Kolumne

TURN ON Talk: Drohnen – Bedrohung oder Hoffnungsträger?

Alex meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort.
Alex meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort. (©TURN ON 2015)

Drohnen. Oder wie die Profis sagen würden: unbemanntes Luftfahrzeug. Klingt oberflächlich, wie der nächste schlechte Actionfilm mit absurden Kriegsszenarien und gemein geplanten Raketenangriffen, doch geht es hier nicht um einen militärischen Henker aus der Ferne, sondern um einen Weltverbesserer im privaten und kommerziellen Einsatz.

Drohnen stehen als Überbegriff für das was wir in Zukunft unter "Transport" verstehen werden. Denn: Nirgendwo anders waren Drohnen so omnipräsent wie auf der CES 2016 – und somit wohl bald auf der ganzen Welt?

Aber ja, was in diesem Zusammenhang gesagt werden sollte: Erste Drohnen gab es bereits zu Zeiten des Ersten Weltkriegs, die unbemannt durch die Lüfte flogen und alles zerbombten, was ihnen im Vorfeld einprogrammiert wurde. Bis heute werden Drohen für militärische Zwecke stets weiterentwickelt und verfeinert, um aus der Ferne Dinge zu zerstören, vor denen man sich fürchtet.

Parrot macht die Drohne salonfähig

Wesentlich friedlicher und nützlicher ging es aber ab 2010 fernab von Militär und Co. los. Der Hersteller Parrot veröffentlichte die erste Drohne für jedermann. Egal ob Privatperson oder Firma, jeder konnte dieses Ding mit vier Propellern und Kamera bedienen. Es war die Geburtsstunde der AR.Drone oder, wie man heute sagen würde, des Quadcopters. Die Menschen waren von diesem Spielzeug begeistert. Mehr und mehr kreative Köpfe machten sich über bis zu diesem Zeitpunkt unmögliche Einsatzzwecke Gedanken. Und mehr und mehr Hersteller schmissen nach und nach schrottige, aber teilweise auch innovative Drohnen-Weiterentwicklungen auf den Markt.

Kleine, große, günstige, teure, Full HD, Ultra HD – die technische Entwicklung reißt nicht ab. Und das ist auch gut so, denn Drohnen haben uns bis heute in vielerlei Hinsicht bereichern
können. Oh ja, wir können heute die wohl schönsten Selfies von uns machen, wir können uns mit unserem Smartphone vollautomatisch in Gegenden umschauen, in denen wir sonst in Lebensgefahr schweben würden und all das "verhältnismäßig günstig". Bereits für etwa 100 Euro gibt es kleine Drohnen mit Kameras. Ob die jetzt gut sind oder nicht, ist wieder eine ganz andere Sache ... aber es geht!

Drohnen sind die Postboten der Zukunft

Und nicht nur der Preis, sondern auch der Ideenreichtum ragen heute von "plump" bis "ins Unendliche und noch viel weiter". Versandhäuser wie Amazon tüfteln weiter an Drohnen, die automatisch Pakete direkt vor die Haustür liefern. Paketdienstleister DHL probiert auch schon fleißig das Zustellen mit Drohnen aus, weil die wenigstens nicht streiken und Autohersteller Renault will bei jedem neuen Auto eine Drohne nebenher fliegen haben, die sich um die Navigation kümmert. Na, wer da bei "Star Wars" abgeguckt hat. Auch ganz aktuelle Projekte, wie das von Ehang (Ehang 184 Drone) stimmen optimistisch. Eine autonome Drohne, die eine Person von A nach B befördern kann? Ganz ohne labernde Stewardess und absurder Umweltbelastung? Ich meine, was kann es besseres geben?

Richtig, nur Schlechteres. Die Kehrseite der Medaille zeigt, dass viele nicht nur drauf und dran wären, Paketdrohnen vom Himmel zu schießen und sich mit dem Inhalt selbst zu beschenken,
sondern auch, dass Drohnen ein allgemein zunehmendes Risiko durch Vollidioten darstellen. Unangemeldetes Fliegen durch die Stadt oder über Flughäfen, heimliches Beobachten von Bereichen, die mit Absicht von der Außenwelt abgeschottet sein wollen, Drohnen, die inzwischen wie Tiere aussehen und sich so bewegen. Apropos Tiere: so mach ein Drohnen-Filmer mit übergroßem Ego jagt exotische Tiere in exotischen Gegenden bis zum Rande des Landes und Verderbens – nur, um am Ende die beste Aufnahme für viel Geld verkaufen zu können.

Der Mensch am Drohnen-Steuerknüppel ist entscheidend

Also ... sind Drohnen nur Angst einflößende Mini-Hubschrauber mit kriminellem Potential oder doch die hoffnungstragenden Weltverbesserer? Beides. Ihr wisst doch, am Ende ist es so: Technologie ist nicht böse, sie zeigt, was möglich ist. Derjenige, der am Steuerknüppel sitzt, entscheidet über das, was passiert und das sind wir, die Menschen. Und würde die Politik sich endlich einmal einem ordentlichen Regelwerk für Drohen im privaten und gewerblichen Einsatz (und somit ländlichen und städtischen Einsatz) widmen, würden wir an einer konkreten Zukunft arbeiten, die nicht nur die Welt, sondern besonders uns selbst verbessern würde.

Alex und Jens sind nicht nur auf YouTube für TURN ON aktiv und testen dort die neuesten Produkte. Die beiden kommentieren hier wöchentlich auch schriftlich aktuelle Entwicklungen, Produkte oder Trends aus der Tech-Welt.

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