Kolumne

TURN ON Innovation: PITTA, die autonome Drohnen-Action-Kamera

Die Kamera-Drohne PITTA hat viele Funktionen.
Die Kamera-Drohne PITTA hat viele Funktionen. (©eyedea 2017)

Eine Drohnen-Action-Kamera, die autonom fliegen, Selfies machen und als fernsteuerbare Überwachungskamera eingesetzt werden kann? Hört sich erst einmal etwas abgedreht und nach eierlegender Wollmilchsau an, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen als cleveres Gerät, das zudem über einige ganz beachtliche technische Daten verfügt.

Also erst einmal zu den technischen Daten – bei Kameras – auch wenn sie fliegen können – ist das ja nicht unwichtig. Die in dem Kickstarter-Projekt PITTA eingebaute Optik kann Videos in 4K mit 30 Vollbildern pro Sekunde aufnehmen. Möglich ist aber auch das Filmen mit 60 Bildern pro Sekunde und dann auch in Zeitlupe, aber nur mit Full-HD in 1080p. Einzelbilder macht die Kamera mit nicht besonders reichlichen 13 MP, was aber für qualitativ hochwertige Bilder und im Überwachungsmodus meines Erachtens nach ausreicht.

Kamera kann auch aufs Fahrrad geschraubt werden

Aber Moment mal, fliegende Action-Kamera – wie genau geht das denn nun? PITTA kann zunächst mal als stinknormale Kamera verwendet werden, die etwa auf ein Stativ geschraubt oder auch nur in der Hand gehalten Bilder und Filme macht. Sie kann dank eines normalen Stativgewindes aber überall dort raufgeschraubt werden, wo ein Gewinde passt – etwa auf eine entsprechende Fahrradhalterung, die aber mitgeliefert wird. Grundsätzlich passen genormte Stativgewinde aber bei vielen Dingen, das ist sehr praktisch.

 Per Stativgewinde ist die Montage am Fahrrad kein Problem. fullscreen
Per Stativgewinde ist die Montage am Fahrrad kein Problem. (©eyedea 2017)

Als Action-Kamera eingesetzt kann PITTA etwa 100 Minuten pro Akkuladung Videos in 4K mit 30 Vollbildern pro Sekunde aufnehmen. Auf die fest eingebauten 32 GB internen Speicher passen allerdings sogar etwa zwei Stunden, sodass in jedem Fall der austauschbare Energiespeicher leer ist, bevor der Speicherplatz zur Neige geht. Zusätzliche Speicherkarten können übrigens nicht benutzt werden. Die Action-Cam hat noch einige optische Leckerbissen, die natürlich auch in anderen Modi eingesetzt werden können: Man kann kreisrunde Aufnahmen machen, 360-Grad-Panoramabilder, Zeitlupe, Zeitraffer und Schnappschüsse. Ein elektronischer Bildstabilisator soll gegen Verwackler helfen.

 Im heimischen Einsatz sitzt das Gerät in einer Ladeschale. fullscreen
Im heimischen Einsatz sitzt das Gerät in einer Ladeschale. (©eyedea 2017)

Ladeschale für den Einsatz zu Hause

Es gibt aber für PITTA auch eine kleine Ladeschale, in der die Kamera dann sitzt und mit Strom versorgt wird, wenn sie als Überwachungs-Optik tagsüber für Wohnungen und Häuser im Einsatz ist, um nach dem Babycam-Prinzip auf Kinder und Haustiere mal einen Blick werfen zu können. Oder aber man will sich auf der Arbeit einfach nur sein Ferienhaus oder den prächtig blühenden Garten ansehen. Die Kamera lässt sich wie eine IP-Kamera ins Hausnetz einbinden und streamt Bilder und Filme beispielsweise aufs Smartphone, wo immer man auch gerade ist. Eine Internetverbindung muss man aber natürlich haben ...

Die sicher spannendste Funktion kommt per Propeller-Modul. Steckt man die vier kleinen Rotoren auf die Kamera, verwandelt sich das Gerät in eine laut dem Hersteller ziemlich smarte Kamera-Drohne. Das Gerät kann bis zu 15 Minuten in der Luft bleiben, der Akku – leider kein Standardmodell – ist wechselbar, wodurch man die Flugzeit theoretisch beliebig verlängern kann – mit Zwischenlandungen natürlich. Das Laden des Akkus soll laut Hersteller 40 Minuten dauern. Das Gerät verfügt über Sensoren, die den Hubschrauber stabil halten. Die Steuerung erfolgt per App, dort ist eine Erkennungssoftware für Personen eingebaut. Einmal auf eine bestimmte Person geeicht, folgt die Kamera dieser und filmt dabei ständig mit.

Erkennung funktioniert, Person muss sich langsam bewegen

In den Test-Videos des Herstellers kann man gut erkennen, dass die Erkennung funktioniert, aber die erkannte Person bewegt sich dabei sehr langsam. Wie schnell man sich bewegen darf, damit Erkennung und Nachverfolgung nicht aus dem Tritt geraten, ist nicht ganz klar. Für mich sieht es aber so aus, als sei das Tempo doch eher begrenzt. Für sportliche Aktivitäten wie Reiten oder Radfahren ist die Software womöglich doch etwas zu langsam. Die Entfernung zwischen dem Steuer-Smartphone und der Drohne kann maximal 20 Meter betragen und die Entfernung zur getrackten Person ist auch auf einige Meter begrenzt. Sollte PITTA beim Filmen eine Person verlieren, dann stoppt sie in der Luft und rotiert um die eigene Achse, um die Person wiederzufinden. Sollte das nicht gelingen, bis der Akku leer ist, landet PITTA dank Ultraschall sanft und lässt sich mit eingebauten GPS-Sensoren auch lokalisieren, versprechen die Hersteller.

Gesteuert wird die ganze fliegende Pracht natürlich per App, Streams werden zum Handy gesendet und auch Bilder und Videos können dorthin übertragen werden. Man bedient das Gerät mit der App und kann auch Flugeinstellungen wie etwa die Höhe steuern und die Auto-Verfolgung ein- und ausschalten. Und natürlich lässt sich die Drohne auch richtig steuern und der Ladezustand der Batterie ablesen.

 Die fliegende Kamera wird per App gesteuert. fullscreen
Die fliegende Kamera wird per App gesteuert. (©eyedea 2017)

Kamera hat ein durchdachtes und schlüssiges Konzept

Auf mich wirkt das Konzept, auch der Module wegen, sehr durchdacht und schlüssig. Die Hersteller haben zwischen Gewicht und Leistung anscheinend einen guten Mittelweg gefunden, auch die fotografischen Werte und die Akkulauf- und -ladezeit können sich durchaus sehen lassen. In der Kickstarter-Gemeinschaft ist das Gerät gut angekommen und natürlich schon finanziert. Gefordert waren 50.000 US.Dollar, gesammelt wurden bislang über 222.000 Dollar, und noch bleiben 37 Tage bis zum Ende des Finanzierungszeitraums.

Bleibt die Frage nach dem Preis: In die Finanzierung einsteigen kann man derzeit für das komplette Paket mit allem Drum und Dran für etwa 280 Euro inklusiver Versand. Mit Steuern und Zoll können daraus sicher circa 330 Euro werden. Hier kommt es immer darauf an, ob der Zoll das Paket herausfischt und wie der Preis tatsächlich angesetzt wird. Unterm Strich finde ich 330 Euro für eine fliegende Kamera nicht überteuert.

Innovation
Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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