Kolumne

TURN ON Innovation: Was kann der Android-PC Remix denn nun?

Der Remix Mini ist ein erfolgreiches Kickstarter-Projekt.
Der Remix Mini ist ein erfolgreiches Kickstarter-Projekt. (©Jide 2015)

Vor einigen Monaten wurde bei Kickstarter ein Projekt gestartet, bei dem ein kleiner PC im Miniformat finanziert werden wollte. Das Besondere an dem Gerät: Es läuft mit dem Smartphone-Betriebssystem Android. Im Test bei TURN ON soll und kann der kleine Rechner beweisen, ob er zu großen Leistungen fähig ist.

Ich bin schon länger ein Fan kleiner, kompakter und dennoch leistungsfähiger Mini-Rechner. Ich habe beispielsweise einen Raspberry Pi, der seinen Dienst als Medien-Player tut, und auch das neue Modell steht neben dem Fernseher und ist tatsächlich viel schneller als der alte.

fullscreen
Der Remix Mini wurde über Kickstarter finanziert. (©TURN ON 2015)

Remix Mini kostet nur schlappe 30 Dollar

Aber Raspberry Pi ist im Grunde reines Linux – auch wenn man das bei der Verwendung von Kodi kaum merkt – und damit mitunter etwas kompliziert und wenig einsteigerfreundlich. Da kam das Kickstarter-Projekt Remix Mini gerade recht: Eine Firma aus Hongkong sammelte Geld für den Bau leistungsfähiger Mini-Rechner mit einem eigens entwickelten Android-Betriebssystem von Google. Da das Gerät nur schlappe 30 Dollar kosten sollte, habe ich schnell zugeschlagen und musste dann ebenso schnell merken, dass es doch deutlich teurer wurde. Zu den Versandkosten von 20 Dollar kamen nämlich nochmal etwa knapp 15 Euro an Einfuhrumsatzsteuer dazu, da der Zoll das kleine Gerätchen herausfischte und mich zum Abholen aufforderte.

fullscreen
Auf Kickstarter war der Remix sehr erfolgreich. (©TURN ON 2015)

Aber für diese insgesamt etwa 60 Euro habe ich nun einen Mini-PC, auf dem gerade dieser Test geschrieben wird. Vom Remix Mini gibt's derzeit zwei Varianten. Ein Modell verfügt über 1 GB RAM und 8 GB Speicher, das andere hat jeweils doppelt so viel. Ich habe mich für die Variante mit 16 GB entschieden. Browser und Mailprogramm sind auf dem Gerät ohnehin vorinstalliert wie in jedem guten Android-System. Und den Rest kann man sich wie per Smartphone problemlos aus den 1,5 Millionen Apps von Google Play heraussuchen und herunterladen. Damit geht dann fast alles. Aber nur fast, denn komplexe Bildbearbeitung ist ebenso schwierig wie etwa Videoschnitt oder Grafikerstellung.

Die Grundlagen funktionieren jedoch tadellos und auch ziemlich flink. So lassen sich etwa bekannte Tastenkombinationen wie Strg+C zum Kopieren ebenso nutzen wir Strg+V zum Einfügen. Und mit der Druck-Taste kann man wie unter Windows einen Screenshot machen. Die auf dem Remix Mini aufgerufene Funktion ist allerdings wesentlich komfortabler, denn man kann auch einen Ausschnitt wählen. Was bislang leider nicht geht, ist etwa die Funktion, per Ziffernblock-Kombination Sonderzeichen einfügen zu können.

fullscreen
Remix Mini: Natürlich wird auch die TURN ON-Seite korrekt dargestellt. (©TURN ON 2015)

Android-PC ist topfit in Sachen Multimedia

Auch in Sachen Multimedia kann der Kleine einiges. Es ist uns beispielsweise aber nicht gelungen, Dolby Digital-Sound wiederzugeben, der anscheinend nicht per HDMI übertragen wird. Auch etliche Apps wie der MX Player beherrschen anscheinend kein Downsampling der Mehrkanals-Streams, um den Ton über den Stereo-Ausgang wiederzugeben. Hier schafft aber das Mediacenter Kodi Abhilfe, das Dolby- oder auch DTS-Ton einwandfrei in Stereo abspielt. Filme werden aber in Full HD mit ganz wenigen Ausnahmen ruckelfrei abgespielt, sogar übers WLAN. Musik läuft sowieso prima, hier ist die Wiedergabe keine Hürde.

Probleme machen leider alle Fernsteuer-Apps. So wollte es uns etwa nicht gelingen, Team Viewer zum Laufen zu bringen. Im offiziellen Support-Forum heißt es auch, dass das bislang nicht geht. Hoffentlich bessert der Hersteller hier noch nach, denn das kleine Gerät zum Beispiel per Smartphone oder PC fernsteuern zu können, wäre schon eine feine Sache. Positiv zu erwähnen ist noch, dass auch das bekannte Media-Center Kodi (früher XBMC) auf dem kleinen Rechner prima läuft, allerdings nur im Vollbildmodus. Aber: Nicht alle Apps funktionieren wirklich einwandfrei, es gibt immer wieder mal Ausreißer, bei denen das Betriebssystem noch angepasst werden muss.

fullscreen
Der Remix Mini hat auf der Rückseite diverse Anschlüsse wie Netzwerk, USB und HDMI. (©TURN ON 2015)

Das Remix OS an sich ist in der Version 2.0 aber bereits eine geniale Sache. Es ist eng angelehnt an die Windows-Optik mit Start-Button und Taskleiste, es gibt einen Papierkorb und eine Benachrichtigungsleiste. Wer sich mit Windows auskennt, dürfte auch mit dieser flinken Android-Variante kaum Probleme haben. Unterm Strich kann das Remix OS vor allem durch seine Schlankheit und sein Tempo glänzen. Alle Einstellungen sind an einem Platz und schnell gemacht. Die Anpassung an den Bildschirm etwa passiert mit einem Schieberegler, und das Bild lässt sich in zwei Auflösungen mit jeweils 50 oder 60 Hertz darstellen. Der Ton kann entweder per HDMI oder über die Klinkenbuchse oder auf beiden Wegen ausgegeben werden. Es geht aber auch per RAW, dann wird der Stream einfach durchgeschleift und muss im Receiver decodiert werden. Diese und andere Einstellungen kann man leicht und schnell ändern.

Schneller als manche Windows-Rechner

Der Remix Mini kann also vor allem durch sein Tempo überzeugen. Mit Athlon 2-Prozessoren, die mit 3 GHz getaktet sind, kann der eingebaute ARM-Chip vom Typ Cortex A53 mit vier Kernen und 1,2 GHz und einer 64-Bit-Architektur nicht nur mithalten, sondern übertrifft das Tempo dieser Windows 10-Maschine deutlich. Da die Android-Apps alle außerordentlich schlank programmiert sind, starten die Programme extrem flott und lassen sich auch ebenso schnell wieder beenden, ohne das System danach zu belasten. In Sachen Leistung und Tempo macht die Remix-Version von Android riesigen Spaß. Das Remix Mini OS basiert übrigens auf Android 5.1 Lollipop, ist also ausreichend aktuell und wird zudem laufend aktualisiert.

fullscreen
Dieser Test des Remix Mini ist größtenteils auf dem Gerät selber entstanden. (©TURN ON 2015)

Erfreulich ist auch der Stromverbrauch, denn der kleine Rechner, der etwas an ein Brillenetui erinnert, verbraucht weniger als 10 Watt. Im Vergleich dazu kommt ein Desktop-Rechner auf bis zu 250 Watt oder sogar noch mehr, wenn eine hochwertige Grafikkarte eingebaut ist. Anschluss findet der kleine Andrioide ebenfalls prima, denn er verfügt außer über WLAN und eine Ethernet-Buchse auch über Bluetooth und natürlich USB. Während die Peripheriegeräte wie Maus und Tastatur per USB angeschlossen werden, kommt das Bild per HDMI in den Monitor. Mit einem Adapter lassen sich aber ebenso normale Computer-Bildschirme anschließen, die nur über einen DVI-Eingang verfügen.

Keine hektisch flackernden Leuchten

Etwas unpraktisch wirkt im alltäglichen Gebrauch ein besonderes Feature. Per Fingertipp auf den Schriftzug auf der Oberseite des Remix Mini kann man das Gerät in den Ruhezustand versetzen. Leider passiert das auch unabsichtlich, wenn man den Mini-PC in die Hand nimmt. Aber das Aufwecken ist ja auf ähnliche Weise möglich. Das Gerät wird im Betrieb auch nur mäßig warm, ist absolut leise und hat keine übertrieben flackernden Leuchten oder Lichterketten, was es als Streaming-Gerät neben dem Fernseher durchaus brauchbar erscheinen lässt – sofern man die Sache mit dem Ton in den Griff bekommt. Dazu muss man entweder eben den Stereo-Ton in Kauf nehmen oder aber einen entsprechenden Receiver anschließen, der in der Lage ist, die Mehrkanal-Streams selber zu dekodieren.

fullscreen
Das Gerät ist sehr kompakt und arbeitet lautlos. (©TURN ON 2015)

Unterm Strich ist der Remix Mini nicht nur ein kleines und billiges Gerät, sondern auch recht sicher. Man muss zwar Tastatur und Maus mitnehmen, kann diese aber sogar per Bluetooth anschließen, entsprechende Modelle vorausgesetzt. Dann kann man immerhin auf zwei Kabel verzichten und braucht nur eines für den Monitor und eines für die Stromversorgung. Überzeugt von dem Gerät waren auch die Teilnehmer bei Kickstarter, wo es 1,6 Millionen US-Dollar einspielte. Dort kann man das Gerät übrigens nach wie vor bestellen, landet aber jetzt beim Online-Shop des Anbieters.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben