Kolumne

TURN ON Innovation: See Sense ACE – das kluge Fahrrad-Licht

Das intelligente Fahrrad-Licht SeeSense ACE wird derzeit bei Kickstarter finanziert.
Das intelligente Fahrrad-Licht SeeSense ACE wird derzeit bei Kickstarter finanziert. (©SeeSense 2017)

Okay, es gibt ja eine Menge Erfindungen, die auf Kickstarter & Co. angeboten werden, die technologischer Overkill sind: Eine vernetzte Zahnbürste oder der Bluetooth-Schminkspiegel mit Beleuchtung, die ja nach Stimmung ihre Farbe ändert. Aber beim klugen Fahrrad-Rücklicht mit KI bin ich dann doch neugierig geworden – und so unsinnig ist diese Erfindung gar nicht,

Mit dem Kickstarter-Projekt See Sense ACE wird ein intelligentes Fahrrad-Rücklicht angeboten, das mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet ist, und so in der Lage sein soll, auf jeden Moment einer Fahrradtour passend zu reagieren. Die Hersteller versprechen, dass das Licht hellere und schnellere Lichtblitze aussendet, um die Sichtbarkeit des Radfahrers dann zu verbessern, wenn diese am meisten gebraucht wird: an Kreuzungen, an Kreisverkehren und in der unmittelbaren Nähe von Autoscheinwerfern.

Die ACE-Erfinder haben schon drei Lampen gebaut – jetzt verbessertes Design

Die neue Lampe ist nicht das erste Licht, das den Erfindern aufgeht. Seit 2013 bastelt das Team um Philip McAleese aus Belfast in Nordirland an smarter Rad-Beleuchtung. Das Konzept wurde immer weiter verbessert und die Community um die klugen Fahrradlichter ist in den letzten Jahren gewachsen. Mit der Neuauflage der Lampe See Sense ACE – es ist jetzt die vierte Generation –  kommt vor allem eine komplett überarbeitete App. Die Lampen-Erfinder versprechen ein neues und verbessertes Interface-Design, das zusammen mit Experten entworfen wurde. So ist der Akku-Alarm verbessert worden und auch die Signale bei Unfall und Diebstahl wurden aufpoliert. Ebenfalls neu gestaltet: die Fahrrad-Registrierung und die Statistiken.

Und was kann das neue Licht nun alles, was sind die Eigenschaften?

  • Es ist mit 125 Lumen hinten und 150 Lumen vorne sehr hell
  • Es hat einen Ausleuchtungswinkel von 200 Grad
  • Der Akku hält je nach Beleuchtung bis zu 10 Stunden
  • Das Gerät ist mit IP67 wasserdicht
  • Der Akku wird intelligent verwaltet
  • Es gibt einen Diebstahlschutz
  • Es gibt einen Unfalls-Alarm
  • Es gibt eine Bremslicht-Funktion
  • Es gibt ein multifunktionales Halterungs-System
 SeeSenseACE: Das Licht soll besonders hell leuchten. fullscreen
SeeSenseACE: Das Licht soll besonders hell leuchten. (©SeeSense 2017)

Hardware erneuert – LEDs leuchten besonders hell

Aber neben der Software haben die Erfinder der Fahrradlampen auch die Hardware erneuert. Das Gerät hat einen neuen eigens entwickelten Chip an Bord, der dafür sorgt, dass die LEDs in der Lampe besonders hell leuchten. Das soll Vorteile gegenüber normalen Lampen bringen und die Leuchten sind besonders gut sichtbar, etwa so wie die Lichter eines Autos. Es soll möglich sein, das Licht aus über anderthalb Kilometern Entfernung zu sehen. Aber die ACE-Lampe kann noch mehr – sie reagiert auf die Helligkeit der Umgebung und leuchtet bei Tageslicht deutlich heller als in der Dunkelheit. Damit werden auch andere Nutzer der Straßen nicht geblendet. Es wird möglich sein, per App nicht nur die Helligkeit einzustellen, sondern auch die Blinkfrequenz. Die ist auch noch unregelmäßig, der besseren Sichtbarkeit wegen.

 Die Steuerung des Lichts geschieht per App. fullscreen
Die Steuerung des Lichts geschieht per App. (©SeeSense 2017)

Aber vor allem geht es ja um die künstliche Intelligenz: Die eingebauten Sensoren sollen laut den Erfindern Hunderte Mal pro Sekunde aufzeichnen, was ringsum passiert. Dabei lernt das Gerät den Fahrstil des jeweiligen Fahrers kennen und stellt sich auch auf die Umgebung ein, in der man normalerweise unterwegs ist. Dadurch soll ACE schnell in der Lage sein, auf bestimmte Situationen zu reagieren. So kann das Gerät beispielsweise erkennen, wenn der Drahtesel zum Parken abgestellt wird. Nach drei Minuten wird der Standby-Modus aktiviert und Strom gespart. Sobald das Fahrrad wieder bewegt wird, startet das Gerät wieder.

An Kreuzungen wird das Licht automatisch heller

Und bei bestimmten Verkehrssituationen, etwa an Kreuzungen und in Kreisverkehren, wird das Licht automatisch heller gedreht und die Blitzfrequenz verändert – um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Bewegt jemand das Fahrrad bei aktiviertem Diebstahlschutz, gibt es einen lauten Warnton. Und wenn der Fahrer einen Unfall hat, dann wird automatisch eine Warnung an eine vorher eingestellte Adresse gesendet – per Smartphone natürlich. Der Hersteller gibt an, dass das Licht für diese ganzen smarten Funktionen nur einmal pro Woche aufgeladen werden muss.

Das Rücklicht SeeSense ACE kann auch an der Kleidung angebracht werden ... fullscreen
Das Rücklicht SeeSense ACE kann auch an der Kleidung angebracht werden ... (©SeeSense 2017)
... und reagiert auch auf den Halt des Fahrrads ... fullscreen
... und reagiert auch auf den Halt des Fahrrads ... (©SeeSense 2017)
... und passt sich auch anderen Fahrsituationen an. fullscreen
... und passt sich auch anderen Fahrsituationen an. (©SeeSense 2017)

Ein ACE-Set besteht aus einem Rücklicht und einem Frontscheinwerfer, die beide miteinander elektronisch per Smartphone verbunden sind. Die Kickstarter-Community ist von dem Projekt anscheinend schwer angetan, sodass 23 Tage vor Ende der Finanzierung die geforderten 30.000 Pfund mit über 87.000 Pfund schon deutlich übertroffen wurden. Das ist gerade bei schon bekannten Anbietern immer ein gutes Zeichen für die Qualität und deren Verlässlichkeit. Wirklich spannend ist aber diesmal der Preis: Inklusive Versand kostet das Licht-Set in Deutschland knapp 55 Euro. Und da der Produktionsort Nordirland zu Großbritannien und damit noch zur EU gehört, fallen derzeit noch keine Zölle und Steuern an. Ich finde, ein ganz interessantes Angebot, um aus einem Fahrrad ein Connected Bike zu machen.

Jede Woche Donnerstag nehmen wir ein neues spannendes Crowdfunding-Projekt genauer unter die Lupe und berichten darüber ausführlich in TURN ON Innovation. Vergangene Themen unserer Innovations-Kolumne findest Du in dieser Übersicht.

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