Kolumne

TURN ON Innovation: Per Smartphone in 3D filmen und skypen

Dank SLY3D kann man 3D-Filme mit dem Smartphone drehen.
Dank SLY3D kann man 3D-Filme mit dem Smartphone drehen. (©SLY3D 2015)

Mit einem einfachen und recht preiswerten optischen Adapter hochwertige 3D-Videos machen, die auf Virtual Reality-Brillen wie Google Cardboard und Oculus Rift laufen? Hört sich wie ein frommer Wunsch an, ein kleines Kickstarter-Projekt will das aber ermöglichen.

Der 3D-Hype ist zwar mittlerweile etwas abgeklungen, aber ein junger Kanadier hat jetzt ein spannendes Projekt bei Kickstarter am Laufen. Mit SLY3D soll man in der Lage sein, mit jedem Smartphone tolle räumliche Videos zu machen, die etwa auf Brillen wie Google Cardboard funktionieren. Zusätzlich verspricht der Erfinder Dustin Larsen aus Vancouver, dass man mit seinem Gerät sogar 3D-Fernseher mit Material versorgen oder Skype nutzen kann. Und das Ganze lässt sich per 3D-Drucker sogar selber ausdrucken. Hört sich nach einem spannenden Plan an, aber funktioniert das auch?

SLY3D: Ein Kasten mit Linsen zaubert räumliche Filme

Zunächst einmal das Gerät selber: Es handelt sich um eine Art Kasten mit einer Optik, in den man sein Smartphone legt – ganz ähnlich wie auch bei Google Cardboard, nur dass das Gerät jetzt Filme aufzeichnet. Durch die Linsen und Spiegel im SLY3D wird ein Doppelbild erzeugt, wodurch beim Betrachten später der räumliche Eindruck entstehen kann. Ganz wie beim richtigen Sehen, wo das stereoskopische Prinzip der Augen für die Räumlichkeit verantwortlich ist.

Das vom Gerät erzeugte Doppelbild wird per Smartphone aufgezeichnet und kann dann sofort nach Ende des Drehs mit entsprechenden 3D-Brillen und anderen Virtual Reality-Geräten betrachtet werden. Es soll auch möglich sein, Skype oder FaceTime zu benutzen, wenn das Gegenüber ein passendes Empfangsgerät hat. Natürlich spannend, wenn man nicht länger nur das platte Bild sieht, sondern einen räumlichen Eindruck hat. Und der kanadische Bastler hat eine weitere Anwendungsmöglichkeit im Kopf, die den einen oder anderen interessieren könnte: Man kann erotischen Schlafzimmer-Content in 3D filmen.

Ursprünglich sei das Projekt für Google Cardboard geplant gewesen, verrät Erfinder Dustin Larsen auf der Kickstarter-Seite. Aber mit einigen brandaktuellen Anpassungen sei es jetzt auch möglich, andere Geräte damit zu versorgen, etwa die Oculus Rift-Brille oder auch 3D-Fernseher. Auf Google Cardboard aber seien die Ergebnisse schon spektakulär genug, verspricht der Kanadier, der selber für ein anderes Projekt ein 3D-Video drehen wollte. Nach einigen Recherchen wurde ihm klar, dass das in 4K UHD eine recht kostspielige und vor allem aufwendige Angelegenheit werden würde, und es musste eine eigene mobile Lösung her.

Erfinder nutzt sein Gerät selber täglich

Da Smartphones grundsätzlich leistungsfähige Minicomputer mit ebenso guten Kameras sind, entschloss sich Larsen auf das zu setzen, was er bereits besaß: sein Smartphone. Nach etwa zwölf Monaten Arbeit war das Gerät fertig – aber zunächst nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Als dann aber immer mehr Interessenten wissen wollten, wie Larsen seine 3D-Videos macht, entschloss er sich dazu, das Gerät öffentlich anzubieten. Dass das Gadget bereits im Einsatz ist und nun in etwas größeren Stückzahlen hergestellt werden soll, stellt sicher, dass es auch funktioniert. Das finde ich gut, da es gleich Vertrauen schafft.

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Die Baupläne für SLY3D: Wer will, kann sich das Gerät auch selber ausdrucken. (©Dustin Larsen 2015)

Das in diesem Fall niedrige Finanzierungsziel von 2.500 kanadischen Dollar wurde locker genommen, denn 38 Tage vor dem Ziel sind schon über 3.000 Dollar zusammengekommen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die Zahl der Unterstützer noch beträchtlich wachsen dürfte, bevor Anfang Februar 2016 die Finanzierung abgeschlossen ist. Sollten über 50.000 Dollar zusammenkommen, will Dustin Larsen eine Plastik-Gussform erstellen, um sein Gerät auch in Massenproduktion fertigen zu lassen. Wenn nicht, gibt's die coolen Kästen nur aus seinen eigenen 3D-Druckern in Vancouver. Den Zusammenbau muss man dann selber erledigen. Die Dateien und das optische Zubehör schickt Larsen zu – diese Prämie kostet 99 Dollar.

Kickstarter SLY3D fullscreen
Kickstarter SLY3D fullscreen

Versionen unterscheiden sich in Sachen Ausstattung

Es wird vom SLY3D mehrere physische Versionen geben, die sich vor allem durch die Ausstattung unterscheiden. Das Grundmodell wird ergänzt um einige Adapter und spezielle Linsen, mit denen sich die räumlichen Videos schnell betrachten lassen. Oder aber man erhält einen Akku und eine leistungsfähige USB-Leuchte, um auch bei schwachem Licht filmen zu können. Die Leuchte ist ins Gerät integrierbar. Die kleinste Variante kostet 159 kanadische Dollar, die teuerste 344 Dollar. Finanziers aus Deutschland müssen noch 65 Dollar an Versandkosten hinzuaddieren – und Zoll sowie Umsatzsteuer, was sich prozentual nach dem Warenwert richtet. Man kann aber mit etwa gut 200 Euro ein interessantes Gerät bekommen, mit dem sich 3D-Videos per Smartphone einfach erstellen lassen.

Ich finde die Idee gut und auch die ehrliche Umsetzung. Das Gerät aus dem 3D-Drucker hat sich im Einsatz bewährt und der findige Bastler macht keine leeren Versprechen, die dann doch nicht eingehalten werden. Der Preis ist natürlich auch wegen der Versand- und Zollgebühren recht hoch, aber alles andere wäre derzeit noch wesentlich teurer.

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