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Vom Meme zum Must-Have: So wurden die Apple AirPods zum Erfolgsmodell

Im Alltagsbild angekommen: Die Apple AirPods.
Im Alltagsbild angekommen: Die Apple AirPods.

Als Apple die kabellosen AirPods vor über zwei Jahren der Weltöffentlichkeit vorstellte, war das Gelächter groß. Mittlerweile haben sich die weißen In-Ear-Kopfhörer aber nicht nur durchgesetzt, sie sind aktuell eines der erfolgreichsten Produkte des iPhone-Herstellers. Wir erklären, warum.

Was haben wir gelacht, als Apple auf seiner Keynote im September 2016 die AirPods vorstellte: True-Wireless-In-Ear-Kopfhörer in Weiß, die aussehen, als hätte man die Kabel einfach mit der Schere abgeschnitten und einen Stummel stehen gelassen – oder als hätte man sich einfach den Aufsatz einer elektrischen Zahnbürste ins Ohr gesteckt. Die Bilder der neuen Ear-Buds entwickelten sich aus dem Stand zum ausgewachsenen Internet-Meme.

Apple AirPods: Erst Hingucker, jetzt gewohnter Anblick

Zugegeben, auch ich fand den Look zuerst unmöglich – mittlerweile habe ich mich aber völlig an den Anblick gewöhnt. Waren mir anfangs noch schräge Blick sicher, wenn ich mit den AirPods in den Ohren unterwegs war, gehören sie nun mehr oder weniger zum Alltagsbild in einer Großstadt wie Hamburg.

Auch die anfängliche Befürchtung, dass man die Apple AirPods quasi sofort nach dem Auspacken verlieren würde, erwies sich augenscheinlich als falsch. Einerseits halten die In-Ears im durchschnittlichen Ohr erstaunlich gut, andererseits sind wir Menschen offenbar weniger unvorsichtig als "das Internet" damals dachte. Sicherlich kommt ein Verlust vor, aber persönlich habe ich noch von keinem derartigen Fall gehört.

Apple AirPods in Gefahr

Dass die AirPods nicht reihenweise verloren gehen, mag auch an der Funktion "iPhone-Suche" liegen. Mit ihr kann man die AirPods auf der Karte lokalisieren oder zum Wiederfinden einen Ton abspielen.

Aber Unfälle sind natürlich nicht auszuschließen: Tatsächlich habe ich meine AirPods schon aus Versehen bei 40 Grad in der Waschmaschine "gereinigt". Nach ausgiebigem Trocknen (wichtig: nicht einschalten – Kurzschluss-Gefahr!) funktionierten die In-Ears an sich aber einwandfrei. Das Lade-Case musste ich allerdings für 90 Euro bei Apple ersetzen.

Apple: Die AirPods als Teil einer großen Strategie

Die Apple AirPods haben überzeugt – wenn auch nicht restlos. Die Gesten-Steuerung könnte in meinen Augen gerne etwas flexibler gestaltet sein, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber Apple setzt eindeutig darauf, Sprachassistentin Siri stärker in den Alltag zu integrieren und zwingt Besitzer der AirPods deswegen dazu, die Lautstärke per Sprachbefehl zu regulieren, oder eben am iPhone. Das ist Teil einer Strategie, die Apple-Analyst Tim Bajarin gegenüber Medium erläutert:

"Sprache ist eine neue Art Interface zwischen Mensch und Maschine. Informationen auf Nachfrage über ein Headset zu erhalten, das an Services angebunden ist, ist ein wichtiger Teil von Apples zukünftiger Augmented-Reality-Strategie."

Der Service-Bereich, zu dem auch Geschäftsbereiche wie der App Store und Apple Pay zählen, ist für das Unternehmen zur wichtigen Geldquelle geworden: "Der Umsatz aus dem Service-Geschäft von Apple lag 2017 bei etwa 29 Milliarden US-Dollar, 2018 lag er bei schätzungsweise 39 Milliarden. Das ist phänomenal", so Analystin Annette Zimmermann.

Kaufen Apple-Fans sich statt dem neuen iPhone jetzt lieber AirPods?

Vor diesem Hintergrund sehen die Absatzzahlen der AirPods blass aus. Die von Analyst Ming-Chi Kuo geschätzten Verkaufszahlen (via CNBC) belegen aber, dass der iPhone-Hersteller mit dem Produkt richtig lag: Seinen Zahlen nach müsste Apple 2018 etwa 28 Millionen Einheiten der AirPods abgesetzt haben – die In-Ears wären damit Apples erfolgreichstes Accessoire überhaupt.

Das ist für den Konzern enorm wichtig, da die Verkäufe dieser Accessoires (dazu zählt auch die Apple Watch) helfen, die zurückgehenden iPhone-Umsätze teilweise zu kompensieren. Bis 2020 könnte das Unternehmen jährlich um die 100 Millionen Paar verkaufen, denn Analyst Kuo glaubt, dass iPhone-Besitzer sich nun eher AirPods kaufen werden, als ein neues Smartphone.

Kaum Schnickschnack, dafür funktionell

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Koppeln mit dem iPhone: Unkomplizierter geht es kaum.

Insgesamt hat Apple die meisten Versprechen gehalten, die bei der Einführung der AirPods gemacht wurden. Auch wenn ich zuerst lange gezögert habe, die fälligen 170 Euro auszugeben, bereut habe ich den Kauf hinterher nie.

Gegenüber Bluetooth-Audio war ich zum Beispiel vorher immer skeptisch: Gefummel beim Koppeln und Verbindungsabbrüche möchte ich beim Genuss von Musik per Kopfhörer absolut nicht haben. Aber Apple hat bei den AirPods offenbar das User-Erlebnis an erste Stelle gestellt – einmalig verbinden und das war's, auf allen Apple-Geräten des Besitzers. Probleme mit der Verbindung haben Seltenheitswert. Das trifft auch auf das Gesamtprodukt AirPods zu: kaum Schnickschnack, überraschend guter Klang und sehr funktionell.

Mittlerweile erscheint mir dieses Prinzip der Main-Selling-Point von Apple-Produkten zu sein: Innovation ist sekundär, dagegen steht die User Experience im Vordergrund – die AirPods wirken hochwertig und funktionieren intuitiv und zuverlässig. Dafür wird dann auch auf ausladende Features verzichtet.

Bleibt weniger mehr? Was die AirPods 2 mitbringen sollten

Jetzt, wo die AirPods nicht mehr nur von Early-Adoptern gekauft werden, sondern ihren Weg zu den Massen gefunden haben, werden Fragen nach einem Nachfolgemodell immer lauter: Gerüchteweise sollen noch im Frühling die AirPods 2 vorgestellt werden. Welche Neuerungen wird Apple den Kopfhörern spendieren? Kabelloses Laden ... unbedingt. Eine matte Oberfläche ... warum nicht. Optional in Schwarz ... wer's braucht.

Die AirPods 2 könnten mit dem W3 Wireless Chip ausgeliefert werden, der schon die Apple Watch Series 4 befeuert. Zusammen mit Bluetooth 5 könnten so vor allem Verbindungsgeschwindigkeit und Energieverbrauch verbessert werden. Gerüchteweise sollen auch einige Gesundheits-Features ihren Weg in die zweite Generation der In-Ears finden, ebenfalls sollen sie Siri eventuell direkt mit an Bord haben.

Sitzt Siri bald direkt im Ohr? W3-Chip soll Befehle schneller verarbeiten

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Apple AirPods: Was werden die Nachfolger können?

Schon in iOS 12.2 könnte zudem eine neue Funktion dafür sorgen, dass die AirPods nur noch auf die Stimme des Besitzers hören. Vorstellbar ist, dass die AirPods 2 so nicht mehr angetippt werden müssen, um die Sprachassistentin zu aktivieren. Die Befehle werden direkt in den In-Ears interpretiert, die Verarbeitung funktioniert dann deutlich schneller.

Zusammen mit flexiblerer Gesten-Steuerung und Zusatz-Features wie einem grafischen Equalizer wünsche ich mir tatsächlich ein entsprechendes Software-Update innerhalb von iOS. Andererseits hat mir mein Vergleich mit den Sennheiser Momentum True Wireless gezeigt, dass Apple mit dem 'Weniger ist mehr'-Prinzip bisher richtig lag. Und auch wenn ich sie mir vorerst nicht kaufen werde: Ich für meinen Teil bin gespannt auf die zweite Generation der AirPods.

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