Kolumne

TURN ON Innovation: Mit Tapdo alles im Handumdrehen steuern

Wenn das Licht smart ist, kann man es mit Tapdo ausschalten.
Wenn das Licht smart ist, kann man es mit Tapdo ausschalten. (©Tapdo 2017)

Das deutsche Startup Tapdo hat sich jetzt mit dem gleichnamigen Smart-Button auf die Finanzierungsplattform Kickstarter gewagt. Der smarte Button ist in der Lage, etliche Funktionen auf etlichen Geräten zu steuern. Dazu haben die Macher einen Fingerabdrucksensor auf eine etwas ungewöhnliche Art benutzt.

Der Start bei Kickstarter für Tapdo läuft nicht schlecht. Ich habe die Macher des smarten Buttons auf der CeBIT 2017 getroffen und niemand konnte einschätzen, ob die Idee in der Kickstarter-Community ankommen wird. Kurz nach dem Start der Finanzierung sieht es aber ganz gut aus: Gut 17.000 Euro sind in der Kriegskasse, es gibt immerhin schon 155 Unterstützer und das Ende des Finanzierungszeitraums ist erst in 36 Tagen. Da kann also noch was zusammenkommen.

Tapdo: Prototyp auf der CeBIT 2017 gezeigt

Wie bei vielen anderen Projekten auf Kickstarter auch nutzen die Tapdo-Macher aus Münster um den Jungunternehmer Markus Sudhoff die Plattform vor allem als Marketing-Instrument und um die Produktion anzustoßen. Finanziert und auch entwickelt ist Tapdo schon komplett, auf der CeBIT 2017 konnte Sudhoff einen voll funktionsfähigen Prototyp vorzeigen. "Jetzt geht es nur noch darum, die Massenproduktion anzustoßen. Dafür vor allem ist das bei Kickstarter gesammelte Geld gedacht", sagt der Tapdo-Chef.

Jetzt zum Button: Die Idee hinter dem smarten Schaltknopf ist, dass viele Menschen heute zahlreiche Geräte um sich herum haben, die alle irgendwie bedient und gesteuert werden wollen: Die Smart Home-Beleuchtung, die Musik auf dem Smartphone, der Film auf dem Fernseher oder vielleicht einfach auch einen Anruf entgegennehmen oder ein Foto machen und im Notfall das Telefon finden. Es gibt auf dem Markt bislang keinen – auch tragbaren – Button, der sich für alle diese Funktionen gleichzeitig konfigurieren lässt – außer eben demnächst Tapdo.

 Tapdo arbeitet mit einer App zusammen und kann am Armband getragen werden. fullscreen
Tapdo arbeitet mit einer App zusammen und kann am Armband getragen werden. (©Tapdo 2017)

Smart Home-Button kann über 20 Aktionen speichern

Die Macher des Buttons nutzen dazu einen normalen Fingerabdrucksensor, wie er in vielen Smartphones eingebaut ist. Dort allerdings wird in der Regel nur Bereich zur Authentifizierung verwendet – nämlich die Fingerspitze. Die Tapdo-Leute benutzen nun für andere Funktionen auch weitere Segmente der Hand, nämlich die einzelnen Fingerglieder. Die Haut darauf ist ebenso charakteristisch und einzigartig wie die auf den Fingerspitzen und somit zur Authentifizierung geeignet – und eben auch verschiedenen Aktionen und Funktionen einzeln zuordenbar. Das bedeutet, man löst mit der Spitze des Zeigefingers eine andere Aktion aus, als wenn man etwa mit dem Mittelsegment des Fingers über den Sensor streicht. So effektiv ausgenutzt sind dann auf dem Smart Home-Button pro Hand 13 Aktionen speicherbar, bei zwei Händen sind das dann auf jeden Fall über 20 und mehr.

Gesteuert wird das Ganze natürlich per App. Dort werden die Fingerabdrücke gespeichert und sind mit entsprechenden Aktionen verknüpfbar. Momentan gibt es schon etliche andere Apps, die mit Tapdo zusammenarbeiten. Etwa der Media-Player Kodi, das Beleuchtungssystem Hue von Philips oder auch verschiedene Musik-Player wie etwa Google Music. Bis zum Start sollen noch andere wichtige Apps dazukommen, wie etwa Sonos, Logitech Harmony oder das IFTTT-System. Für den Erfolg von Tapdo dürfte es entscheidend sein, dass der Button mit möglichst vielen Apps anderer Anbieter zusammenarbeitet.

 Mit dem smarten Button Tapdo lassen sich viele Geräte steuern. fullscreen
Mit dem smarten Button Tapdo lassen sich viele Geräte steuern. (©Tapdo 2017)

Tapdo soll von Hunderten Apps verstanden werden

Die Tapdo-Macher haben hier schon Vorarbeit geleistet, und Sudhoff sagt auch zu, dass das weiter passieren wird: "Unser Ziel ist es, möglichst viele andere Apps mit unserer App ansteuern zu können. Dazu gibt es für Programmierer eine sogenannte Schnittstelle, die das ermöglichen soll." Am Ende sollen die Befehle der Tapdo-App möglichst von hunderten anderer Apps verstanden werden. Woher die Tapdo-App dann diese Befehle bekommt, etwa von dem jetzt neuen Smart Button oder einem ganz anderen Eingabegerät, ist eher zweitrangig. Ziel ist es, dass das Tapdo-Universum nach und nach wächst, sodass sich per Smartphone viele Funktionen auch verschiedener Apps mit nur einem Button auslösen lassen.

Der Button an sich kommuniziert per Bluetooth mit dem Smartphone, kann per Armband am Handgelenk oder am Clip getragen werden – den die Macher automatisch beilegen, sollten es mehr als 100.000 Euro bei der Finanzierung werden. Innen drin versorgt eine Standard-Knopfzelle die Elektronik mit Strom. Außerdem gibt es einen kleinen Vibrationsmotor, der dann in Aktion tritt, um auf eine Aktion Feedback zu geben, etwa wenn ein Befehl akzeptiert wurde oder auch nicht.

Funktionen müssen erst gelernt werden

Natürlich, und ich finde, dass man das bedenken sollte, gibt's bei Tapdo eine gewisse Lernkurve zu bewältigen. Da sich so viele Funktionen im Handumdrehen auslösen lassen, muss man auch lernen, welche das sind und mit welchem Fingerglied man was steuert. Besonders zu Beginn wird es da Verwechslungen geben, das ist für mich keine Frage. Doch wer das erst einmal intus hat, für den geht dann vieles leichter. Und man muss dann eben mit dem smarten Button am Clip nicht länger das Smartphone herausholen, sondern berührt einfach den Sensor, um beispielsweise das Licht romantisch zu dimmen. Wer jetzt einsteigt, ist in Deutschland ab 114 Euro dabei und kann im September mit dem Button rechnen.

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