also: Man sieht nach rechts und der Flieger macht eine Rechtskurve – links funktioniert es ebenso. Und natürlich auch nach oben und unten. Vermutlich wird den Piloten dann aber schon schwarz vor Augen. Aber der Reihe nach.

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Das Kickstarter-Projekt PowerUp FPV: Auf der Papierflieger-Drohne ist eine Kamera montiert. (©PowerUp 2015)

Bei Kickstarter gibt's, obwohl noch reichlich Zeit bis zum Ende der Finanzierungsfrist ist, ein schon jetzt mega-erfolgreiches Projekt: eine Papierflieger-Drohne mit WLAN-Kamera. Das Ganze hat den etwas sperrig klingenden Namen PowerUp FPV, was für "First Person View" steht und auf Deutsch "Egoperspektive" bedeutet – dahinter verbirgt sich aber eine wirklich smarte Idee. Die ist zwar nicht neu, denn vom selben Anbieter stammt auch eine erste Papierflieger-Drohne mit Fernsteuerung per Smartphone. Aber auf den Flieger noch eine Kamera draufzupflanzen, stellt natürlich eine neue Herausforderung dar, die man erst einmal meistern muss. Vor allem in Sachen Gewicht und Übertragungstechnik. Und es ist so unglaublich cool, wenn man dann per VR-Brille quasi im Cockpit des Fliegers platz nehmen darf.

Kamera-Drohne: Kickstarter-Ziel in nur vier Stunden erreicht

Dass die Idee interessant ist, finden offenbar auch jede Menge andere Kickstarter-Unterstützer, denn es hat nur vier Stunden gedauert, bis die zur Finanzierung des flotten Fliegers nötigen 140.000 US-Dollar einkassiert waren. Auch ich habe kurz überlegt und sogar schon geklickt, um mir so einen Flieger zuzulegen. Aber: Ich war zu langsam und konnte keines der beiden noch übrigen Angebote für 149 Dollar ergattern. Und bei der nächsten Stufe für 179 Dollar gibt's keine Mengenbegrenzung, sodass ich auch etwas später noch zuschlagen könnte. Diese Erfahrung zeigt jedenfalls, dass man bei Kickstarter auch schnell sein muss und nicht zögern darf.

Erfunden hat die Papierflieger-Drohne der New Yorker Tüftler Shai Goitein, der sich für seinen neuen und ambitionierten Kamera-Plan prominente Unterstützung sichern konnte. Der bekannte Drohnen-Hersteller Parrot sagte seine Hilfe bei der Umsetzung des Kamera-Fliegers zu – was alleine schon ein Garant dafür sein dürfte, dass auch dieses Fluggerät wieder zum Überflieger werden dürfte. Die ersten Zahlen sprechen für sich: Knapp 1500 Geldgeber haben fast 290.000 US-Dollar eingezahlt. Und es sind noch 44 Tage bis zum Ende der Finanzierung. Die Firma PowerUp Toys selber hat ihren Sitz in Tel Aviv in Israel, von wo aus auch PR und Marketing für die cleveren Flieger gemacht werden.

Zusammenbau ist einfach, Papier wird mitgeliefert

Der Zusammenbau des Geräts sieht denkbar einfach aus: Man benötigt ein ausreichend großes und entsprechend stabiles Blatt Papier. In den Herstellervideos kann man erkennen, dass ziemlich dickes Papier verwendet wird. Normales Kopierpapier dürfte für den Antrieb zu "labberig" sein, aber man muss jetzt nicht den Weg in den Schreibwarenladen antreten, um eine geeignete Grundlage zu finden. Der Hersteller liefert geeignetes Papier nämlich gleich mit. Hat man seinen Flieger zusammengefaltet, lässt sich das Gerät einfach per Smartphone steuern. Je nach Neigungswinkel macht der Papierflieger eine Kurve und steigt nach oben oder geht in den Sturzflug. Wer sich ins virtuelle Cockpit setzen und live sehen möchte, was die Kamera aufzeichnet, setzt sich eine Cardboard-VR-Brille auf und kann dann die Flugrichtung per Kopfbewegung steuern. Die Frage dürfte sein, ob die Übertragungsgeschwindigkeit in jedem Fall für eine sichere Steuerung ausreichend schnell ist. Auf den Videos des Herstellers sieht das alles jedenfalls schon ziemlich perfekt aus.

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In der Drohnen-App wird das Cockpit eines Flugzeuges teilweise nachgebildet. (©PowerUp 2015)

Das Fluggerät kann über 30 Stundenkilometer schnell werden und die maximale Distanz der PowerUp FPV zum Piloten wird bis zu etwa 100 Meter betragen. Diese Entfernung sichert der Drohnen-Bastler Shai Goitein zu, bei günstigen Bedingungen geht's erfahrungsgemäß auch etwas weiter. Die Steuerung kann komplett manuell, per Autopilot oder mit elektronischer Unterstützung übernommen werden. Der Akku reicht immerhin für etwa zehn Minuten Flugzeit aus, kann aber gewechselt werden. Die aufgenommenen Bilder werden nicht nur live auf ein Smartphone oder Tablet – Android oder iOS – gestreamt, sondern können während des Fluges auch auf einer microSD-Karte aufgezeichnet und dann später aufs mobile Gerät übertragen werden. Die Kamera ist drehbar, sodass man beispielsweise auch Start-Selfies machen kann. Stichwort Start: Auch hierfür gibt's einen Assistenten, der dafür sorgt, dass das Abheben klappt und man garantiert nicht auf dem Teppich bleibt.

Spielzeug für große und kleine Kinder

Dass ich bei diesem Thema nicht wirklich auf dem Teppich bleibe, merkt man mir sicher an. Ich finde die Idee charmant und umwerfend umgesetzt. Wenn alles so funktioniert, wie man das auf den Videos sieht, dann ist die Papierflieger-Drohne mit Kamera und virtuellem Cockpit per Cardboard-Brille wirklich ein feines Spielzeug für kleine und große Kinder. Dass es sich um ein Spielzeug handelt, dürfte angesichts von technischen Daten und Preis klar sein. Hochwertige Videos darf man ebenso wenig erwarten wie eine absolut punktgenaue Steuerung und lange Akkulaufzeiten. Dafür aber jede Mange Spaß und Eindrücke, wie man sie vermutlich noch nie hatte.

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