Kolumne

TURN ON Innovation: "I'm Back" macht alte Analogkameras digital

I'm Back

Zugegeben, diese Innovation ist etwas für mutige Nutzer: Mit "I'm Back" kann man alte analoge Fotoapparate, von denen man sich nicht trennen kann, in Digitalkameras verwandeln. Die so genannte digitale Datenrückwand ist dabei nicht mal besonders teuer und für viele alte Kameramodelle einsetzbar.

Mit Datenrückwänden für analoge Kameras wurden in den 80er Jahren zuerst nur Informationen über die Aufnahme in den Film einbelichtet. Später wurden daraus dann in den Anfängen der Digitalfotografie Zusatzgeräte, mit denen normale Kameras auch digitale Bilder machen konnten. Die mechanisch komplizierte Lösung wurde zwar schnell durch komplette Kameramodelle ersetzt, jetzt ist aber auf Kickstarter mit "I'm Back" wieder ein Zusatzgerät im Angebot, das aus alten analogen Kameras digitale Modelle machen kann.

Im klobigen Kasten steckt eine komplette Digitalkamera

Die digitale Rückwand besteht aus einem Kasten, der unter der Kamera befestigt wird. In diesem etwas klobigen Gehäuse stecken der Sensor und die Elektronik – im Grunde eine voll funktionstüchtige eigene Digitalkamera. Die analoge Kamera selber steckt in einem Adaptergehäuse, in dem ein Spiegel angebracht ist, der das Bild zum Sensor im Kasten darunter weiterleitet. Insgesamt keine besonders grazile Lösung, und dass das Bild noch einige Male gespiegelt wird, bevor es zur Aufnahme auf dem Sensor landet, macht die Qualität natürlich nicht besser. In jedem Fall aber strahlt "I'm Back" mächtig Retro-Charme aus, der jeden Hipster locken könnte.

Die Erfinder geben an, dass es fünf Jahre gedauert hat, bis die finale Version von "I'm Back" jetzt auf Kickstarter angeboten werden konnte. Die digitale Rückwand für alte Spiegereflexkameras im Format 35 Millimeter ist dabei für viele Kameramodelle geeignet, für die es jeweils passende Adapter gibt.

  • Nikon F
  • Nikon F2
  • Nikon FM
  • Nikon FE
  • Nikon S2
  • Canon F1
  • Canon A1
  • Canon AE1
  • Pentax ME super
  • Pentax spotomatic
  • Pentax K1000
  • Praktica b200
  • Praktica MTL
  • Contax II
  • Contax RTS
  • Contax G2
  • Olympus OM1
  • Olympus OM2
  • Minolta Dinaxx 7000
  • Olympus OM10
  • Yashica JP
  • Yashica FX3
  • Leica M
  • Leica R
  • Diana F
  • Diana F mini

Aber auch Besitzer einer alten Kamera, die sich nicht in dieser Liste findet, sollen nicht leer ausgehen. Wer etwa eine Zenit- oder eine Alpa-Kamera hat, soll einen universellen Adapter nutzen können.

 I'm Back gibt es für zahlreiche Kamera-Modelle. fullscreen
I'm Back gibt es für zahlreiche Kamera-Modelle. (©I 2018)

Bilder mit bis zu 20 Megapixeln möglich

Und was kann "I'm Back" eigentlich nun? Durch die Linse fällt ein Bild auf den innen eingebauten Bildschirm, der dort sitzt, wo sich normalerweise der analoge Film befindet. In dem zusätzlichen Gehäuse unter der Kamera nimmt die dort eingebaute digitale Kamera dieses Bild nun auf. Der Sensor von Panasonic kann dabei maximal 20 Megapixel aufzeichnen, die Bilder können per WLAN aufs Smartphone übertragen und dort gespeichert werden. Zum Scharfstellen gibt's einen kleinen berührungsempfindlichen 2-Zoll-Bildschirm, man soll aber auch das Display des Smartphones nutzen können. Neben Fotos kann man auch Videos mit dem Gerät machen.

Dabei lassen sich sowohl für Fotografie wie auch für Video viele Parameter einstellen – wie auch bei einer normalen digitalen Kamera. Vor allem kann man die Pixelzahl verändern und damit die Größe der aufgezeichneten Bilder. Und natürlich lässt sich auch die Empfindlichkeit des Sensors über die Änderung der ISO-Zahl einstellen.

 Die Bilder von I'm Back haben einen besonderen Stil. fullscreen
Die Bilder von I'm Back haben einen besonderen Stil. (©I 2018)

Bildqualität sieht eher durchwachsen aus

Diese ganzen technischen Möglichkeiten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass man bei dieser Lösung Abstriche bei der Qualität machen muss. Der Erfinder aus Brasilien, der in Italien lebt und arbeitet, nennt das "Retro-Charme". In Wirklichkeit sind die Bilder, die man mit "I'm Back" machen kann, stellenweise verwaschen und unscharf, wie Beispiele auf Kickstarter zeigen. Da das Gerät aber dennoch sehr innovativ und zweitens nicht teuer ist, könnten experimentierfreudige Fotografen damit alte Analogkameras zu neuem Leben erwecken. Am Ende muss man selber entscheiden, ob man mit den optisch eher antiken Bildern etwas anfangen kann.

Unterstützer gibt es zwar auf Kickstarter schon ein paar, aber es fehlen immer noch knapp 4.000 Euro zum Finanzierungsziel von 20.000 Euro. Da aber noch 28 Tage bis zum Ende des Zeitraums bleiben, ist es durchaus möglich, dass die nicht allzu hohe Summe auch erreicht wird.  Wer mitfinanzieren will, kann dies ab 245 Euro inklusive Versandkosten tun. Ich denke, ein interessanter Preis für eine interessante Erfindung – trotz einiger technischer Schwächen.

Innovation
Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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