Kolumne

TURN ON Innovation: Remidi T8 – Zauber-Handschuh für Musiker

Kinder spielen gerne Luftgitarre vor dem Spiegel und fühlen sich als großer Rockstar. Mit dem Kickstarter-Projekt Remidi wird aus dem stummen Spaß echte Musik: Per Handschuh lassen sich nicht nur viele verschiedene Instrumente spielen, sondern man kann sich auch als DJ betätigen und wie auf dem Plattenteller scratchen.

Die Macher von Remidi, die derzeit auf Kickstarter nach Investoren suchen, bezeichnen ihr Produkt T8 als das erste Musikinstrument der Welt, das ein Wearable ist. Mit dem Handschuh Remidi soll man in der Lage sein, praktisch jedes Instrument überall zu spielen, aufzunehmen und die Songs und Samples zu bearbeiten. Möglich machen das Sensoren in den Fingern und in der Handfläche sowie ein Steuergerät am Armband. Damit soll man Effekte wie Echo und Reverb per Gesten steuern können. Faszinierend finde ich besonders die Vorstellung, dass ein Keyboarder mit seinen Fingern in die Luft hämmert und dabei die heißesten Songs spielen kann.

Sensoren in den Fingerspitzen

In den Fingerspitzen des musikalischen Handschuhs stecken acht druckempfindliche Sensoren, die einzeln programmierbar sind, um neue, eigene Sounds zu erschaffen und bestehende neu abzumischen. Die Bearbeitung der Songs geschieht per Gestensteuerung, mit der die einzelnen Effekte kontrolliert werden können. Remidi T8 ist vor allem für Musiker, Discjockeys und Live-Künstler gedacht, die ihre Hand in ein völlig neuartiges Musikinstrument verwandeln wollen, schreiben die Erfinder bei Kickstarter. Klar, das ist keine Erfindung für jedermann, aber dafür umso faszinierender.

 Der Remidi T8: Das Material ist strapazierfähiges Spandex – wie etwa Ski-Hosen. fullscreen
Der Remidi T8: Das Material ist strapazierfähiges Spandex – wie etwa Ski-Hosen. (©Remidi 2016)

Der T8-Handschuh wird aus besonders leichtem Spandex-Material hergestellt, um den Fingern eine maximale Beweglichkeit zu geben. Das musikalische Wearable soll etwa 630 Gramm wiegen und ist mit einer Oberfläche von 8 x 10 Zoll so geschaffen, dass sowohl kleine Hände als auch Riesenpranken prima reinpassen – versprechen die Macher. Das elastische Material soll sich jedenfalls perfekt an die Hand anpassen, so die Zusicherung der Erfinder.

Musik aus dem Handgelenk schütteln

Die T8-Skelett-Sensoren sind aus hautfreundlichem PET und ebensolchem TPU gefertigt, dazu kommen noch eigens entwickelte Materialien. Das führt dazu, so der Hersteller, dass kein anderer Musikhandschuh so haltbar und gleichzeitig so feinfühlig bedienbar ist. Um die Bewegungen des Handgelenks und des Arms aufzuzeichnen und in musikalische Signale umzusetzen, gibt's ein weiteres Steuergerät fürs Handgelenk. Wenn der Handschuh-Musiker sein Handgelenk bewegt, wird dadurch die Musik mit einem wählbaren Effekt verschönert. Auf dem Steuergerät befindet sich ein zusätzlicher Drehschalter, der ebenfalls programmierbar ist, und mit dem man zwischen voreingestellten Noten-Sets hin- und herspringen kann.

Im Herzen ist der T8 übrigens einfach ein Midi-Controller. Für Nicht-Musiker: Das ist wie ein Synthesizer oder ein Drumpad, mit dem man digitale Instrumente steuern kann. Da die Midi-Schnittstelle von vielen Musikern genutzt wird, dürfte sich der Handschuh reibungslos einbauen lassen. Kontakt mit anderen Geräten nimmt das Wearable per Bluetooth auf, programmiert und gesteuert werden kann das Gerät per App.

Preis in Deutschland: Etwa 260 Euro

Hinter der Idee steckt der Texaner Andrea Baldereschi, der seit September 2014 daran arbeitet, aus Gesten und Fingerbewegungen Musik werden zu lassen. Der Musiker ist seit dem zarten Alter von zehn Jahren in der Branche aktiv und hat sich einige hochkarätige Helfer an Bord geholt. Wer sich für das Musik-Wearable interessiert, kann derzeit noch mit 199 Dollar in die erste Runde einsteigen. Dazu kommen 29 Dollar Versandkosten und mit etwas Pech auch noch 50 Euro Zoll und Steuern, sodass ein Besteller aus Deutschland am Ende bei 260 Euro landen könnte.

Und hat die musikalische Erfindung Aussicht, finanziert zu werden? Bis jetzt sieht es nicht schlecht aus, aber übern Berg ist der Handschuh definitiv noch nicht. Von 50.000 Dollar, die die Macher zur Realisierung ihres Projekts brauchen, sind 29 Tage vor dem Ende des Finanzierungszeitraums gut 26.000 einkassiert, also etwas mehr als die Hälfte. Die Erfahrung zeigt, dass derartige Kickstarter-Projekte meist kurz vor Schluss noch einen ordentlichen finanziellen Schub bekommen – aber ob das reicht?

Die Vorstellung, auf völlig unsichtbaren Instrumenten in der Luft professionell zu spielen, halte ich für überaus sexy. Es wird viele Musiker und Bühnenkünstler geben, die damit ihr Publikum begeistern werden. Wäre ich Musiker, würde ich mir für spektakuläre Auftritte bestimmt die Anschaffung des Handschuhs überlegen. Denn das unsichtbare Klavier ist erstmals auch ein tolles Zauberkunststück, bei dem viele nicht darauf kommen, wie das funktioniert. Und mit einem Handschuh in Hautfarbe wäre die Illusion noch perfekter.

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