Kolumne

TURN ON Innovation: Mit Archisketch Räume messen & digitalisieren

Archisketch verwandelt leere Zimmer in 3D-Modelle.
Archisketch verwandelt leere Zimmer in 3D-Modelle. (©Archisketch 2017)

Wer umziehen und eine neue Wohnung einrichten will, steht meist in den noch leeren Räumen und fragt sich: Wo sollen bloß die ganzen Möbel hin? Teils kostenlose Smartphone-Apps helfen bei der Digitalisierung der Räume und beim Planen. Aber: Auf Kickstarter gibt es jetzt ein kleines Gerät, mit dem das alles viel genauer und schneller gehen soll.

Mit dem Kickstarter-Projekt Archisketch soll das Vermessen und Digitalisieren von Räumen und Wohnungen viel besser klappen, als bisher nur mit einer App im Alleingang. Herzstück des Gerätes ist ein Laser-Sensor, der beim Ausmessen der Räume hilft. Dabei soll das System einerseits sehr genau und andererseits sehr gründlich sein, versprechen die Hersteller. Und man kann auch eine VR-Version generieren, mit der man dann per VR-Brille schon einmal durch die Räume wandern kann.

Hersteller versprechen genaue Messungen schnell & einfach

Ich habe schon öfter versucht, alleine mit App und Smartphone meine Wohnung einzuscannen. Aber erstens sind die verfügbaren Apps eben dann doch nicht so genau, es gibt Bedienungsprobleme und am Ende versteckte Kosten. Ich jedenfalls bin dann wieder beim Zeichenprogramm gelandet und habe meinen Grundriss selber erst händisch ausgemessen und dann elektronisch aufgepinselt. Mit Archisketch soll das jetzt alles besser, schneller und einfacher werden. Die Macken der App-Alone-Variante sollen mit dem Zusatzgerät ausgebügelt werden, und die Hersteller versprechen genaue Messungen von Strecken, Gebieten und Grundrissen von Innenräumen.

Das eigentliche Gerät ist im Grunde eine Art Aufsatz für ein Smartphone. Zum Messen wird das Gerät aufs Handy gesteckt  und per App werden die Ecken eines Raumes mit dem Laserstrahl markiert – und die Software berechnet dann ein VR-Modell davon.  Der verwendete Laser kann dabei Distanzen von bis zu 40 Metern vermessen. Kleiner Haken: Bislang sind nur recht wenige Smartphone-Modelle mit dem Gerät kompatibel. Dazu gehören die iPhone-Modelle von 6s bis iPhone 8 und von Samsung die Galaxy-Modelle S7 und S8. Weitere Smartphones sollen laut Hersteller folgen, aber man sollte darauf gerade bei bestimmten älteren Modellen keine großen Summen wetten.  Allerdings haben die Hersteller Mitte Oktober angekündigt, dass in Sachen Kompatibilität demnächst eine große Ankündigung folgt – was auch immer das bedeuten mag.

 Das Smartphone wird ins Gerät geschoben und per USB verbunden. fullscreen
Das Smartphone wird ins Gerät geschoben und per USB verbunden. (©Archisketch 2017)

Eine Planungs-App gibt's kostenlos dazu

Neben der Laser-Messung funktioniert natürlich auch die herkömmliche Methode per App, bei der Ecken und bestimmte wichtige Punkte im Raum markiert werden. Das Programm berechnet daraus dann einen Grundriss, dem man zum Planen nutzen kann. Die nötige App gibt's natürlich kostenlos dazu. Der Archisketch Web Editor hat eine Beta-Phase absolviert, an der sich über 100.000 Nutzer weltweit beteiligt haben. Das Planungsprogramm wird nahtlos in die App eingebaut, sodass auch Möbel in wenigen Minuten per Fingertipp hinzugefügt werden können.

Besonderes Highlight der Software zum Gerät soll aber die VR-Fähigkeit sein. Per VR-Brille kann ich dann die frisch eingerichteten Räume schon mal ansehen, als ob ich selber durch die Wohnung spaziere. Das hört sich nicht nur faszinierend an, sondern hat vor allem auch einen praktischen Nutzen, weil es viel schweißtreibendes Möbelrücken ersparen kann. Die Hersteller versprechen zudem, dass das alles in wenigen Minuten gehen soll. Außerdem ist es möglich, dass bereits bestehende 3D-Modelle in das Programm importiert werden, ebenso wie die 3D-Versionen eigener Möbelstücke.

 Die Erfinder des Geräts sind Architekten. fullscreen
Die Erfinder des Geräts sind Architekten. (©Archisketch 2017)

Macher von Archisketch sind frustrierte Architekten

Die Macher des Geräts sind übrigens unter anderem Architekten, die aus Frustrationserlebnissen bei ihrer Arbeit aktiv geworden sind. Erstens laufen auch Fachleute ständig durchs Gebäude um jede Ecke einzeln zu vermessen – was sehr ineffektiv und teuer ist. Und dann ist vor allem das Erstellen von räumlichen 3D-Modellen eine ebenfalls kostspielige Angelegenheit. In Archisketch stecken laut den Erfindern unzählige Stunden der Erforschung von bereits bestehenden Lösungen.

Die Idee kommt bei den Nutzern bislang recht gut an, die Finanzierungsschwelle von 30.000 Dollar ist mit gut 100.000 Dollar locker übersprungen, und noch sind es 36 Tage bis zum Ende des Zeitraums. Da dürfte also noch so einiges eintrudeln. Wer mitmachen will, kann noch zum Preis von 119 Dollar einsteigen. Die Versandkosten betragen 20 Euro, sodass am Ende dann 139 Dollar auf Rechnung stehen. In Euro sind das mit Steuern vielleicht knapp 150 und somit bezahlbar. Wer öfter mal was zu messen hat oder ein Umzugs-Weltmeister ist, sollte sich Gedanken machen, hier einzusteigen.

Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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