Kolumne

TURN ON Innovation: GoFish – die Action-Cam zum Anbeißen

GoFish ist eine Kamera speziell für Angler.
GoFish ist eine Kamera speziell für Angler. (©GoFish 2015)

Wasserdichte Action-Cams oder entsprechend dichte Gehäuse sind nichts Ungewöhnliches. Mit der GoFish ist aber eine Kamera speziell für Angler in der Mache – die genau zeigt, wie die Fische anbeißen.

Im Grunde ist die Sache eigentlich ganz einfach: Ich packe eine kleine Kamera plus Speicher in ein wasserdichtes Gehäuse, binde das an meine Angelschnur und sehe mir an, wie die Fische anbeißen. Für einen Angler gibt es nämlich kaum etwas Spannenderes, als den Fischen beim Beißen zuzusehen. Möglichst nah dran und möglichst scharf. Daraus hofft man wertvolle Tipps zu bekommen, wie fängig ein bestimmter Köder ist – oder warum es damit nicht klappen will. Achja, hatte ich schon verraten, dass ich Angler bin?

Idee zur GoFish Cam kam während einer Angeltour

Für das Problem, dass man als Angler unter Wasser meist keine Einblicke hat, haben sich die beiden Brüder Ryan und Brandon Austin aus Houston in Texas eine Lösung einfallen lassen: die GoFish-Kamera. Sie ist eine Action-Cam für die Angelschnur, für die derzeit auf Kickstarter nach Geldgebern gesucht wird. Das Gerät, für das ein Patent beantragt ist, soll zusammen mit einer passenden App die "richtige Action" aufzeichnen können – versprechen zumindest die Texaner. Die Idee kam den beiden nach einer Angeltour. Zuerst haben die Brüder Freunde und Verwandte um Geld angehauen, und dann nach einem Jahr war die GoFish Cam fertig. Die Prototypen funktionieren, jetzt geht es darum, das Geld für eine Serienfertigung zu sammeln.

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Mit diesen Features will die GoFish Action-Cam aufwarten. (©GoFish 2015)

Gedacht ist die Kamera für verschiedene Angel-Methoden, sowohl im Süß- wie auch im Salzwasser. Das Gerät soll funktionieren, wenn man klassisch seinen Köder auswirft und wieder einholt, diesen im Boot hinter sich herzieht oder aber auch beim Grundangeln, wo man einen Köder an der Schnur einfach ins Wasser wirft und wartet.

Kamera ist wasserdicht bis 150 Meter

Die Kamera soll wasserdicht bis immerhin 150 Meter sein, hat eine HD-Kamera mit 1080p-Qualität und Infrarotlicht für das Filmen bei Nacht. Die Kamera kann die komplette Unterwasser-Szenerie in einem 170-Grad-Winkel aufzeichnen und hat sogar ein Mikrofon – um auch das Knirschen der Fischzähne beim Biss nicht zu verpassen.  Das Gerät wiegt knapp unter 100 Gramm. "Das ist Angeln wie niemals zuvor", versichern die texanischen Erfinder, "das kannst Du uns glauben."

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So soll die Verpackung der GoFish Action-Cam aussehen. (©GoFish 2015)

Wer die aufgezeichneten Fischbisse mit seinen Angel-Freunden teilen will – und mal ehrlich, welcher Angler will das nicht – muss nicht mehr auf sein Anglerlatein zurückgreifen, denn jetzt stehen harte und gefilmte Fakten zur Verfügung. Es soll ganz leicht sein, die Action-Clips über die mitgelieferte App direkt in die sozialen Netzwerke zu teilen. Aber: Live kann die Kamera die Daten nicht senden, und wenn man die Filme per WLAN abrufen will, muss man mit seinem Smartphone eben in der Nähe des Gerätes sein. Die Texas-Brüder aber arbeiten auch an diesem Problem und versuchen mit späteren Modellen ihrer Kamera auch Live-Streaming möglich zu machen.

Was macht man beim Verlust der GoFish Cam?

Meine größte Sorge, als ich von dem Projekt gehört habe, war die Angst vor dem Verlust des mit um die 100 US-Dollar ja nicht eben preiswerten Geräts. Wie oft bleibt man mit seiner Angelschnur unter Wasser an irgendeinem Ast oder Stein hängen? Wie viele teure Köder habe ich schon in deutschen, schwedischen oder französischen Flüssen versenkt?

Damit man eine Chance hat, die Kamera wiederzufinden, sollte die Angelschnur festhängen oder reißen, haben sich die Erfinder etwas ausgedacht: Erstens schwimmt das Gerät, sodass ich es auf der Wasseroberfläche treibend wiederfinden kann. Später soll es in der App auch möglich sein, die GoFish Cam zu orten. Zweitens raten die Hersteller, bis zur Kamera eine möglichst dicke Schnur zu verwenden, um dahinter eine dünnere anzuknoten, die dann im Ernstfall reißt. Und: Sollte die Finanzierung 500.000 US-Dollar erreichen – wonach es derzeit nicht aussieht –, dann soll es ein spezielles Garantieprogramm geben, mit dem verlorene Kameras sehr günstig ersetzt werden können.

GoFish Action-Cam fullscreen
GoFish Action-Cam fullscreen
GoFish Action-Cam fullscreen

Wie auch immer: Man sollte so ein Gerät natürlich möglichst dort verwenden, wo kein Verlust droht, also etwa im Meer. Oder aber im Boot, wenn man die Chance hat, die nach einem Schnurriss treibende Kamera zu retten. Für die feine Fischerei in Flüssen und Seen auf scheue Fische dürfte das Gerät ohnehin etwas zu klobig sein, zumal man ja ein Gewicht mit an die Schnur binden muss, das die schwimmfähige Kamera unter Wasser zieht. Für alle aber, die im Meer und in klaren Seen unterwegs sind, könnte das Gerät neben spektakulären Aufnahmen auch gute Tipps liefern.

Für 10.000 Dollar Unterstützung gibt's den Hammer-Angeltrip

Die für den Produktionsstart nötigen 55.000 US.Dollar sind längst in der Kasse der texanischen Brüder. Aber ob die weiteren Ziele von 110.000 Dollar für ein Zubehör-Set oder gar 500.000 Dollar für die Verlust-Versicherung erreicht werden, scheint eher unwahrscheinlich. Wer sich an der Finanzierung noch beteiligen und eine Kamera bekommen möchte, kann dies derzeit beispielsweise noch für 115 Dollar machen. Wenn man besonders viel Geld übrig hat, bieten die beiden Angler übrigens für 10.000 Dollar nicht nur zehn Kameras an, sondern auch den absoluten ultimativen Angeltrip inklusive Flug und Unterkunft. Aber beeilen, eine der fünf teuren  Prämien ist schon weg!

Ich will nicht verschweigen, dass es mit der WaterWolfHD bereits eine Action-Kamera für Angler gibt, die ähnlich spektakuläre Videos aufzeichnet. Es scheint ohnehin bei Kickstarter und Indiegogo recht häufig der Fall zu sein, dass bereits bestehende Projekte, meist wohl einfach aus Unwissenheit oder weil es zufällige Überschneidungen gibt, kopiert werden. Aber es schadet ja auch nichts, wenn es verschiedene Modelle und verschiedene Anbieter gibt. Für mich ist so ein Gerät prinzipiell schon spannend, da ich aber eher mit der Fliegenrute in flachen Flüssen und kleinen Seen unterwegs bin, sind die Einsatzmöglichkeiten andererseits auch ziemlich eingeschränkt.

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