Kolumne

TURN ON Innovation: Prynt macht Smartphone zur Sofortbildkamera

Prynt verwandelt ein Handy in eine Sofortbildkamera.
Prynt verwandelt ein Handy in eine Sofortbildkamera. (©Prynt 2017)

Sofortbildkameras sind irgendwie "in". Nachdem Polaroid 2008 praktisch pleite war und keine Filme mehr für seine Kamera hergestellt hat, sind in letzter Zeit wieder verstärkt digitale Kameras auf den Markt gekommen, die auch eine Sofortbildfunktion haben. Und jetzt sucht ein Zusatzgerät für Android-Smartphones, das Bilder sofort ausdrucken kann, nach Geldgebern.

Prynt Pocket heißt das Kickstarter-Projekt, mit dem sich jetzt auch Android-Handys in Sofortbildkameras verwandeln lassen sollen. Es gibt bereits eine Pocket-Version für iOS und ein größeres Prynt Case, das bereits normal verkauft wird, aber 2014 ebenfalls per Kickstarter finanziert wurde. Nachdem die Pocket-Version erst für iOS auf den Markt gekommen war, ist jetzt auch – endlich – Android an der Reihe.

Prynt ist einfach & schnell: Ritsch-ratsch-klick

Die Erfinder versprechen, dass man nur sein Smartphone ins Gerät stecken muss, ein Foto macht und in Sekunden das Bild ausdrucken kann. Hintergrund: Auf jedem Smartphone sind tausende von Bildern quasi in einem digitalen Gefängnis gespeichert, die nie das reale Licht der Welt erblicken. Mit Prynt sollen diese Bilder zurück ins Leben gebracht werden. Aber: Das geht einstweilen nur für Android-Geräte und längst nicht für alle. Der Hersteller hat eine Kompatibilitätsliste veröffentlicht, mit er man prüfen kann, ob das eigene Modell geeignet ist. Grundsätzlich wird ein USB-C-Anschluss benötigt.

 Prynt für Android: Einfach auf das Smartphone stecken. fullscreen
Prynt für Android: Einfach auf das Smartphone stecken. (©Prynt 2017)

Prynt ist im Grunde ein kleiner Drucker, der sich direkt ans Smartphone anschließen lässt. Mit einer App kannst Du ein geschossenes Foto bearbeiten und dann direkt und schnell ausdrucken. Dafür wird Spezialpapier in einer Kassette verwendet, ähnlich wie auch beim herkömmlichen Polaroid-Verfahren. Mit der App kann man natürlich noch alle möglichen Spielereien einbauen, Sticker hinzufügen und Videos einbetten – die sich natürlich auch wieder nur digital verschicken und speichern lassen. Aber Hersteller füllen mit diesen Funktionen gerne ihre ansonsten etwas leeren Feature-Listen auf... Hier handelt es sich um eine "Augmented-Reality-Funktion", die es möglich macht, ein Video im Hintergrund von einem Foto ablaufen zu lassen.

Das ist praktisch: Gerät hat einen Auslöseknopf

Das Prynt-Zusatzgerät besteht hauptsächlich aus dem Papierfach, aus einem Handgriff mit rutschfester Silikonoberfläche, einem eingebauten Akku und einem Auslöseknopf. Ich freue mich über die Möglichlichkeit, die Kamera mit einem zusätzlichen Knopf auszulösen. In vielen Situationen ist das nämlich viel praktischer, als auf dem Bildschirm herumzufummeln. Das Gerät hat natürlich auch eine Ladebuchse und wiegt mit Akku knapp 180 Gramm. Die Abmessungen sind mit knapp 90 x 60 Millimetern immer noch recht kompakt.

 Das Fotografieren soll ganz einfach sein. fullscreen
Das Fotografieren soll ganz einfach sein. (©Prynt 2017)

Bestückt wird das Gerät mit "Zink"-Papier. Der Begriff kommt von "Zero Ink", was bedeutet, dass keinerlei Tinte oder Toner verwendet werden. Sondern: Das Papier ist von sich aus in der Lage, Farben anhand verschiedener Temperaturimpulse darzustellen. Das Bild wird erst in Temperaturen umgerechnet, dann das Fotopapier damit belichtet und so wieder ein sichtbares Bild erzeugt. Das dauert bis zum fertigen Foto etwa 30 Sekunden. Zink-Papier wird übrigens von einem Tochterunternehmen des Sofortbildherstellers Polaroid hergestellt. Jedes Prynt-Paket wird mit zehn Stück Zink-Papier in der Größe von rund 50 x 76 Millimetern ausgeliefert – 2 x 3 Zoll – das auch über den Hersteller per App nachbestellbar ist. Natürlich ist es ebenso möglich, das Papier separat zu ordern, ein spontaner Preisvergleich zeigt allerdings, dass es derzeit kaum günstigere Angebote gibt.

Aber Vorsicht: Das Fotopapier ist teuer

Wer sich für die Idee begeistern kann, ist derzeit mit 129 US-Dollar inklusive Versandkosten mit von der Partie. Mit Steuern dürften am Ende etwa 150 Euro auf der Rechnung stehen. Bedenken muss man natürlich, dass der Papiernachschub immer kostet. Für 100 Blatt muss man etwa knapp 90 Euro kalkulieren. Ein Bild kostet also locker mal eben 90 Cent – und das nicht gerade in Postergröße. Es ist in jedem Fall deutlich billiger, herkömmliche Abzüge seiner Fotos zu ordern. Das geht nur eben nicht sofort. Die laufenden Kosten schrecken die Finanziers aber scheinbar nicht ab. Bislang ist die Finanzierungsschwelle von 50.000 US-Dollar - auch die ist natürlich nur pro forma vorhanden, das Projekt ist längst finanziert und ist aus Marketinggründen bei Kickstarter – schon knapp erreicht. Und es sind noch 29 Tage bis zum Ende der Kampagne.

 Fotopapier wird mitgeliefert, kann aber einfach nachbestellt werden. fullscreen
Fotopapier wird mitgeliefert, kann aber einfach nachbestellt werden. (©Prynt 2017)

Ich finde dieses Projekt trotz der hohen laufenden Kosten fürs Fotopapier nicht unwitzig. Fast jeder hat heutzutage eine mehr als brauchbare Kamera in der Tasche – mit seinem Smartphone. Sich da, wenn man mal Sofortbilder machen möchte, extra eine weitere und meistens nicht besonders gute Knipse zuzulegen, ist überflüssig. Aber so ein Zusatz, in dem auch keine Tinte eintrocknen kann, wenn das Gerät länger nicht benutzt wird, macht schon Sinn. Und allzu teuer ist Prynt Pocket ja auch nicht.

Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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