Kolumne

TURN ON Innovation: DreamScreen macht Fernsehen schöner

DreamScreen zaubert bunte Farben hinter den Fernseher.
DreamScreen zaubert bunte Farben hinter den Fernseher. (©DreamScreen 2016)

Die Idee ist nicht wirklich neu: Schon 2004 hat Philips mit Ambilight Licht ins Dunkel hinter den Fernsehern gebracht. Jetzt will das Kickstarter-Projekt DreamScreen jeden Fernseher mit HDMI-Anschluss mit einem smarten Hintergrundlicht ausstatten.

Nicht weniger als die Art und Weise, wie Menschen fernsehen, wollen die Macher von DreamScreen mit ihren LED-Lichtern ändern. Und um mal eben das Fernsehen neu zu erfinden, sucht man auf Kickstarter jetzt nach Geldgebern. Wobei: Finanziers haben die DreamScreen-Macher ausreichend gefunden. Obwohl es noch 29 Tage bis zum eigentlichen Ende der Finanzierungsfrist sind, haben die Kickstarter-Teilnehmer die geforderten 25.000 US-Dollar längst zusammengebracht. Über 950 Geldgeber haben insgesamt über 120.000 Dollar in das Projekt gesteckt. Interesse ist also ausreichend vorhanden.

Früher gab's kitschige Fernsehlampen in Segelschiff-Form

Und worum geht's nun genau? Bei seinen ersten Ambilight-Fernsehern hatte Philips im Jahr 2004 leuchtende Röhren hinter die Geräte geschraubt, die per Fernbedienung einstellbar waren. Weil Mediziner stets davor warnten, wie schädlich es für die Augen ist, das TV-Gerät als einzige Lichtquelle im Raum zu haben, waren 20 Jahre lang sogenannte Fernsehlampen aus keinem deutschen Wohnzimmer wegzudenken. Meist unerträglich kitschige Leuchtmittel in Form von mittelalterlichen Karavellen, Leuchttürmen oder gemächlich rotierenden Jagdszenen aus China, die auf dem Röhrenmonitor friedlich vor sich hinstaubten und dabei deutsche Augen schonten. Ich jedenfalls kann mich noch gut an derlei Lampen besonders bei Tanten und Omas erinnern.

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DreamScreen: Der Stick wandelt das HDMI-Signal in Farben um. (©DreamScreen 2016)

Der niederländische Elektronikriese hatte die wirklich gute Idee, den Kitsch unsichtbar zu machen und die staubige Zusatzbeleuchtung einfach ins TV-Gerät einzubauen. Also eine Art Unterbodenbeleuchtung fürs Fernsehgerät. Mit Ambilight 2 dann, das ein paar Jahre später in die Fernseher des Konzerns Einzug hielt, wurde die Lichttechnik interaktiv: Je nachdem welches Bild auf dem Monitor zu sehen war, passte sich das Hintergrundlicht farbig an. Und genau das wollen die DreamScreen-Erfinder jetzt für jedermann und praktisch jeden Fernseher bieten. Einfach zu montieren soll das Ganze auch noch sein.

Hersteller: DreamScreen schafft intensives TV-Erlebnis

Laut den Entwicklern schafft DreamScreen ein besonders intensives TV-Erlebnis im heimischen Wohnzimmer mit buntem LED-Licht hinterm Fernseher. Das Gerät soll mit jedem TV-Modell funktionieren, passt laut den Herstellern auch hinter jedes Display und kann alle HDMI-Quellen in entsprechende Lichtsignale übersetzen. Dabei reagiert das Gerät auf die Farben auf dem Bildschirm – vor allem natürlich auf die an den Rändern des Bildes und setzt diese quasi fort – sichtbar durch einen farblich passenden Widerschein an der Wand. Durch diesen verblüffenden Effekt scheint das Fernsehbild größer zu sein, es wird weniger hart und lässt Spiele und Filme besser aussehen.

Die Technologie in dem Gerät analysiert das HDMI-Signal und beherrscht einen weiten Bereich von Formaten und Auflösungen. Das Gerät ist in der Lage, 60 Vollbilder pro Sekunde darzustellen, kann also auch mit modernen TV-Geräten Schritt halten. Anschluss findet DreamScreen einfach per HDMI: Laut den Erfindern soll das mit fast allen vorstellbaren Plattformen klappen, egal ob Apple TV, Chromecast, Wii, PlayStation 4 oder Xbox One. Auch DVD- und BluRay-Player lassen sich verwenden.

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Die LEDs werden an die Rückseite des TV-Geräts geklebt. (©DreamScreen 2016)

DreamScreen steuert Lichter per Bluetooth

Der DreamScreen- Stick verbindet sich per Bluetooth mit den Lichtern, die hinter dem Fernseher montiert sind, und steuert diese mit den zuvor analysierten Signalen an. Alles was man für die Lichtershow im Wohnzimmer benötig, ist im Standard-Paket bereits enthalten, versprechen die DreamScreen-Macher. "Wir unterschieden uns von anderen Anbietern mit ähnlichen Produkten vor allem darin, dass man keinen Computer braucht, keine zusätzliche Software und keine Updates. Es steckt alles in unserem Stick", so die Zusage auf der Projekt-Seite bei Kickstarter.

Die Verantwortlichen hinter dem Projekt kommen übrigens aus dem sonnigen Boca Raton in Florida. Das Ehepaar Rakesh und Kate Reddy will gemeinsam die TV-Welt aus den Angeln heben. Rakesh Reddy hat einen Universitätsabschluss und bringt über zehn Jahre Erfahrung als Ingenieur mit ins Geschäft. Kate Reddy hat ebenfalls einen Uni-Titel, allerdings in Wirtschaft, und kümmert sich folgerichtig um die Finanzen und ums Marketing. Ein richtiges kleines Familienunternehmen also – das die Rückkehr der kitschigen Fernsehlampen verhindert. Das verdient jede Unterstützung.

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Der Lieferumfang: Die Hersteller versprechen, dass alle Kabel enthalten sein werden. (©DreamScreen 2016)

Lichtfeuerwerk zum Sound: Nur Musik hören geht auch

Wer übrigens mal nicht glotzen, sondern einfach nur Musik hören will, kann DreamScreen ebenfalls nutzen: Das Gerät ist auch in der Lage, Musik zu untersuchen und in Farben und Formen umzusetzen, solange man seine Musik über eine HDMI-Quelle ins Gerät einspeist. Dann kann sich der kleine Wunderkasten das Stereo-Signal aus der HDMI-Quelle schnappen und ein Lichtfeuerwerk aus Farben zum Sound an die Wand zaubern – versprechen die Reddys jedenfalls.

Und auch wenn es mal ganz still und leise sein soll, kann DreamScreen eine feine Sache sein. Per App lässt sich das Licht hinterm Fernseher nämlich in allen Farben und Stärken einstellen, sodass man eine stimmungsvolle Beleuchtung je nach Zweck konfigurieren kann. Damit auch große Mattscheiben mit dem Licht ausgerüstet werden können, wird es die Leuchtstreifen in drei Größen geben. Wer auf Kickstarter mitmacht, kann die Größe passend zu seinem Fernseher in jeder Belohnungsstufe frei auswählen. Später dann dürften die unterschiedlichen Größen auch verschiedene Preise haben.

Die Erfinder der TV-Licht-Spiele sagen übrigens zu, dass sie ebenfalls eine App für Smartwatches programmieren wollen, sollte das Extra-Ziel von 50.000 Dollar im Finanztopf erreicht werden. Da das schon jetzt der Fall ist, können sich die Besitzer einer intelligenten Uhr freuen: Man kann DreamScreen auch per schlauer Uhr steuern.

Preis in Deutschland etwa 180 Euro

Ich denke, ich werde DreamScreen mitfinanzieren. Vor allem die wirklich klasse aussehende Beleuchtungsmöglichkeit ohne Musik oder Film hat es mir angetan. Was für ein schickes Licht, das man auch noch cool per App steuern kann. Und von Ambilight habe ich auch schon viel Gutes gehört, sodass sich ein Versuch damit lohnt – zumal die Sache nicht besonders teuer ist: Die günstigsten Prämien für 75 und 99 Dollar sind zwar schon weg, aber auch 125 Dollar sind ein guter Preis. Im Laden soll das Licht-Wunderwerk dann 50 Dollar teurer sein. Ich werde zusammen mit Versand und vermutlich Zoll plus Steuern etwa 180 Euro bezahlen müssen. Aber vielleicht habe ich ja auch Glück und der Zoll fischt das Paket nicht heraus. Dann wird es definitiv billiger und geht auch schneller. Später im Laden wird das Gerät mit Sicherheit deutlich teurer sein, ich schätze 250 oder 300 Euro. Im Juni wird DreamScreen zu mir auf den Weg gebracht. Ich werde dann berichten, wie gut das Gerät wirklich ist.

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