Kolumne

TURN ON Innovation: Mighty – Spotify-Musik ohne Smartphone

Mighty ist ein Spotify-Player im iPod shuffle-Format.
Mighty ist ein Spotify-Player im iPod shuffle-Format. (©Mighty Audio 2016)

Wer seine Spotify-Playlisten auch ohne Smartphone beim Trainieren hören will, bei dem herrscht Stille. Auf kleinen Playern wie iPod Nano oder iPod Shuffle funktionieren Streaming-Dienste nicht, sodass man beispielsweise beim flotten Trab durch den Wald immer sein Mobiltelefon umschnallen muss, wenn man Musik hören will.

Es ist schon ein Dilemma: Wer sich einen Spotify-Account leistet, der muss stets sein empfindliches Smartphone dabei haben, wenn's per Rad oder zu Fuß im Wald über Stock und Stein geht. Das eine oder andere teure Handy ist dabei schon zu Bruch gegangen. Und regelrecht formschön sind die Umschnall-Hüllen für den Oberarm ja auch nicht, sodass eine kompaktere Lösung Sinn macht. Aber: Es gibt derzeit kein kleines Gerät, das Spotify-Musik abspielen kann.

Mighty: Streaming-Player im iPod Shuffle-Format

Dieses Problem wollen die Hersteller von Mighty mit ihrem Streaming-Player im iPod Shuffle-Format gelöst haben und suchen derzeit auf Kickstarter nach Geldgebern für die Idee. Ganz einfach gesprochen kann das Gerät sich mit dem Spotify-Account auf einem Smart-Device synchronisieren, die Musik von diesem Gerät herunterladen – das ist übrigens laut den Spotify-Regeln für bis zu drei Geräte legal – und spielt dann die Playlisten des Streaming-Anbieters brav ab. Ich finde, eine clevere Idee, wenn man denn einen kostenpflichtigen Spotify-Account hat. Mit anderen Anbietern funktioniert die Sache bislang nicht, aber die Hersteller sagen, dass auch andere Streaming-Dienste kommen werden, sofern es eine Android-App gibt, denn darauf basiert das Gerät letztlich. Android hat außerdem den Vorteil, dass der Mighty alle Updates, die Spotify seiner Android-App spendiert, automatisch ebenfalls verpasst bekommt.

fullscreen
Beim Sport ist der Mighty viel handlicher als ein Smartphone. (©Mighty Audio 2016)

Der Player Mighty sieht ein wenig aus wie ein iPod Shuffle und man kann ihn auch ähnlich an die Kleidung anklippen. Das Gerät verfügt nach einem kürzlich erfolgten Update jetzt über 4 GB Speicherkapazität und kann einige Dinge, die andere Geräte nicht beherrschen. So hat es Bluetooth, einen USB C-Anschluss und ist wasserfest. Mit der verbauten Speicherkapazität kann das kleine Gerät etwa 48 Stunden Musik speichern und abspielen. Die Synchronisation soll sehr einfach sein und man benötigt dazu auch kein Kabel und keinen Computer etwa mit einem iTunes-Account. Um die Songs vom Smartphone auf den Mighty zu bekommen, startet man einfach die App und koppelt sein Handy mit dem Gerät. Dann synchronisiert man seine Musik und kann sofort loslaufen, mit den Songs seiner Spotify-Playlists auf dem Mighty. Um noch mehr Songs auf den Mighty zu laden, wiederholt man den Synchronisationsvorgang einfach.

fullscreen
Der Mighty ist stabil und haltbar konstruiert. (©Mighty Audio 2016)

Smartphone funktioniert beim Mighty wie Fernsteuerung

Das Smartphone fungiert bei Mighty wie eine Fernsteuerung, einen eigenen Screen hat das Gerätchen nicht. Wäre auch mega-fummelig, etwa mit schweißnassen Fingern oder gar mit Fäustlingen auf einem Mini-Display herumtippen zu wollen. Die Songs werden dabei nicht auf dem Smartphone gespeichert, sondern können ferngesteuert direkt aus dem Web aufs Gerät geladen werden. Da die Synchronisation per WLAN läuft, geht dieser Vorgang auch recht schnell. Wenn man dann Musik hören will, drückt man nur noch auf Play – und das Gerät spielt den ersten Song von der ersten Playlist automatisch ab. Und danach auch alle anderen in dieser Reihenfolge. Laut Hersteller soll es auch problemlos möglich sein, von einer Playlist zur nächsten zu navigieren, denn das Gerät kann dem Besitzer die Namen der Listen vorlesen.

Nicht unwichtig: Wie lange hält der Akku? Die Hersteller sagen, dass Mighty jetzt schon in der Lage sein soll, mindestens fünf Stunden Musik zu spielen. Nach dem Versand der ersten Geräte haben sich die Mighty-Macher aber das ambitionierte Ziel gesetzt, die Spieldauer durch Verbesserungen an der Software weiter zu steigern. Mehr als zehn Stunden sind das Ziel – ohne dabei das Gerät selbst zu modifizieren. Die Software-Updates kommen natürlich auch denen zugute, die das Gerät dann bereits besitzen. Die Verbesserung der Akkuleistung ist jedenfalls eines der wichtigen Ziele der Macher. Das Laden des Akkus mit 250 mAh soll nicht mehr als 45 Minuten dauern.

fullscreen
Das Streaming-Gerät Mighty wird mit der App ferngesteuert. (©Mighty Audio 2016)

Mighty kommt ohne Kopfhörer

Ausgeliefert wird Mighty ohne Kopfhörer, da die meisten mobilen Musik-Fans ohnehin ihr Lieblings-Headset verwenden. Es lassen sich auch kabellose Bluetooth-Kopfhörer mit dem Gerät koppeln. Was die Nutzer wollen, haben die Mighty-Macher herausgefunden, indem das Team zahlreiche Laufveranstaltungen rund um Los Angeles besucht und dann mit den Sportlern dort gesprochen hat. Die meisten benutzen ihr Smartphone und haben den iPod schon vor langer Zeit in der Schublade verschwinden lassen. Kabel sind allgemein sehr unbeliebt – und Musik herunterladen ist gegenüber dem Streaming völlig außer Mode gekommen.

Das Team hinter dem Mighty besteht aus dem Chef Anthony Pu, der seit acht Jahren in der Musikbranche tätig ist. Zusammen mit sechs anderen Ingenieuren und Produktmanagern wurde das Gerät aus der Frustration heraus geboren, dass man eben immer sein Smartphone dabei haben muss, um Musik hören zu können. Das Mighty-Team lebt und arbeitet im Großraum Los Angeles.

Ziel sind 250.000 US-Dollar

Ziel ist es jetzt, per Kickstarter 250.000 US-Dollar zu sammeln, um die Massenproduktion anstoßen zu können. Damit soll die erste Charge der Geräte hergestellt werden, die bereits im November dieses Jahres an die Kunden ausgeliefert werden könnten. Im Grunde geht es jetzt also um einen Kredit, mit dem die Produktion des Mighty vorfinanziert werden kann. Die Voraussetzungen sehen bislang nicht so schlecht aus. Momentan steht das Spendenkonto bei knapp 197.000 US-Dollar und es sind noch 20 Tage bis zum Ende des Finanzierungszeitraums. Wer sich beteiligen möchte, kann etwa für 79 Dollar plus 25 Dollar Versandkosten einsteigen und einen Player erstehen – was sich momentan definitiv nur anbietet, wenn man einen Spotify-Account hat oder sich einen zulegen will.

Ich denke, Mighty ist eine gute Idee: Auch ich bin kein Fan davon, immer das Smartphone mitzuschleppen, etwa beim Radfahren. Neben der Bruchgefahr besteht auch durch Schweiß und Regen ein deutliches Risiko, sodass ein kleineres Gerät, das wasserfest ist und an der Kleidung getragen werden kann, durchaus eine gute Alternative darstellen mag. Und wenn die Macher wie zugesagt weitere Streaming-Anbieter hinzufügen, wird die Sache noch attraktiver.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben