Kolumne

TURN ON Innovation: FITT360 – Die Hals-Kamera für 360-Grad-Filme

Die FITT360 wird um den Nacken gelegt.
Die FITT360 wird um den Nacken gelegt. (©Linkflow 2018)

Eine Hals-Kamera für 360-Grad-Filme? Das ist eine clevere Idee, für die jetzt auf Kickstarter erfolgreich nach Geldgebern gesucht wird. Clever deshalb, weil die Kamera erstens sehr unauffällig ist und zweitens das Geschehen auf Augenhöhe aufzeichnet. Der Hersteller Linkflow ist ein Start-up von Samsung und auch das Kamera-Konzept stammt aus dem koreanischen Konzern.

Action-Cams und 360-Grad-Kameras werden häufig auf dem Kopf per Stirnband oder auf einem Helm montiert, um etwa beim Sport die Action wirklich aus dem Sichtwinkel des Benutzers aufzuzeichnen. Dann wirkt die spätere Darstellung umso lebensechter. Aber: Die Geräte sind oft klobig und unfallträchtig. Mit dem Kickstarter-Projekt FITT360 soll das vorbei sein.

Film ab: Bügel um den Nacken legen und Knopf drücken

Die Kamera FITT360 besteht im Grunde nur aus einem Bügel, der um den Nacken gelegt wird. Hinten im Bogen sind zwei Kameralinsen eingebaut und eine weitere in einer der Spitzen vorne. Der Nutzer muss sich den Bügel nur hinten um den Hals legen, einen Knopf drücken und die Aufzeichnung beginnt. Bedient und gesteuert werden kann das natürlich per Smartphone-App, sodass keine weitere Fummelei an der Kamera notwendig ist. Du brauchst das Handy aber auch nicht zwingend, um Videos zu stoppen oder neu zu starten.

 Die FITT360 besteht aus einem Bügel. fullscreen
Die FITT360 besteht aus einem Bügel. (©Linkflow 2018)

Das Kamera-Halsband ist zudem auch hart im Nehmen: Es ist hitzebeständig, nach IPX6 wasserdicht – was allerdings beim Schwimmen kritisch werden könnte – es ist stoßfest und verfügt über GPS, um Ortsdaten aufzuzeichnen. Außerdem haben die Hersteller darauf geachtet, dass man mit der Kamera um den Hals keine warmen Ohren bekommt und das Gerät so gestaltet, das die Wärme nach außen abtransportiert wird. Wie wirkungsvoll das ist, muss man sehen. Normalerweise entsteht beim Filmen, man kennt das vom Smartphone, reichlich Wärme. Ob das mit der zusätzlichen Körperwärme dann noch klappt? Damit sich das Kamera-Halsband wirklich auch an den stärksten Stiernacken anpasst, haben die Erfinder lange experimentiert. Herausgekommen sind drei Nackenstärken – klein, mittel und groß – damit die Kamera auch wirklich fest sitzt.

Drei Kameras nehmen simultan auf, Elektronik setzt zusammen

Das Funktionsprinzip der FITT360 ist im Grunde einfach: Die drei Kameras nehmen simultan jeweils ein Video auf, die drei Bilder werden elektronisch zusammengesetzt und dann zu einem Rundum-Film vereint. Dass das recht gut klappt, kann man an Beispielfilmen sehen. Schnittkanten gibt es dann, wenn man etwa besonders dicht an Objekte herantritt. Je weiter man bei der Aufnahme entfernt ist, desto nahtloser das Bild. In den Probefilmen wirkte das Bild aber teils etwas unscharf, was aber auch an der Videokompression liegen mag.

 Die Kameras haben jeweils HD-Auflösung. fullscreen
Die Kameras haben jeweils HD-Auflösung. (©Linkflow 2018)

Und was "kann" die Kamera in Sachen Technik? Die drei eingebauten Teil-Optiken haben jeweils Full-HD-Auflösung, zusammen sind das 4480 x 2240 Bildpunkte. Das Video nutzt davon allerdings nur 3840 x 1920 Bildpunkte, was aber wegen der Rundum-Bildbreite einer 4K-Auflösung entspricht. Filme werden mit 30 Vollbildern pro Sekunde (FPS) aufgezeichnet. Der Akku hält etwa 90 Minuten, fasst 2400 mAh und braucht etwa 100 Minuten, um sich voll aufzuladen.

Der Akku hält 90 Minuten durch

Aufgezeichnet werden die Videos auf eine microSD-Karte mit 128 GB Speicherplatz. Die 90 Minuten, die der Akku durchhält, finden auf der Karte in jedem Fall Platz. Die Kamera verbindet sich per WLAN und Bluetooth mit dem Smartphone. Dorthin können die Filme natürlich dann auch übertragen werden. Gleichzeitig kann das Gerät sogar Ton aufnehmen und abspielen. Das bedeutet, der Träger kann Musik hören.

 Beim Rennen soll ein Bildstabilisator für Wackelfreiheit sorgen. fullscreen
Beim Rennen soll ein Bildstabilisator für Wackelfreiheit sorgen. (©Linkflow 2018)

Obwohl der Hals als einer der erschütterungsfreisten Plätze am Körper gilt und selbst bei schweren Nackenschlägen nur wenig wackelt, ist ein Bildstabilisator eingebaut, der das Ruckeln und Wackeln dämpfen soll. Das scheint auch gut zu klappen, wobei ich nicht ganz sicher bin, ob etwa beim Laufen gedrehte Rundum-Filme wirklich mit der FITT360 gedreht wurden. Möglich sind übrigens nicht nur Aufzeichnungen, man kann das Kamerabild sogar live streamen, was einige interessante Anwendungen erahnen lässt, etwa bei sportlichen Events aller Art.

Gerät wurde von Samsung konzipiert

Das interessante Gerät wurde von Samsung im Rahmen des Creative Lab konzipiert und dann durch das Start-up Linkflow zur Marktreife gebracht und auch bei Kickstarter platziert. Dort kommt das Gerät, auch weil Samsung natürlich für eine gewisse Qualität steht, gut an: 42 Tage vor dem Ende der Kampagne ist das Finanzierungsziel von 42.000 Euro mit knapp 80.000 Euro schon fast verdoppelt worden. Wobei man auch hier wieder, wie so oft in letzter Zeit, davon ausgehen muss, dass das Produkt längst fertig ist und die Kickstarter-Community nur als zusätzliches Marketing-Instrument herhalten muss. Das tut der innovativen Stärke des Produktes keinen Abbruch, aber ist vom Sinn des Crowdfundings natürlich meilenweit entfernt.

 Kamera kostet um die 370 Euro – wenn man schnell genug ist. fullscreen
Kamera kostet um die 370 Euro – wenn man schnell genug ist. (©Linkflow 2018)

Und was kostet der Spaß? Wer in den ersten 48 Stunden zugeschlagen hat, bekommt die Kamera für etwa 310 Euro. Unklar ist, ob hier noch Steuern und Zoll dazukommen, was das Gerät auf etwa 350 Euro verteuern würde. Wer das nicht geschafft hat, muss etwa 370 Euro inklusive Versand auf den Tisch legen. Aber auch hier ist die Anzahl der Geräte begrenzt. Meine Meinung: Die FITT360 ist klasse und clever. Man trägt das Gerät fast unmerklich und für andere auch fast unsichtbar recht locker wie den sprichwörtlichen Schalk im Nacken. So lassen sich sicher tolle und spontan wirkende Filme aufzeichnen, die wegen der natürlichen Perspektive auch lebensecht wirken dürften. Vorsichtig sein muss man natürlich, da man andere womöglich unbemerkt filmt, und die das vielleicht nicht so gut finden.

Innovation
Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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