Kolumne

TURN ON Talk: Technik-Vielfalt oder Augenwischerei?

Alex regt sich auf: Kommt ein neues Handy raus, ist der Nachfolger nicht mehr weit.
Alex regt sich auf: Kommt ein neues Handy raus, ist der Nachfolger nicht mehr weit. (©TURN ON 2015)

Vielfalt. Wie ich sie hasse. Besonders im Technik-Segment. Denn diese vermeintliche Vielfalt ist alles andere als das. Sie ist Augenwischerei, Ressourcenverschwendung und PR-Gelaber, damit ernsthafte Neueinsteiger in Zukunft von Anfang an schlechte Karten am Markt und bei Kunden haben. Doch warum rege ich mich überhaupt auf?

Dinge wie das aktuelle OnePlus X oder das iPhone oder auch die Galaxy-Reihe. Vor kurzem habe ich bereits mit meinem Kollegen Jens in einem unserer TURN ON-Videos darüber geschimpft, dass,
sobald ein aktuelles Smartphone-Modell eines Herstellers auf den Markt kommt, bereits wenige Tage später die Gerüchteküche über Welten geilere Nachfolger brodelt. Als sei das nicht schon idiotisch genug, wird meist im selben Atemzug eine kleinere oder abgespecktere Auskopplung entsprechender Modelle angekündigt, die im Grunde genau so teuer sind, vielleicht ein oder zwei Sachen anders, im Grunde aber genau das gleiche machen wie der Vorgänger, das Hauptmodell oder alle anderen Modelle gleicher Hardware- oder Preisklasse.

Apple, Samsung & Co. – ein großer Smartphone-Einheitsbrei

"Alle anderen" ist auch schon das Stichwort. Diese "anderen" am Markt waren früher vielleicht zwei oder drei Hersteller, die tatsächlich mal versucht haben, etwas anders zu machen. Sei es durch spürbar günstige Preise oder einfache Kunststoffgehäuse oder qualitativ schlechtere Displays bei sonst gleicher Ausstattung. Heute sind aber "die anderen" – neben den großen Playern wie Apple, Samsung, LG oder HTC – unzählige Marken wie: Meizu, Huawei, Honor, Oppo, Wiki, ZTE, Yota, Vivo, Amoi, Eten, Intex, NIU, Qtek, Sendo, Sonim, Chea, Lava, XOLO... Mir gehen langsam die Zeilen aus.

Was fällt auf, wenn wir uns alle Telefone dieser Hersteller mal nebeneinander gelegt anschauen? Genau, alle laufen mit irgendeinem Android, alle sehen gleich aus oder genau so wie ein iPhone-Galaxy-HTC-Mutant, allesamt können das gleiche schlecht oder gut, haben die immer gleichen Macken oder Schwachstellen, kosten das gleiche und unterstützen bestimmte Programme oder Zubehöre gleichermaßen nicht, bedingt oder in seltenen Fällen auch gut.

Warum muss das alles sein?

Da frage ich mich wirklich ernsthaft, wieso gibt es keine Instanz, die reguliert? Ständig ist in einschlägiger Presse bei der Herstellung von entsprechenden Gadgets die Rede von "menschenverachtender Fabrikarbeit" und "schwer zu bekommenen, seltenen Erden". Alles schwierig, müßig, zukünftig wertvoller als Öl... Achja? Und warum produziert man noch all diese Telefone? Und in Zukunft mit welchen Rohstoffen? Und wie sollen gerade Neulinge oder Unwissende – auf die diese Hersteller scheinbar abzielen – überhaupt jene auf dem Schirm haben oder unterscheiden können, welches der angebotenen Geräte überhaupt das "beste" sein könnte, wenn man sich denn für ein Gerät aus solch Höllenöfen entscheiden muss?

Vielfalt? Nicht ohne individuellen Charakter!

Das hat nichts mit "Konkurrenz belebt das Geschäft" zu tun, das hat nichts mit Vielfalt zu tun. Mir kommt das mittlerweile vor wie in Gold gewickelter Abfall, wie eine aufgehübschte Resterampe für ausgediente Technik, die ihr zweites Leben als "Schmalspur"-Gadget anzutreten haben. Hersteller betonen zwar, mit dieser Art und Weise absolut und ausnahmslos jedem Bedürfnis jeglicher Kundschaft gerecht zu werden, vergessen dabei jedoch eine ganz einfache und gleichzeitig wichtige Grundregel: Man gefällt nicht jemandem, indem man seinen Charakter anpasst, sondern nur dann, wenn man seinen ganz eigenen Charakter herausarbeitet.

Alex und Jens sind nicht nur auf YouTube für TURN ON aktiv und testen dort die neuesten Produkte. Die beiden kommentieren hier wöchentlich auch schriftlich aktuelle Entwicklungen, Produkte oder Trends aus der Tech-Welt.

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